Jay Kelly

Autorenfilmer Noah Baumbach hat sich mit Filmen wie „Der Tintenfisch und der Wal“ (2005), „Frances Ha“ (2012) und „Marriage Story“ (2019) längst zu einer festen Größe in Hollywood etabliert. Mit seinem neuen Film „Jay Kelly“ lässt er Hollywood-Star George Clooney einen Hollywood-Star spielen, der befürchtet, sein Zenit überschritten zu haben, und mit unbequemen Wahrheiten über sein Leben konfrontiert wird.

Inhalt:

Mit den Filmen, die Jay Kelly (George Clooney) während seiner 35-jährigen Schauspielkarriere realisiert hat, machte der Hollywood-Star ein Millionen-Publikum glücklich. Doch in der Drehpause zwischen zwei Filmen weiß Kelly nichts mit sich anzufangen. Zu seinem Entsetzen reist Daisy (Grace Edwards), die jüngere seiner beiden Töchter, nach Italien, bevor sie aufs College geht, und kann ihm deshalb keine Gesellschaft leisten. Die ältere Tochter Jessica (Riley Keough), die er wegen seiner Karriere vernachlässigt hat, lebt in einem anderen Staat und will nichts mit ihm zu tun haben. Seine Arbeit scheint Jay immer weniger zu erfüllen, und als er erst vom Tod seines alten Freundes Peter Schneider (Jim Broadbent) erfahren muss, der ihm seine Karriere geebnet hat und dem er die Beteiligung an seinem kommenden Filmprojekt abschlug, und kurz später seinen ehemaligen Schauspielkollegen Tim (Billy Crudup) wieder trifft, muss er auf schmerzliche Weise erfahren, wie egoistisch er sich seit Beginn seiner Karriere verhalten hat. So wirft ihm Tim bei der Verabredung in einer Bar vor, ihm sowohl eine wichtige Filmrolle als auch die Freundin gestohlen zu haben. Bei der anschließenden Prügelei vor der Bar bricht Jay Tim die Nase, Jay behält ein blaues Auge zurück.
Am nächsten Morgen steigt Jay aus seinem kommenden Filmprojekt aus und lässt für seine gesamte Crew einen Privatjet nach Paris buchen, um bei seiner Tochter sein zu können und bei der Gelegenheit doch noch einen Filmpreis in Empfang zu nehmen, den Jays Manager Ron (Adam Sandler) eigentlich schon abgesagt und seinem anderen Klienten Bob (Patrick Wilson) zugesprochen hat. Sowohl Ron als auch seine Agentin Liz (Laura Dern) warnen Jay, dass dieser Rückzieher seine Karriere endgültig ruinieren könnte. Als Jay und sein Team Paris erreichen, sitzt Daisy bereits im Zug aus der Stadt, und sie folgen ihr. Im Zug erkennen die Leute Jay und Jay genießt die Aufmerksamkeit. Währenddessen ist das Team von Jay bemüht, die Schadensersatzklage von Tim abzuwehren.
Ron und Liz, Jays Assistentin, sprechen darüber, wie viele Jahre sie schon damit verbringen, Jays Leben zu managen und wie sie früher ein Paar waren, während sich ihr Leben inzwischen ziellos um Jays Probleme dreht. Ron hegt noch immer Groll darüber, dass Liz ihn damals am Eiffelturm stehen ließ. Jay findet Daisy schließlich im Speisewagen. Daisy beendet das Wiedersehen abrupt, als sie erfährt, dass er sie über Kreditkartenzahlungen verfolgt hat. Liz und eine weitere Mitarbeiterin verlassen Jay, weil sie keine Lust mehr auf die Arbeit mit ihm haben…

Kritik:

Im Gegensatz zum echten George Clooney, der sein Privatleben achtsam vor der Öffentlichkeit schützt und seine Rollen vor und hinter der Kamera sehr sorgfältig auswählt, wirkt die Figur, die Clooney in „Jay Kelly“ verkörpert, unsicher und am Scheitelpunkt seiner Karriere. Falsche Entscheidungen können seine Karriere schneller beenden, als ihm lieb sein könnte, und wenn er in Schlüsselmomenten auf sein Leben zurückblickt, indem sich sein jüngeres Selbst (Kyle Soller) beispielsweise beim Vorsprechen seines Schauspielkollegen Tim so in den Vordergrund spielte, dass er selbst die Rolle bekam, die seine weitere Karriere ins Rollen brachte, dann wird deutlich, dass sein Leben gar nicht so wundervoll verlaufen ist, wie man es von einem beliebten Hollywood-Star erwartet. Das wird vor allem in den ausführlichen Dialogen deutlich, die Jay mit seinem Agenten führt, der ihm regelmäßig die Schattenseiten seiner Arbeit vor Augen führt und die Belange seines eigenen Lebens zurückstellt. Vor allem in dem Zusammenspiel von Clooney und Sandler entwickelt der Film seine Stärken, aber auch in anderen tiefergehenden Dialogen, die Jay zur Reflexion anregen. Als Ausgleich zu diesen ernsten Erörterungen rund um Jay und seine Mitarbeiter dienen die Postkartenmotive in Europa mit klischeebesetzten Episoden vom Eifelturm bis in die malerische Toskana, was Baumbach nutzt, um seinen europäischen Vorbildern von Fellini bis Antonioni zu huldigen. Das ist toll gespielt und schick inszeniert, kommt aber nicht ohne Längen aus.

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