Picknick mit Bären

Der mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete amerikanisch-britische Schriftsteller Bill Bryson ist vor allem durch seine Reisebücher wie „Straßen der Erinnerung: Reisen durch das vergessene Amerika“, „Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger und Fortgeschrittene“ und „Reif für die Insel: England für Anfänger und Fortgeschrittene“ bekannt geworden, hierzulande auch durch das populärwissenschaftliche Sachbuch „Eine kurze Geschichte von fast allem“. 2015 verfilmte Ken Kwapis („Er steht einfach nicht auf dich“) Brysons Bestseller „A Walk in the Woods“ mit Robert Redford und Nick Nolte in den Hauptrollen. 

Inhalt:

Der gealterte Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford), der mit seiner Frau Catherine (Emma Thompson) und den gemeinsamen Kindern in New Hampshire lebt, ist von seinem Leben gelangweilt. Als er eines Tages von der Beerdigung eines Freundes nach Hause kommt und noch etwas spazieren geht, entdeckt er unweit seines Hauses einen Wegweiser des Appalachian Trail und fasst den Entschluss, diesen Weg zu wandern, was Catherine dazu bewegt, ihm Meldungen von ermordeten sowie von Bären zerfleischten Wanderern auf den Schreibtisch zu legen. Als Catherine dennoch ihre Zustimmung zu dem irrwitzigen Plan ihres Mannes gibt, kann sie ihn überzeugen, die Wanderung nicht allein zu unternehmen. Nachdem Bills Bemühungen bereits fruchtlos erscheinen, meldet sich schließlich Stephen Katz (Nick Nolte), der nur indirekt von Bills Anfrage erfahren hat. Widerwillig sagt Bill zu. Er hat Stephen als triebhaften, oberflächlichen Menschen in Erinnerung, der ihm noch 600 Dollar schuldet und mit dem ihn nicht viel verbindet. Als Bill und Catherine Stephen vom Flughafen abholen, sind sie erschrocken, wie übergewichtig, ungepflegt und ungelenk Bills Wegbegleiter ist, der offensichtlich auch noch ein Alkoholproblem hat. Trotz aller Bedenken beginnt Bill am nächsten Tag mit Stephen die Wanderung, auf der Stephen schon nach wenigen Metern der Atem ausgeht und die beiden nur langsam vorankommen…

Kritik:

Ken Kwapis benötigt nur wenige Szenen, um die Zivilisationsmüdigkeit des alternden Bill Bryson zu demonstrieren. Bei einem Fernsehinterview hört er kaum zu und begnügt sich mit einsilbigen Antworten, bei der Beerdigung eines Freundes vergreift er sich bei der Beileidsbekundung im Vokabular, und überhaupt scheint der Schriftsteller mit den Gedanken stets woanders. Interessant wird der Film jedoch erst mit dem Auftauchen von Nick Nolte, der mit seinem ungepflegten, aufgedunsenen Äußeren so gar nichts mehr mit dem charismatischen Verführer in Filmen wie „Herr der Gezeiten“ oder „Zoff in Beverly Hills“ hat. Er erweist sich als perfekter Ersatz für Paul Newman, mit dem Redford, der bereits 1997 die Rechte an der Verfilmung von Bill Brysons Buch erworben hat, eigentlich das dritte Mal nach „Butch Cassidy und Sundance Kid“ und „Der Clou“ gemeinsam vor der Kamera stehen wollte, doch machte Newmans Erkrankung und Tod im Jahr 2008 Redfords Plänen einen Strich durch die Rechnung. Während Robert Redford vor allem sich selbst spielt und als Bill Bryson seinem Plan folgt, sorgt Nick Noltes Figur mit seinen erinnerten Geschichten und Episoden aus seinem Liebesleben für die Lacher in dem Trekking-Abenteuer, das durch Episoden wie dem Auftauchen zweier Grizzly-Bären, der Konfrontation mit witterungsbedingten Einflüssen durch Schnee, Regen, Geröll, rutschigen Steinen und Matsch sowie Begegnungen mit Menschen wie einer stark von sich eingenommenen jungen Wanderin, eines hünenhaften Ehemanns, mit dessen Frau Stephen ein Schäferstündchen geplant hatte, und einer Motel-Besitzerin (Mary Steenburgen), die sich in Bill verguckt hat, seine amüsanten Momente hat. Zwar lässt „Picknick mit Bären“ hin und wieder auch ernste Momente zu, wenn Bill auf das Artensterben der Bäume hinweist oder Stephen von seinem Alkoholproblem erzählt, doch Kwapis fokussiert sich ganz auf die Aneinanderreihung amüsanter Momente und Begegnungen sowie das Einfangen majestätisch schöner Postkartenmotive.

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