Wake Up Dead Man

Seit seinem Debüt mit dem jugendlichen Drogendrama „Brick“ (2017) hat es der Autorenfilmer Rian Johnson weit gebracht. Nachdem auch seine nächsten Filme „Brothers Bloom“ (2008) und „Looper“ (2012) bei Publikum und Kritik zündeten, durfte Johnson sogar das Blockbuster-Projekt „Star Wars – Episode VIII: Die letzten Jedi“ (2017) realisieren, um dann mit dem Mystery-Krimi „Knives Out: Mord ist Familiensache“ (2019) Daniel Craig die ideale Rolle nach seinem Leben als James Bond auf den Leib zu schreiben. Nach „Glass Onion“ (2022) folgt nun mit „Wake Up Dead Man“ der vorerst letzte Teil der „Knives Out“-Reihe.

Inhalt:

Nachdem der leicht reizbare Priester Jud Duplenticy (Josh O'Connor) seinen Vorgesetzten nach einem Streit niedergeschlagen hat, bekommt er durch seinen Mentor Langstrom (Jeffrey Wright) einen neuen Auftrag von der Kirche. Er soll Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin) in der kleinen Gemeinde Chimney Rock unter die Arme greifen, wo er mit seinen Hassreden nahezu alle Gläubigen vertrieben aus dem Gotteshaus in die Flucht geschlagen hat. Bei seiner Ankunft trifft er nicht nur auf seinen neuen Chef, sondern auch auf die äußerst fromme und kompetente Martha Delacroix (Glenn Close), den geschäftigen Hausmeister Samson Holt (Thomas Haden Church), die permanent unter Strom stehende Anwältin Vera Draven (Kerry Washington), den ambitionierten, aber erfolglosen Politiker Cy Draven (Daryl McCormack), den alkoholsüchtigen städtischen Arzt Nat Sharp (Jeremy Renner), den einst äußerst erfolgreichen Autoren Lee Ross (Andrew Scott) und die leicht überspannte Cellistin Simone Vivane (Cailee Spaeny), die der Kirche bereits ein Vermögen gespendet hat. Wie sehr Wicks seine Mitmenschen drangsaliert, bekommt der junge Priester schnell am eigenen Leib zu spüren, wenn Wicks ihm bei der Beichte von seinen unzähligen Masturbationssünden erzählt. Duplenticys Versuche, hinter Wicks‘ Rücken zum Kern der Gläubigen vorzustoßen, schlägt katastrophal fehl. Und als Wicks nach einer seiner berühmten Hasspredigten am Karfreitag plötzlich stirbt. Die Umstände seines Todes sind allerdings mehr als rätselhaft, denn Wicks ging im Anschluss an seine anstrengende Predigt von der Kanzel für eine kurze Ruhepause in eine kleine hölzerne Kammer ohne weitere Tür, wo ihn jemand nur wenige Sekunden später von hinten erstochen hat. Allerdings hätte der Täter von dem nahe dem Eingang der Kammer sitzende Duplenticy sehen müssen. Da der junge Priester auch noch die mutmaßliche Waffe aus dem leblosen Körper des Monsignore zieht, wird er schnell zum Hauptverdächtigen.
Auch wenn sie sich nicht erklären kann, wie es passiert ist, hält die lokale Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis) trotzdem Jud für den Täter. Er hat eine gewalttätige Vorgeschichte, ein Motiv und war zumindest in grober Nähe zum Tatort – auch wenn er den nicht ungesehen von der übrigen Gemeinde betreten haben kann. Um herauszufinden, wie sich alles abgespielt hat, bittet sie den Meisterdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) um Hilfe.

Kritik:

Dass Rian Johnson den modernen Hercule Poirot nicht in den Vordergrund rückt, wird in dem dritten „Knives Out“-Film noch deutlicher als zuvor, taucht der mit ausgeprägtem Südstaatenakzent und ungewöhnlichem Outfit auftretende Benoit Blanc erst nach knapp vierzig Minuten so richtig in Erscheinung. Bis dahin nimmt sich Johnson viel Zeit, erst einmal das Feld zu bereiten, auf dem der Meisterdetektiv später agieren muss. Der ehemalige Boxer, nun zu Gott gefundene Jud Duplenticy glaubt zwar an seine Mission, den Menschen Gott näher bringen zu wollen, hadert aber noch viel zu oft mit seiner in ihm schlummernden Aggressivität seinen Mitmenschen gegenüber. Mit der Versetzung nach Chimney Rock lernen wir nicht nur das zukünftige, offensichtliche Ofer kennen, sondern auch den potenziellen Kreis der Verdächtigen. Das Publikum darf fortan kräftig miträtseln, wer den weithin verhassten Priester wohl umgebracht haben mag, während es an die Unschuld des hinzugezogenen Jud Duplenticy glauben möchte. Die unterschiedlichen Charaktere sind wunderbar besetzt und sorgen immer wieder für amüsante Momente, während Benoit allmählich unter Berücksichtigung neuer Entdeckungen und Geständnisse das rätselhafte Puzzle zusammensetzt. Da kommen bei zweieinhalb Stunden Laufzeit zwar auch einige Längen auf, doch bei den vielen Wendungen und der sichtlichen Spielfreude des Ensembles lässt sich das gut verschmerzen.

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