Kramer gegen Kramer
Robert Benton begann seine Filmkarriere mit
Drehbüchern für Filmklassiker wie „Bonnie und Clyde“ (1967), „Zwei
dreckige Halunken“ (1970) und „Is‘ was, Doc?“ (1972), ehe er Anfang
der 1970er Jahre selbst ins Regiefach wechselte. In dieser Funktion adaptierte
er nach „In schlechter Gesellschaft“ (1972) und „Die Katze kennt den
Mörder“ (1977) Avery Cormans Roman „Kramer gegen Kramer“ und
räumte damit bei der Oscar-Verleihung 1980 ordentlich ab: Neben Trophäen für
den Besten Film und die Beste Regie gab es auch welche für die beiden
Darsteller Dustin Hoffman und Meryl Streep.
Inhalt:
Als erfolgreicher Werbekaufmann geht es in der Karriere von Ted
Kramer (Dustin Hoffman) steil bergauf, steht ihm nicht nur die Betreuung
eines wichtigen Kunden, sondern auch die Beförderung zum Vizepräsidenten in
einer der renommiertesten New Yorker Agenturen bevor. Doch statt mit seiner
Frau Joanna (Meryl Streep) zu feiern, wird er mit Joannas Absicht
konfrontiert, dass sie ihn nach acht Jahren Ehe verlässt. Für Ted bricht eine
Welt zusammen, hat er seinem Chef nicht nur versprochen, alles für den Job zu
tun, sondern er muss sich nun auch um die Erziehung des gemeinsamen Sohnes
Billy (Justin Henry) kümmern. Auf einmal muss Ted erkennen, wie schwer
es ist, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, fühlte er sich weder für
die Bedürfnisse seiner Frau noch für die Erziehung zuständig. Die neue
Rollenverteilung funktioniert zunächst nicht recht, bringt Ted doch gezwungenermaßen
viel Arbeit mit nach Hause, wo er nur Billys nötigsten Bedürfnisse stillen und
seine Fragen nach der Rückkehr seiner Mutter nur ausweichend beantworten kann.
Etwas Unterstützung erhält er von seiner Nachbarin und guten
Freundin Margaret (Jane Alexander), die sich ebenfalls vor einer Weile
von ihrem Mann getrennt hat und seitdem ebenfalls allein für das gemeinsame
Kind sorgen muss. Gerade als Ted die richtige Balance zwischen Beruf und
Familie gefunden hat, meldet sich Joanna nach 18 Monaten zurück und verlangt
das Sorgerecht für ihren Sohn. Vor Gericht kommen schließlich die Gründe für das
Scheitern der Ehe zur Sprache…
Kritik:
Avery Cormans Roman „Kramer gegen Kramer“ setzt
da an, was die Frauenrechtsbewegung in den 1960er Jahren in Gang gebracht hat,
nämlich das Rollenverständnis von Männern und Frauen zu hinterfragen. In der
vorliegenden Konstellation wird ein erfolgreicher Workaholic, der Familie vor
allem als Herberge und Statussymbol betrachtet, mit der Tatsache konfrontiert,
dass die Selbstverständlichkeit einer vermeintlich glücklichen Ehe zerbricht,
als seine Frau, die sich bislang allein um Haushalt und Erziehung gekümmert
hat, ihn verlässt. Die klassische Rollenverteilung zwischen dem arbeitenden,
Geld verdienenden Mann und der zuhause zuständigen Ehefrau und Mutter wird mit
einem Schlag aufgebrochen. „Kramer gegen Kramer“ beschäftigt sich aber
nur punktuell mit der Selbstfindung der geflohenen Frau und fokussiert sich
fast ausschließlich auf Teds Schicksal. Dustin Hoffman („Tootsie“, „Die
Reifeprüfung“) brilliert dabei als völlig überforderter Mann, der sich
bislang nur auf seine Arbeit konzentriert hat und nun gezwungen ist, auch den
Haushalt zu führen und sich um das Kind zu kümmern. Auf einmal gehören auch
Einkaufen, Kochen und das Vorlesen zum Schlafengehen zur Tagesroutine. Nachdem
wir gesehen haben, wieviel Arbeit und Aufmerksamkeit diese (Doppel-)Belastung erfordert,
setzt das eigentliche Drama und die Aufarbeitung der gescheiterten Ehe erst im
Gerichtssaal ein. Hier wird mit harten Bandagen über die Grenzen von Respekt,
Anstand und Vertrauen hinweg um das Wohl des Kindes gekämpft, wobei die aggressiven
Fragen nur einfache Antworten erlauben, wo ausführliche Erklärungen angebracht
sind. Interessant wäre es dennoch gewesen, wenn der Film auch die Perspektive
und Beweggründe der Frau thematisiert hätte. So bleibt „Kramer gegen Kramer“
ein einfühlsam inszeniertes, aber nicht alle Tiefen auslotendes Psychogramm einer
gescheiterten Ehe.
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