Der in Frankreich geborene Filmemacher Jean-Stéphane
Sauvaire hat mit seinen ersten Kinofilmen „Johnny Mad Dog“ (2008) und
„A Prayer Before Dawn – Das letzte Gebet“ (2017) bereits gezeigt, dass er
interessante Geschichten mit eindrucksvoller visueller Virtuosität zu erzählen
weiß. Das 2023 entstandene Rettungssanitäter-Drama „Asphalt City“ lief
zwar beim Cannes Film Festival und erhielt dort eine Nominierung für die
Palme d’Or, doch eine größere Aufmerksamkeit blieb dem Film trotz so
prominenter Darsteller wie Tye Sheridan, Michael Pitt und Sean Penn
verwehrt.
Inhalt:
Um bessere Chancen für sein angestrebtes Medizinstudium zu
haben, übernimmt der junge Ollie Cross (Tye Sheridan) übergangsweise einen
Job als Notfallmediziner und Krankenwagenfahrer in New York. Nachdem sein erster
Partner Lafontaine (Michael Pitt) von Beginn an keinen Zweifel daran
lässt, dass er mit einem Frischling nicht zusammenarbeiten kann, wird er dem Veteran
Gene Rutkovsky (Sean Penn) zugeteilt. Der weiß schon lange, dass der Tod
ein ständiger Begleiter der Sanitäter ist. Das muss der Rookie nun gleich bei
seinem ersten Einsatz an Rutkovskys Seite ebenfalls lernen, als ihm trotz
größter Bemühungen ein Mann einfach unter den Händen wegstirbt. Als Cross sich
nach Feierabend mit ein paar Bier abreagieren will, trifft er in einem Club die
alleinerziehende Mutter Clara (Raquel Nave), mit der sich überraschend
schnell eine ernsthafte Beziehung anbahnt. Doch immer weitere ernüchternde
Rückschläge bei der Arbeit drohen die noch junge Beziehung zu bedrohen.
Schließlich hat auch schon Rutkovsky seine Frau gehen lassen müssen. Nach einem
tragischen Fehler bei der Versorgung einer AIDS-kranken Mutter und ihrem
Neugeborenen trennen sich auch die Wege von Cross und Rutkovsky…
Kritik:
Der US-amerikanische Schriftsteller Shannon Burke („Safelight“),
der mit „Black Flies“ die Romanvorlage für den hierzulande unter dem
Titel „Asphalt City“ vertriebenen Film lieferte, arbeitete wie Ollie
Cross im New Yorker Stadtteil Harlem als Sanitäter, nachdem er in New Orleans
eine angeschossene Frau aufgefunden hatte, der er aus Mangel an medizinischem
Wissen nicht hatte helfen können und die einen Tag später verstarb. Die fünf
Jahre, die er mit seinem Job in einem der härtesten Viertel New Yorks verbrachte,
hinterließen offenbar einen recht ernüchternden Eindruck, denn das von Jean-Stéphane
Sauvaire inszenierte Drama stellt vor allem die Schwierigkeit der
Rettungssanitäter in den Vordergrund, wirklich helfen zu können, sind die Opfer,
mit denen sie es zu tun haben, doch oft genug Drogensüchtige, Drogenhändler,
Gangmitglieder oder ihre von ihnen verprügelten Frauen. Sauvaire inszeniert
den aufreibenden Arbeitsalltag als immerwährenden Rausch von Sirenen und Blaulichtern
bei Nacht, wobei die Situationen oft unübersichtlich sind, Gewalt auch gegen
sie selbst stets präsent ist und der Tod ein immerwährender Begleiter darstellt.
Dass bei diesem emotionalen Stress auch die eigene geistige Gesundheit und
wichtige Beziehungen auf der Strecke bleiben, kann da kaum verwundern. Tatsächlich
entwirft „Asphalt City“ ein hypnotisierendes Bild des Scheiterns, des
Elends und der Gewalt, was die meiste Zeit sehr gut funktioniert, nach dem
episodenhaften Charakter zum Ende hin aber etwas zu sehr eine mögliche
Läuterung drängt. Die beiden starken Hauptdarsteller und die audiovisuelle
Sogwirkung sorgen aber dafür, dass „Asphalt City“ ein bewegendes Drama
über den herausfordernden Job von Rettungssanitätern vor allem in den
schlimmeren Großstadtbezirken geworden ist.
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