One False Move

Carl Franklin war seit den 1970er Jahren als Schauspieler tätig, ehe er Ende der 1980er Jahre auch das Regiefach für sich entdeckte, zunächst aber nur B-Action-Ware ablieferte. Mit dem Neo-Noir „One False Move“ (1992) nach einem Drehbuch von Billy Bob Thornton, der auch eine der Hauptrollen übernahm, machte Franklin („Teufel in Blau“, „Out of Time“) erstmals auch international auf sich aufmerksam. 

Inhalt:

Als die junge Farbige Lila „Fantasia“ Walker (Cynda Williams) eine Party befreundeter Drogendealer in Los Angeles besucht, ahnt noch niemand im Haus, dass Fantasia den beiden ex-Sträflingen Ray Malcolm (Billy Bob Thornton) und Wade „Pluto“ Franklin (Michael Beach) Zugang verschafft, die dort kurzerhand auf sadistische Weise ein Blutbad anrichten, bei dem sechs Menschen ermordet werden und die Verbrecher eine große Menge Kokain und eine erhebliche Summe Bargeld erbeuten. Die mit Ray liierte Fantasia ist schockiert angesichts der Grausamkeit, mit der die beiden Männer agierten, und schützt wenigstens den fünfjährigen Sohn der Opfer.
Als Lt. Dudley Cole (Jim Metzler) und Detective John McFeely (Earl Billings) die Ermittlungen aufnehmen, bringt eine Videoaufzeichnung sie auf eine Spur, die sie in die Kleinstadt Star City, Arkansas, führt, wo Lila Walker ursprünglich beheimatet ist. Sie nehmen Kontakt zum dortigen Chief Dale Dixon (Bill Paxton) auf, der in seiner Amtszeit noch nie mit derartigen Gewaltverbrechern zu tun hatte und noch nie seine Waffe abfeuern musste. Mit Lila Walker verbindet ihn allerdings mehr, als irgendjemand ahnt. Während Ray Malcolm, Pluto und Fantasia sich auf den Weg machen, trifft Chief Dixon nach dem Eintreffen Coles und McFeelys aus L.A. seine Vorbereitungen für ihren Empfang…

Kritik:

Zusammen mit Tom Epperson („The Gift – Die dunkle Gabe“) hat Schauspieler Billy Bob Thornton („The Man Who Wasn’t There“, „Landman“, „Goliath“) ein Drehbuch geschrieben, das pure Neo-Noir-Atmosphäre atmet, aber sich auf erfrischende Weise von ähnlichen Produktionen unterscheidet. Nach der verstörenden Brutalität zu Beginn des Coups, bei dem Ray, Pluto und Fantasia neben einer Menge Drogen auch einen Haufen Bargeld erbeuten, fokussiert sich „One False Move“ nämlich einerseits auf den Road Trip, den das Trio von Los Angeles nach Houston unternimmt und der die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Persönlichkeiten unter die Lupe nimmt, andererseits auf die Begegnung zwischen dem aufgedrehten Kleinstadtsheriff Dixon und den beiden Großstadt-Cops. Während Dixon sich darauf freut, bei den großen Jungs mitmischen zu dürfen, sind Cole und McFeely auf die Ortskenntnisse ihres Gastgebers angewiesen, um die Gesuchten dingfest machen zu können. Das ist von Carl Franklin wunderbar authentisch inszeniert, vom Ensemble toll gespielt und wartet mit einem krassen Finale auf. Schade, dass Franklin diese Qualitäten bei seinen späteren Regiearbeiten nur noch selten ausspielen konnte.

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