Schwarzes Gold

Anspruchsvolle, opulent ausgestattete und spannend inszenierte Serien-Unterhaltung können nicht nur Disney+, Paramount+, Netflix und Amazon Prime. Diesen Beweis will der von der ARD produzierte Fernseh-Sechsteiler „Schwarzes Gold“ antreten, der einen weithin unbekannten Teil der norddeutschen Geschichte thematisiert, nämlich das erfolgreiche Bohren nach Öl. Gedreht wurde rund um das Museumsdorf Hösseringen bei Celle und im Camp Reinsehlen bei Schneverdingen, um das gewisse historische Flair einzufangen, doch vom Look und der Story ist die norddeutsche Produktion nicht weit von Hollywood-Vorbildern wie „Landman“ und „Yellowstone“ entfernt.

Inhalt:

Um 1900 in der Lüneburger Heide arbeitet die Bauerntochter Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten) als Magd, um ihre Familie zu ernähren. Dabei liegt unter den Feldern ihrer Heimat ein verborgenes Vermögen. Allerdings hat nur Richard (Aaron Hilmer), der Sohn des benachbarten Großbauern Pape, Ambitionen, das Erdölvorkommen zu fördern, um mit Johanna eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Richards Vater Wilhelm (Tom Wlaschiha) will von diesen hochtrabenden Plänen nichts wissen. Erst als der einflussreiche Ölhändler Tyler Robertson (Marton Csokas) im Dorf auftaucht und Interesse an dem Land bekundet, gewinnt bei Pape die Habgier die Oberhand.
Pape setzt alles daran, die Lamberts zu enteignen. Nach dem rätselhaften Tod ihres Vaters bleibt Johanna keine Wahl, als den Familienwald zu verkaufen – der Ort, an dem Wilhelm sofort mit der Förderung beginnt. Trotz des Verlusts und des Schmerzes weigert sich Johanna aufzugeben. Mit Entschlossenheit und Mut stellt sie sich Wilhelms Machenschaften entgegen, vereint die Bauern des Dorfes und kämpft für Gerechtigkeit, ihre Liebe zu Richard und die Zukunft ihrer Heimat. An ihrer Seite weiß sie vor allem den sympathischen Wanderarbeiter und Gelegenheitsboxer Jakub Mazurak (Slavko Popadic). Doch Pape und seine ehrgeizige Frau Elisabeth (Henny Reents), die das Geld in die Familie gebracht hat, schrecken weder davor zurück, das Wasser der Bauern zu verschmutzen, noch die Menschen auszuschalten, die ihren Plänen im Weg stehen…

Kritik:

Es ist kaum bekannt, dass unweit der Höfe, an denen „Schwarzes Gold“ gedreht wurde, 1858 eine der weltweit ersten Erdölbohrungen durchgeführt wurden und bis 1920 in der Südheide Deutschlands produktivstes Ölfeld entstand. In Wietze, im Süden der Lüneburger Heide, erzählt ein Erdölmuseum davon, wie von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins Jahr 1963 hier nach Öl gebohrt wurde. Man sieht es den Showrunnern der Mini-Serie an, dass sie sich von historischen Aufnahmen der Bohrtürme und Förderanlagen haben inspirieren lassen, doch verkommt die Kulisse schnell zum Beiwerk für die blutiger geführten Fehden zwischen dem wohlhabenden Großbauern Pape und der rebellischen Tochter eines einfachen Bauern, die weder geneigt ist, in die Stadt zu gehen, um dort in einer der Fabriken Geld zu verdienen, noch Papes Habgier nachzugeben. Aus diesem Konflikt entstehen Allianzen und mit Gewalt geführte Konfrontationen, wie sie aus dem Western-Genre vertraut sind. Die Pferde, die Cowboyhüte und die Waffen komplettieren dieses Set-up, das bis zum Showdown auf die Spitze getrieben wird. Zwar werden auch Liebesthemen eingespielt wie die bereits in Kindertagen gereifte Zuneigung zwischen Johanna und Richard, die sich im Kampf um das Öl nun auf konträren Seiten gegenüberstehen, oder das Schicksal von Richards jüngerer Schwester Luisa (Lena Urzendowsky), die an den schmierigen Walter Schröter (Merlin Sandmeyer) verheiratet werden soll, obwohl sie in den Ingenieur ihres Vaters verliebt ist. Bei aller Dramatik bleibt die Figurenzeichnung leider auf der Strecke, die Sympathien sind schnell verteilt, die Story weitgehend vorhersehbar, das Finale etwas zu sehr als Spektakel geraten. Dazu sorgen der Wall-of-Sound-Soundtrack von Hans Zimmer und seinem Mitarbeiter Aleksey Igudesman für Hollywood-gerechte Untermalung. Immerhin geben sich alle Beteiligte größte Mühe, „Schwarzes Gold“ funktionieren zu lassen. Vor allem die Darsteller:innen, die Maske und die geschickt in Szene gesetzte Heidelandschaft können punkten, die Story bleibt leider gewöhnlich.

Kommentare

Beliebte Posts