Kinjite – Tödliches Tabu

Einst hat Filmemacher J. Lee Thompson Meisterwerke wie „Die Frau im Morgenrock“ (1957), „Tiger Bay – Ich kenne den Mörder“ (1959), „Die Kanonen von Navarone“ (1961) und „Ein Köder für die Bestie“ (1962). Seine letzten Arbeiten in den 1980er Jahren widmete er vor allem zunehmend moralisch fragwürdigen Charles-Bronson-Vehikeln wie „Der Liquidator“, „Der Ambassador“, „Murphys Gesetz“ und „Death Wish 4 – Das Weiße im Auge“. Auch sein letzter Film – „Kinjite – Tödliches Tabu“ (1989) entstand mit Charles Bronson in der Hauptrolle.

Inhalt:

Als der japanische Geschäftsmann Hiroshi Hada (James Pax) erlebt in der vollen Tokioter U-Bahn beobachtet, wie ein Mann seine Hand einer jungen Frau unter ihren Rock schiebt, ist er erstaunt, dass sich die Frau das Verhalten toleriert und sogar sexuell befriedigt wird. Nachdem er von seiner Firma nach Los Angeles beordert wird, vergnügt sich Hada nicht nur mit anderen Frauen, wie seine Frau zwar kritisiert, aber nicht zu verhindern vermag, sondern versucht den in Tokio beobachteten Vorfall im Bus an einer jungen Amerikanerin selbst auszuprobieren. Zu seinem Unglück schreit das 15-jährige Opfer nicht nur lautstark bei der unsittlichen Berührung, sondern entpuppt sich zudem als Tochter des hartgesottenen Cops Lt. Crowe (Charles Bronson), der beim Sittendezernat tagtäglich mit Männern zu tun hat, die junge Mädchen und Frauen zur Prostitution zwingen. Ein besonderer Dorn ist ihm dabei der Gangsterboss Duke (Juan Fernández) ein Auge, der mit Vorliebe blutjunge Mädchen entführt, vergewaltigt, von sich abhängig macht, um sie dann ebenso reichen wie perversen Kunden anzubieten. Als Hiroshi Hadas Tochter Fumiko entführt wird, brauchen Crowe und sein Partner Eddie Rios (Perry Lopez) nicht lange, um eine Spur zu Duke zu verfolgen und Fumiko aus der Prostitution zu befreien. Als es danach zu einem Zusammentreffen der Familien Hada und Crowe kommt, bemerkt Crowes Tochter, dass dies der Mann war, der sie belästigt hat…

Kritik:

Charles Bronson gibt einmal mehr den gnadenlosen Rächer, erneut als Cop, der jenseits der Grenzen der Legalität agiert, um den Bösen dieser Welt so richtig den Arsch zu versohlen und sie einer in seinen Augen gerechten Bestrafung zuzuführen. Die Grundkonstellation in „Kinjite – Tödliches Tabu“ ist schnell installiert: Japaner dienen hier als legitimes Feindbild. Schließlich überfluten die nach außen hin so moralisch integren, fleißigen Asiaten nicht nur mit ihrem ausgeprägten Geschäftssinn die USA, sondern vergreifen sich auch noch an ihren Frauen und – noch schlimmer – sogar minderjährigen Mädchen. Dies ist der Stoff, aus dem Thompson einen zunächst umständlich inszenierten Plot zu etablieren, der erst in Schwung kommt, als eine Verbindung zwischen dem schick gekleideten Duke und dem Schicksal der entführten Hada-Tochter sowie Crowes eigener Tochter hergestellt wird. Die Wut sowohl auf die Japaner, die Crowe nach der unsittlichen Berührung seiner Tochter zu rassistischen Vorurteilen führt, als auch die Machenschaften des Mädchenhändlers Duke kulminieren in einigen Action-Sequenzen, die selbst für die alternden Hauptakteure – Thompson und Bronson – erschreckend uninspiriert ausgefallen sind. Am Ende dient der Plot nur als schwache Legitimierung für eine ebenso zynische wie reaktionäre Art von Selbstjustiz, deren Grundlage viel zu emotionslos thematisiert wird.

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