Rob Roy

 Der schottische Filmemacher Michael Caton-Jones („This Boy’s Life“, „Der Schakal“) scheint eine offensichtliche Wahl zu sein, wenn es darum geht, Heldengeschichten aus den Highlands auf die Kinoleinwand zu bringen. Doch im Gegensatz zu Mel Gibsons ebenfalls 1995 inszenierten, fünffach Oscar-prämierten „Braveheart“ wirkt sein Drama „Rob Roy“ wie eine allzu glattgebügelte Liebesgeschichte vor atemberaubender Kulisse.

Inhalt:

Um der ärmlichen Existenz in ihrer Heimat zu entkommen, wandern zu Beginn des 18. Jahrhunderts viele Schotten nach Nordamerika aus, was das alte Clansystem zum Verschwinden bringt. Für Robert Roy MacGregor (Liam Neeson) kommt das allerdings nicht in Frage, hat er sich doch mit seiner Frau Mary (Jessica Lange) und seinen Kindern an einem idyllischen See in den schottischen Highlands niedergelassen. Um diesem Dasein ein Ende zu bereiten, leiht sich Rob Roy für einen Profit versprechenden Viehhandel 1.000 Pfund bei dem machthungrigen Marquis von Montrose (John Hurt). Dessen mittelloser Neffe und Günstling Archibald Cunningham (Tim Roth), der sich vorübergehend am Hofe einquartiert hat und dort die Dienstmädchen beglückt, schmiedet gemeinsam mit dem Adligen Killearn (Brian Cox) einen hinterhältigen Plan: Er ersticht den Geldboten (Eric Stoltz) und streicht McGregors Geld selbst ein. Weil der Clanführer den Kredit nicht auf die Schnelle zurückzahlen kann, fordert der von dem Raub nichts ahnende Marquis als Ersatzleistung von MacGregor, seinen schärfsten Konkurrenten, den Herzog von Argyll (Andrew Keir), öffentlich zu verleumden. MacGregor soll bezeugen, dass Argyll Jakobit und damit Feind des englischen Königs ist, doch als ein Mann von Ehre weigert er sich...

Kritik:

Im Gegensatz zu Mel Gibsons actionlastiges, von Rache und Freiheitsdrang getriebenes Schlachtenepos „Braveheart“ lässt es Michael Caton-Jones in seinem historisch inspirierten Drama weitaus ruhiger angehen, mit einem überschaubaren Ensemble, in dem es die einzelnen Figuren auch gelingt, Profil zu gewinnen. Überraschenderweise bleibt ausgerechnet Liam Neeson („Schindlers Liste“, „Non-Stop“) recht blass, während vor allem Tim Roth („Pulp Fiction“, „Lie to Me“) als sein direkter Widersacher und John Hurt („1984“, „Der Elefantenmensch“) als intrigierender Marquis, aber auch Jessica Lange („King Kong“, „Blue Sky“) als Rob Roys geschändete, aber taffe Frau zu überzeugen wissen. Der Film orientiert sich nur grob an das Leben von Robert Roy MacGregor, der zwar tatsächlich im 17. / 18. Jahrhundert lebte und als Gesetzloser zu einer Legend wurde. „Rob Roy“ betont aber vor allem die Ehrenhaftigkeit des Mannes, was nur bedingt mit seinen Tätigkeiten als Viehdieb zu vereinen ist. Diese Ehre zu verteidigen ist für Rob oberstes Gebot, noch vor der Liebe zu seiner Frau und seiner Familie. Das Drama konzentriert sich vor allem auf die Intrigen, die der machthungrige Marquis von Montrose im Schulterschluss mit seinem am Degen unschlagbaren Neffen Cunningham gegen den Herzog von Argyll schürt, und bezieht aus diesem Konflikt, in den letztlich auch Rob Roy involviert wird, sowohl seine Dramatik als auch die überschaubaren Action-Sequenzen. Wirklich packend ist das alles nicht, aber – zusammen mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Carter Burwell („Fargo“, „The Jackal“) – immerhin nett anzusehen.

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