Mit seinen ersten Filmen „Bad Taste“ (1987), „Meet
the Feebles“ (1989) und „Braindead“ (1992) avancierte der
neuseeländische Filmemacher Peter Jackson zur Ikone der Low-Budget-Groteske.
Noch bevor sich Jackson mit seiner Adaption von Tolkiens als
unverfilmbar geltenden Fantasy-Klassiker-Trilogie „Der Herr der Ringe“ unsterblich
gemacht hat, demonstrierte er bereits 1994 mit dem biografischen Drama „Heavenly
Creatures“ seine Fertigkeiten und ebnete der damals 19-jährigen Britin Kate
Winslet in ihrem Schauspieldebüt den Weg nach Hollywood.
Inhalt:
Als die Britin Juliet Hulme (Kate Winslet) in den
1950er Jahren ins neuseeländische Christchurch kommt, freundet sich die
selbstbewusste Weltenbummlerin mit der schüchternen, aus eher ärmlichen Verhältnissen
stammenden Pauline Rieper (Melanie Lynskey) an, die unter einer Knochenkrankheit
leidet und in ihrer Kindheit deshalb lange schwer krank war. Ihre Idole sind
der Startenor Mario Lanza und der abgründige Orson Welles. War
ihr Widerstand gegen die biedere Normalität der Kleinstadt bislang passiver
Natur, wird sie durch Juliets extrovertiertes Auftreten aufgeweckt. Sie
versuchen, der Langeweile ihres Alltags zu entkommen, indem sie sich in ein
Reich des Mittelalters träumen, in der ihre Idole und ihre selbstgebastelten
Tonfiguren zum Leben erwachen. Als Juliet an Tuberkulose erkrankt und das Bett
hüten muss, verreisen ihre Eltern Hilda (Diana Kent) und Henry (Clive
Merrison) für vier Monate nach England, was die beiden Mädchen noch enger
aneinanderbindet. Da ihre enge Beziehung als homosexuell betrachtet wird,
setzen die Eltern alles daran, die beiden Mädchen auseinanderzubringen. Pauline
entwickelt infolgedessen einen Hass auf ihre Mutter Honora (Sarah Peirse),
der mit der Zeit immer mehr wächst…
Kritik:
Es ist Peter Jacksons Partnerin Fran Walsh zu
verdanken, dass sie den Filmemacher auf den Mordfall aus den 1950er-Jahren aufmerksam
machte und die Idee hatte, die Geschichte aus der Sicht der beiden Teenager zu
erzählen, wozu sie selbst mit ihm schließlich auch das Drehbuch schrieb. Herausgekommen
ist ein visuell fesselndes Drama, bei dem Jackson seiner Kreativität
freien Lauf lässt. Wie er die Fantasiewelt der beiden Außenseiterinnen auf die
Leinwand bringt, ist einfach atemberaubend. Es war der Startschuss für die von
Jackson mitbegründete Firma W.E.T.A. Digital, die vor allem durch ihre
Arbeit an Jacksons Tolkien-Trilogien „Der Herr der Ringe“ und „Der
Hobbit“ berühmt geworden ist. Es sind aber nicht nur die magischen Welten,
die wie aus einem Guss aus der normalen Welt heraus entstehen, die „Heavenly
Creatures“ so sehenswert machen, sondern vor allem das Einfühlungsvermögen
für die beiden Mädchen, die vor allem durch ihre überlieferten Tagebucheinträge
zu Wort kommen, von Kate Winslet („Die Vorleserin“, „Little Children“)
und Melanie Lynskey („Up in the Air“, „Togetherness“) aber
auch hervorragend mit der richtigen Mischung aus Hysterie, Fantasie und Abenteuerlust
gespielt werden. Peter Jacksons erster „großer“ Film ist ein
einfühlsames Portrait einer intensiven Mädchenfreundschaft, das neben psychologischem
Einfühlungsvermögen vor allem eine überbordende Fantasie und Kreativität beweist.
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