Lorenzos Öl

Der australische Filmemacher George Miller hat sich vor allem mit der mittlerweile fünf Teile umfassenden „Mad Max“-Saga (1979-2024) einen Namen gemacht, nach den ersten drei Teilen aber mit der diabolischen Komödie „Die Hexen von Eastwick“ (1987) aber bewiesen, dass er auch andere Genres mühelos beherrscht. Das mitreißende Medizin-Drama „Lorenzos Öl“ (1992) darf als weiterer eindrucksvoller Beleg für seine Fertigkeiten angesehen werden.

Inhalt:

Nachdem der bei der Weltbank arbeitende Augusto Odone (Nick Nolte) einige Jahre mit seiner Frau Michaela (Susan Sarandon) und seinem Sohn Lorenzo (Zack O'Malley Greenburg) in Afrika gelebt hat, wird nach der Rückkehr der Familie nach Washington bei dem mittlerweile fünfjährigen Jungen die seltene Krankheit Adrenoleukodystrophie (ALD) diagnostiziert. Bei dieser schweren Nervenkrankheit, die nur bei Jungen in sehr jungen Jahren auftritt und stets tödlich verläuft, wird das Gehirn sukzessive angegriffen, so dass nach und nach nicht nur Seh- und Sprachvermögen degenerieren, sondern auch die physische Beweglichkeit. Da sich Augusto und Michaela mit der ernüchternden Diagnose nicht abfinden wollen, suchen sie fieberhaft nach Ärzten, Wissenschaftlern und Organisationen, die sich mit der ALD beschäftigen. Bei Professor Nikolais (Peter Ustinov) erhalten sie den Hinweis auf eine aktuelle Studie mit Fettsäuren, die allerdings bei Lorenzo nicht die gewünschte Reduktion der gefährlichen Moleküle bewirkt. Auch die von Ellard Muscatine (James Rebhorn) und seiner Frau (Ann Hearn) gegründete Organisation, die Eltern von erkrankten Kindern und Wissenschaftler zusammenbringt, hält sich an wissenschaftliche Studien. Lorenzos Eltern machen sich im Selbststudium mit verschiedenen Bereichen vertraut, die ALD berührt, und stoßen schließlich auf ein polnisches Experiment mit einfach ungesättigtem Rapsöl bei Ratten. Da in den USA keine Zulassung für eine Studie mit diesem Öl vorhanden ist, machen Augusto und Lorenzo einen Forscher in England ausfindig, der gerade in diesem Bereich tätig ist und den Odones eine Flasche seines kostbaren Öls zukommen lässt…

Kritik:

So ungewöhnlich sich George Millers filmischer Output präsentiert – neben den eingangs erwähnten Filmen inszenierte er u.a. auch die beiden „Happy Feet“-Animationsfilme und die Tier-Komödie „Schweinchen Babe in der großen Stadt“ -, so ist es auch sein beruflicher Werdegang, studierte er doch an der medizinischen Fakultät der University of New South Wales und arbeitete als Unfallarzt, weshalb schon daher ein Interesse an der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte geweckt worden sein dürfte. „Lorenzos Öl“ funktioniert zum einen als medizinischer Thriller im Wettlauf gegen die Zeit, denn nach wenigen Monaten kann Lorenzo nicht mehr laufen, nicht mehr sehen, kann nur noch schwer hören und kaum noch sprechen. Bei der Suche nach einer geeigneten Therapie zeigt das Drama auf, wie schwer es ist, studienbasierte Erfolge bei Therapien zu erzielen, so dass sich Augusto und Michaela die meiste Zeit allein gelassen fühlen. Der Film zeigt aber auch, wie liebevoll die beiden Eltern mit ihrem Sohn umgehen, auch wenn sie dabei zwar Unterstützung von Krankenschwestern oder gar Michaelas Schwester Deirdre (Kathleen Wilhoite) bekommt, diese aber auch verprellt. Miller wirft dabei die Frage auf, ob die Verlängerung von Lorenzos Leiden überhaupt im Sinne des Kindes sei, aber dann widmet sich „Lorenzos Öl“ vor allem der Suche nach der geeigneten Medizin für den sterbenskranken Jungen. Das ist zwar auch recht rührselig inszeniert, ohne aber dabei zu gewollt auf die Tränendrüsen zu drücken. Vor allem das engagierte Schauspiel von Nick Nolte („Herr der Gezeiten“, „Ausgelöscht“) und Susan Sarandon („Die Hexen von Eastwick“, „Dead Man Walking“) sorgen dafür, dass man mit den Eltern mitfühlt und mitfiebert. 

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