Peter Medak hat seit Mitte der 1960er Jahre vor allem
für Fernsehserien und -filme, aber auch für Künstler wie Pink Floyd und Peter
Gabriel hinter der Kamera gestanden und nur sporadisch die Möglichkeit
erhalten, auch bei Kinofilmen zu zeigen, was er kann. Am erfolgreichsten ist
ihm das mit dem 1980 mit dem Grusel-Schocker „Das Grauen“ mit George C.
Scott und 1990 mit dem Gangster-Drama „Die Krays“ gelungen. 1993 inszenierte
Medak mit „Romeo Is Bleeding“ einen hochkarätig besetzten Neo-Noir-Thriller,
der vor allem durch explizite Gewalt-Exzesse auffällt.
Inhalt:
Eigentlich könnte der Jack Grimaldi (Gary Oldman) glücklich
und zufrieden sein. Mit seiner ebenso attraktiven Frau Natalie (Annabella
Sciorra) lebt der Cop in einem ruhigen Viertel, doch als er an einem
High-Society-Tatort durch das Fernglas beobachtet, wie ein Nachbar sich von zwei
jungen Frauen verwöhnen lässt, erwacht die Gier in ihm. Statt sich in seiner
Abteilung rund um das amerikanische Zeugenschutzprogramm um die Sicherheit der
Zeugen zu kümmern, verkauft der korrupte Polizist sämtliche Informationen über
die Klienten an den Mafioso Don Falcone (Roy Scheider) und bekommt durch
dessen Mittelmann Sal (Michael Wincott) Aufträge und die Bezahlung zugeteilt.
Doch als der Kronzeuge in einem Mafiaprozess, Nick Gazzara (Dennis Farina),
dessen Aufenthaltsort Grimaldi an Falcone weitergab, am Tag vor seiner Aussage
ermordet wurde, starben auch mehrere zu dessen Bewachung abgestellte Polizisten,
was Grimaldi erstmals auf das Gewissen schlägt. Weniger zimperlich geht er mit
seiner Affäre um, die Grimaldi mit der Kellnerin Sheri (Juliette Lewis) unterhält.
Als er die aus Falcones Umfeld stammende Mörderin Mona Demarkov (Lena Olin)
in ein sicheres Versteck fährt, für dessen Ermordung Grimaldi 65.000 Dollar
erhält, durchschaut die raffinierte Verbrecherin Grimaldi sofort und bietet ihm
nicht nur das Fünffache an Prämie an, wenn er sie laufen lässt, sondern
verführt ihn auch mit ihren weiblichen Reizen. Als er Falcone mit Verzögerung
fehlerhafte Infos zuspielt, um der zwielichtigen Mona in der Zwischenzeit zur
Flucht zu verhelfen, erfährt der Gangsterboss von dem Verrat und will an dem
korrupten Cop ein Exempel statuieren…
Kritik:
Gary Oldman hat in den 1990er Jahren mit Sicherheit
die entscheidenden Rollen für seine Karriere verkörpert, angefangen mit der
Darstellung des durchgeknallten Kleinkriminellen Jackie in Phil Joanous Cop-Drama
„Im Vorhof der Hölle“ über die vielgestaltige Rolle des Blutfürsten in Coppolas
„Dracula“ und als Dreadlock-Zuhälter in Tony Scotts „True
Romance“ bis zur ikonischen Rolle des zugedröhnten, cholerischen und
korrupten Cops in Luc Bessons „Léon – Der Profi“. Die Rolle des
in jeder Hinsicht amoralischen Cops Grimaldi in „Romeo Is Bleeding“ ist
dem Briten quasi auf den Leib geschrieben. Er durchlebt in dem rasant inszenierten
Drama eine Tour de Force voller Sex und Gewalt, die dem Film zunächst eine FSK18-Einstufung
einbrachte und dafür verantwortlich gewesen ist, dass der Neo-Noir im Kino so
gut wie keine Beachtung erfuhr und erst im Heimkino zu einem geheimen Klassiker
avancierte. Dafür mag sicher auch die superbe Darsteller-Riege verantwortlich
sein, doch können Mimen wie Dennis Farina, James Cromwell, Will Patton, Roy Scheider und
Michael Wincott kaum ihre Klasse ausspielen, so minimal und auch
klischeebesetzt sind ihre Rollen ausgefallen. Gary Oldman liefert
allerdings wie gewohnt eine fantastische Performance als korrupter Cop ab, der
sich nicht nur bei seinen Auftraggebern aus dem Mafia-Milieu verzockt, sondern gleich
drei ganz unterschiedliche Frauen um sich schart, unter denen Lena Olin
als durchgeknallte Killerin etwas arg überdreht agiert, aber das trifft letztlich
auch den Ton eines Films, dessen Story und Charaktere kaum zusammenhängend
herausgearbeitet wird und der vor allem durch die explosive Kraft der Gewalt funktioniert.
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