Weiße Zeit der Dürre

Im Juni 1976 demonstrierten rund 15.000 schwarze Schulkinder unter Führung des Schülers Tsietsi Mashinini in Soweto friedlich gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheidregime Südafrikas. Als die Polizei die Demonstranten mit Gewalt auseinandertrieb, waren unter den Opfern 58 Tote und mehr als 700 Verletzte zu verzeichnen. André Brink verarbeitete die Geschehnisse in seinem Roman „A Dry White Season“. Die Filmemacherin Euzhan Palcy adaptierte den Roman mit prominenter Besetzung – u.a. mit Donald Sutherland, Jürgen Prochnow, Susan Sarandon und Marlon Brando.

Inhalt:

Der weiße südafrikanische Lehrer Ben du Toit (Donald Sutherland) unterrichtet Geschichte an einer Schule für Weiße. Als er von seinem schwarzen Gärtner Gordon Ngubene (Winston Ntshona) darauf hingewiesen wird, dass sein Sohn Jonathan (Bekhithemba Mpofu) wegen Protesten gegen die Schulpolitik ausgepeitscht worden ist, rät Ben ihm noch, den Vorfall auf sich beruhen zu lassen, da könne man nichts mehr tun. Wenig später demonstrieren mehr als 15.000 Schüler in Soweto friedlich gegen die Schulpolitik, die es Schwarzen nicht erlaubt, in Englisch unterrichtet zu werden. Die Polizei des Apartheidregimes versucht erst mit Tränengas die in ihren Augen nicht genehmigte Demonstration aufzulösen, dann fallen erste Schüsse. Zu den Opfern des Widerstands zählt auch Jonathan, worauf Ben nicht mehr die Augen vor der Ungerechtigkeit verschließen kann und den Bürgerrechtsanwalt Ian McKenzie (Marlon Brando) engagiert, um gegen die rigiden Methoden von Captain Stolz (Jürgen Prochnow) und seinen Leuten vorzugehen. Doch damit bringt er nicht nur seine Frau Susan (Janet Suzman) und seine Kollegen gegen sich auf, sondern auch den Polizeiapparat, der nicht vor Folter und Mord zurückschreckt, um die bestehenden Verhältnisse zu wahren…

Kritik:

Nachdem erst Richard Attenborough mit dem biografischen Drama „Schrei nach Freiheit“ (1987) versucht hatte, auf das Unrecht im südafrikanischen Apartheidregime hinzuweisen, schlägt Euzhan Palcy mit „Weiße Zeit der Dürre“ (1989) in dieselbe Kerbe. Aufsehen erregen die friedlichen Demonstrationen schwarzer Schüler erst, als das Schicksal einiger Opfer auch einen weißen Geschichtslehrer berühren, der bislang den offiziellen Darstellungen der Regierung Glauben geschenkt hat und nun durch beeidete Aussagen von Opfern und Zeugen selbst zur Schlüsselfigur bei der Aufdeckung der Verbrechen wird, die der brutal agierende Polizeiapparat gegenüber den Schwarzen begeht. Besonders eindringlich wird das bei dem Gerichtsprozess vorgeführt, bei dem Marlon Brando neun Jahre nach seinem letzten Auftritt in dem Thriller „Die Formel“ als aus dem Leim geratener Anwalt aufzeigt, wie die Vorkommnisse durch die Polizei und eingeschüchterte Zeugen beschönigt werden. Die Wandlung eines mit Blindheit geschlagenen Weißen zum aufrechten Kämpfer für die Gerechtigkeit fällt zwar etwas plakativ aus, aber beeindruckend ist das Apartheid-Drama nichtsdestotrotz.

 

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