Wag the Dog

Angesichts spätestens seit der Corona-Pandemie sprunghaft angestiegenen Verschwörungstheorien und irrwitzig sowohl von den USA als auch Russland initiierter Kriege und Invasionen wirkt die 1997 von Barry Levinson („Rain Man“, „Grüße aus Hollywood“) inszenierte Verfilmung von Larry Beinharts „American Hero“ fast schon visionär. Die Schauspiel-Schwergewichte Robert De Niro und Dustin Hoffman führen in „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ dem Publikum genüsslich vor Augen, wie effektiv man auf mediale Weise von politischen Krisen ablenken kann.

Inhalt:

Zwei Wochen vor der Wahl kann der Präsident der Vereinigten Staaten (Michael Belson) in den Meinungsumfragen mit beruhigendem Vorsprung gegenüber seinem Konkurrenten Senator Neal (Craig T. Nelson) entgegensehen. Doch dann ist die Washington Post auf die Nachricht gestoßen, dass sich der Präsident im Oval Office an einer minderjährigen Pfadfinderin vergriffen haben soll, was in der morgigen Ausgabe auf der Titelseite stehen soll. Die Beraterin des Präsidenten, Winifred Ames (Anne Heche), zitiert den aggressiven Problemlöser Conrad Brean (Robert de Niro) ins Weiße Haus, bekannt für die Verbreitung von Gerüchten, Manipulation von Medien und Scharfmacherei im politischen Wahlkampf. Während er darauf drängt, dass der Präsident seine geplante Abreise aus China wegen Krankheit um einen Tag verschiebt, nimmt Brean Verbindung mit dem Hollywood-Produzenten Stanley Motss (Dustin Hoffman) auf.
Die Nation muss durch eine wesentlich aufregendere Nachricht von dem Sex-Skandal abgelenkt werden, der dem Präsidenten die bereits sicher geglaubte Wiederwahl aus den Händen reißen könnte. Der einfallsreiche Bream streut nicht nur das Gerücht von einem nicht existierenden B-3-Bomber, sondern erfindet auch noch einen Krieg mit Albanien. Mit Motss, der zunächst nicht weiß, was er in dieser Sache für eine Rolle spielen soll, nimmt das Szenario an Fahrt auf. Albanien verfügt über eine Atombombe, eine Kofferbombe, die bereits nach Kanada gelangt ist und von dort in die USA geschmuggelt werden soll.
Bei der Pressekonferenz zum Sex-Skandal sind die Gerüchte bereits im Umlauf, werden sofort dementiert, doch die Medien haben nun etwas, mit dem sie sich auseinandersetzen können.
Wenn man allerdings einen Krieg inszenieren will, den es gar nicht gibt, muss man den Leuten weismachen, dass es ihn gibt. Zum Marketing-Krieg, den Motss nun in Szene setzt, gehören nicht nur ein angeblich den Albanern entkommener Kriegsheld (Woody Harrelson), sondern ebenso eine vor albanischen Terroristen geflohene Pseudo-Albanerin (Kirsten Dunst) mit weißem Kätzchen und ein von Johnny Dean (Willie Nelson) eigens kreiertes Lied als Hymne für den vermeintlichen Konflikt. Nur CIA-Agent Young (William H. Macy) zweifelt an dem angeblichen Krieg, was Motss und Brean vor neue Herausforderungen stellt…

Kritik:

Verschwörungstheorien sind seit Menschengedenken im Umlauf. Ob es um die Mondlandung, die Ermordung John F. Kennedys oder UFO-Sichtungen geht, stets haben Medien dankbar jede noch so abstruse Theorie aufgegriffen, um ihr Publikum mit Sensationsmeldungen zu verunsichern und Kasse zu machen. Dass das von Romanautor Beinhart und den Drehbuchautoren Hilary Henkin („Road House“, „Romeo Is Bleeding“) und David Mamet („Haus der Spiele“, „Glengarry Glen Ross“) inszenierte Ablenkungsmanöver gar nicht so unrealistisch ist, hat bereits der Irakkrieg deutlich gemacht, der allein von einigen bemerkenswerten Bildern in den Medien geprägt gewesen ist. Wenn Motss vor einer Studiokulisse die junge Schauspielerin Tracy als Pseudo-Albanerin mit einer großen Tüte Chips über den Bluescreen des Studios laufen lässt, werden wir in Sekunden Zeuge davon, wie mit wenigen Computer-Klicks eine Trümmerlandschaft entsteht, Rauchschwaden erzeugt und die Tüte Chips durch ein weißes Kätzchen ersetzt werden. So werden emotionale Bilder geschaffen, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen. Levinson gelingt das Kunststück, die durchaus bekannten Elemente der politischen wie medialen Manipulation auf ebenso realistische wie humorvolle Weise zu verbinden, so dass „Wag the Dog“ als leicht konsumierbarer Kommentar auf bestehende Praktiken auf der Bühne der Weltpolitik mit schwarzem Humor daherkommt. Vor allem Robert De Niro und Dustin Hoffman haben dabei sichtlich Vergnügen an ihren manipulativen Rollen, dass es eine Freude ist.

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