Last Flag Flying
Der US-amerikanische Schriftsteller Darryl Ponicsan
schrieb 1970 mit „Das letzte Kommando“ bereits einen Roman über zwei
Berufssoldaten, die abkommandiert werden, um einen jungen Matrosen von Virginia
in ein Marinegefängnis in Maine zu bringen. Hal Ashby („Harold und
Maude“) verfilmte das Buch mit Jack Nicholson und Randy Quaid
in den Hauptrollen. 2005 folgte mit „Last Flag Flying“ eine Art
Fortsetzung, die Richard Linklater („Before Sunrise“, „Boyhood“)
animierte, ebenfalls eine Verfilmung vorzunehmen, allerdings ohne einen Bezug
zu Ashbys Film herzustellen. Stattdessen inszenierte er 2017 mit „Last
Flag Flying“ eine ebenso nachdenkliche wie witzige Hommage an den
eigentlichen Vorläufer und einen Buddy-Film, in dem Steve Carell, Bryan
Cranston und Laurence Fishburne zu Hochform auflaufen.
Inhalt:
Der Vietnam-Veteran und Ex-Knacki Larry „Doc“ Shepherd (Steve
Carell) hat vor gar nicht so langer Zeit nicht nur seine Frau an den
Brustkrebs verloren, sondern zur Weihnachtszeit des Jahres 2003 nun auch den
Tod seines Sohnes zu betrauern, der im Irak-Krieg gefallen ist. Um die die
Überreste seines Sohnes abzuholen und diese zu der Beerdigung zu bringen, sucht
Larry Beistand bei zwei alten Kriegs-Kameraden, die er seit 30 Jahren nicht
gesehen hat: Der trinkfeste Zyniker Sal Nealon (Bryan Cranston) besitzt
inzwischen eine heruntergekommene Bar in Norfolk, Virginia, und der einstige
Draufgänger Richard Mueller (Laurence Fishburne) hat zu Gott gefunden
und predigt in einer Baptistengemeinde im Norden des Bundesstaates. Nachdem sie
kurz gezögert haben, stimmen Sal und Richard zu, Larry Jr. zu dritt auf seiner
letzten Reise begleiten. Unterwegs kommt es insbesondere zwischen Sal und
Mueller zu Konflikten. Beide hatten im Vietnamkrieg viel mit Alkohol, Drogen
und Prostituierten zu schaffen. Mueller empfindet diese Vergangenheit
mittlerweile als sündhaft, während Sal – obwohl er mit zunehmendem Alter nun
auch die Schattenseiten dieser Lebensart zu spüren bekommt – immer noch
freigeistig unterwegs ist und kein gutes Wort für Religion übrighat. Auch plagt
sie ein schlechtes Gewissen: Im Krieg hatten die beiden den damals 19-jährigen
Neuling Larry, der für den Vorrat an Schmerzmittel zuständig war, dazu
genötigt, diese zu entwenden und einzunehmen. Weil die Schmerzmittel
aufgebraucht waren, starb ein tödlich verwundeter Marine namens Hightower unter
unnötig schmerzhaften Umständen. Larry musste dafür den Kopf hinhalten, wurde unehrenhaft
entlassen und im Gefängnis seine Strafe absitzen.
An der Dover Air Force Base begegnen die Männer der im Sarg
befindlichen Leiche von Larrys Sohn. Mueller und der zuständige Colonel (Yul
Vazquez) raten Larry, nicht den Leichnam seines Sohnes zu betrachten, da
dessen Gesicht weitgehend zerstört worden sei, während Sal meint, er würde sich
an Larrys Stelle der Wahrheit stellen wollen. Larry entscheidet sich, den
Leichnam seines Sohnes zu betrachten, was ihn erschüttert zurücklässt.
Unterdessen erzählt der mit dem Toten befreundete Soldat Charlie Washington (J.
Quinton Johnson) gegenüber Sal und Mueller, dass Larry Jr. nicht wie
offiziell behauptet heldenhaft im Kampf starb, sondern beim Kauf von Coca-Colas
hinterrücks von einem Attentäter erschossen wurde. Als Larry die ganze Wahrheit
erfährt, will er seinen Sohn nicht wie geplant auf dem Nationalfriedhof
Arlington beisetzen, sondern ihn im zivilen Rahmen daheim in New Hampshire bestatten.
Der hierüber verärgerte Colonel beauftragt Washington, die Männer auf ihrer
Fahrt zu begleiten, und nebenbei Larry zu überzeugen, seinen Sohn in
Militäruniform zu bestatten…
Kritik:
Ähnlich wie schon in „Das letzte Kommando“ hat Darryl
Ponicsan in „Last Flag Flying“ eine ungewöhnliche Ausgangssituation
für den Road-Trip dreier Männer geschaffen, die sich während ihrer Mission über
die wichtigen Dinge im Leben unterhalten. In Linklaters Adaption der
Vorlage sind die drei damals sehr jungen Kriegskameraden sichtlich gealtert.
Vor allem Sal und Richard hat der übermäßige Drogen- und Alkoholkonsum über die
Jahre arg zugesetzt, während Doc ein ruhiger Familienmensch wurde, der nun innerhalb
von kürzester Zeit seine zwei liebsten Menschen verloren hat. Was liegt da
näher, als seine zwei ältesten Freunde um Unterstützung zu bitten, auch wenn er
sie seit drei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat? Aus der Unterschiedlichkeit
der Charaktere zieht „Last Flag Flying“ dann auch seinen
Unterhaltungswert. Wenn vor allem Sal seine zynischen Kommentare zu Gott, zur
Staatsführung und zum Militär ablässt, fährt Bryan Cranston („Breaking
Bad“, „Wakefield“) zu absoluter Höchstform auf. Auch wenn das Thema Patriotismus
gerade zum Ende hin arg überstrapaziert und glorifiziert wird, ist Linklater
ein thematisch etwas überfrachtetes, aber schauspielerisch sehr unterhaltsames
Buddy Movie gelungen.

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