Ein Mann für gewisse Stunden

Seinen Durchbruch feierte Richard Gere zwar schon 1977 in Terrence Malicks Südstaatendrama „In der Glut des Südens“, doch erst sein ikonischer Auftritt in Paul Schraders Neo-Noir-Drama „Ein Mann für gewisse Stunden“ (1980) sorgte dafür, dass Gere zum Sexsymbol der 1980er Jahre wurde. Doch Schraders Film hat mehr als nur oberflächliche Reize und den von Giorgio Moroder produzierten Nr.-1-Hit „Call Me“ von Blondie zu bieten.

Inhalt:

Die meist von seiner Agentin Anne (Nina Van Pallandt) vermittelten Kundinnen sind zwar meist weit jenseits der Fünfzig, aber über die Maßen wohlhabend, so dass der attraktive Callboy Julian Kay (Richard Gere) sich nicht nur ein Luxusapartment samt Swimmingpool im Hof, sondern auch ein schwarzes Mercedes Benz Cabriolet leisten kann, mit dem er bei noblen Hotels, Restaurants und Country Clubs vorfährt. Wenn die Damen ihn wiedersehen wollen, erledigt Julian den Job auch gern auf eigene Rechnung oder übernimmt auch Jobs bei Annes Konkurrenten Leon (Bill Duke). Der vermittelt ihm auch einen lukrativen Job in Palm Springs, wo er mit der jungen Judy (Patricia Carr), Ehefrau des Millionärs Rheiman (Tom Stewart), schlafen soll, während ihr Mann ihm dabei zusieht. Dass er Judy auch schlagen soll, gefällt Julian zwar nicht, aber Job ist nun mal Job. Beim Besuch einer seiner Stamm-Bars lernt Kaye in der gleichen Nacht Michelle Stratton (Lauren Hutton) kennen, Gattin des zurzeit in New York weilenden Senators Charles Stratton (Brian Davies). Zwar lässt Julian die attraktive Frau zunächst stehen, weil sie das Offensichtliche seiner Tätigkeit anspricht, doch als sie wenig später vor seiner Tür steht, lässt er sich auf eine Affäre mit ihr ein. Am nächsten Morgen liest Julian in der Zeitung, dass Judy Rheiman in ihrer Villa ausgeraubt und ermordet wurde. Nach einem Tipp ihres Mannes ist Julian nun der Hauptverdächtige von Detective Sunday (Hector Elizondo).
Sein Alibi kann Julian, der zur Tatzeit mit Michelle zusammen war, aber nicht nutzen, da sie sowohl ihre Ehe als auch den Ruf ihres ambitionierten Mannes schützen will…

Kritik:

Mit seinem Vorwort „Notizen zum Film Noir“ zu dem umfangreichen Kompendium „Film Noir – 100 All-Time-Favourites“ (Hg. Paul Duncan, Jürgen Müller, Taschen Verlag 2014) erwies sich der ehemalige Film-Journalist und erfolgreiche Drehbuchautor Paul Schrader („Taxi Driver“, „Yakuza“) als versierter Kenner des klassischen Film Noirs, was er mit dem von ihm selbst verfilmten Drehbuch zu „American Gigolo“ – so der Originaltitel des vorliegenden Films – eindrucksvoll unterstrich. Ähnlich wie zuvor in „Taxi Driver“ präsentiert Schrader die Einsamkeit eines Mannes in einer Großstadt. Während Robert De Niros vom Krieg geschädigte Figur in Martin Scorseses Drama allerdings schon vorher am Boden war, fällt Julian Kay aus der schillernden High Society in einen Sumpf aus Mord und Verrat. Richard Gere („Atemlos“, „Eiskalte Leidenschaft“) spielt einen Nobel-Callboy, der stets nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, bei jeder Gelegenheit um seinen Anteil feilscht und auch auf eigene Rechnung arbeitet. Gegenleistungen für Gefallen, die er angesichts der drohenden Mordanklage bei seinen sogenannten Freunden und Geschäftspartnern einfordert, muss er allerdings auch erbringen. Es ist bei allem Luxus und schicker Etikette ein einsames Leben, das völlig in sich zusammenzubrechen droht, als Julian ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll. Prekär an der Situation ist nur, dass er zwar ein Alibi vorweisen könnte, es aber wegen der gesellschaftlichen Stellung seiner Geliebten nicht verwenden kann.
Paul Schrader hat mit „American Gigolo“ einen abgründigen Neo-Noir inszeniert, bei dem Blondies „Call Me“ als musikalisches Leitthema fungiert und Richard Gere angenehm subtil seine Rolle ausfüllt.

Kommentare

Beliebte Posts