Regisseur Sydney Pollack war einer der großen
Architekten für die Hollywood-Karriere von Robert Redford, baute ihn mit
Engagements in seinen Filmen „Dieses Mädchen ist für alle“ (1966), „Jeremiah
Johnson“ (1972), „So wie wir waren“ (1973), „Die drei Tage des
Condor“ (1975) und „Der elektrische Reiter“ (1979) sukzessive auf. Höhepunkt
ihrer Zusammenarbeit war 1985 die siebenfach Oscar-prämierte Romanze „Jenseits
von Afrika“. Fünf Jahre später versuchten sie diesen Erfolg, mit dem
Revolutionsdrama „Havanna“ zu wiederholen, leider vergeblich.
Inhalt:
Als der Profi-Pokerspieler Jack Weil (Robert Redford) im Dezember 1958 aus den USA nach Kuba
reist, um dort eine Pokerrunde zu organisieren, lernt er die schöne
Roberta Duran (Lena Olin) kennen, als sie beobachtet, wie er die Verantwortung
für gefundene Waffen in einem der Autos im Parkdeck des Schiffs übernimmt, obwohl
er offensichtlich nichts mit ihnen zu tun hat. Er lässt sich dazu überreden,
ein militärisches Gerät für sie nach Kuba zu schmuggeln. Nach der erfolgreichen
Aktion, die die kubanischen Polizisten, die auch Roberta angesetzt waren,
verwirrt hat, weil sie mit einem anderen Wagen als vorgesehen das Schiff
verließ, trifft Jack die geheimnisvolle Frau wieder und erfährt, dass sie mit
dem charmanten Revolutionär Arturo Duran (Raul Julia) verheiratet
ist. Jack bittet Joe Volpi (Alan Arkin), einen befreundeten
Kasinomanager und Handlanger des Mafiabosses Meyer Lansky (Mark Rydell),
eine Pokerrunde zu organisieren. Vor dem Spiel erfährt Jack aus der Zeitung,
dass Roberta und Arturo festgenommen wurden. Zeitungen berichten über den Tod
des Mannes. Jack kann einen seiner Spielpartner, der bei ihm Schulden hat, dazu
bewegen, Robertas Freilassung zu erwirken. Roberta, die gefoltert wurde, ist
Jack dankbar, verlässt diesen jedoch wieder und taucht unter. Der
Geheimdienstoffizier Menocal (Tomas Milian) warnt Jack und dieser kann
sich gerade noch herausreden, ohne verhaftet zu werden. Volpi offenbart Jack,
dass er nicht mehr daran glaube, dass sich die Diktatur Batistas noch lange
halten könne. Am 29. Dezember 1958 fällt Santa Clara. Jack fährt in das
umkämpfte Gebiet, findet Roberta und versteckt sie in seiner Wohnung in
Havanna. Dort beginnen beide eine Affäre. Als er erfährt, dass Arturo noch
lebt, sieht er sich in einem moralischen Dilemma…
Kritik:
Ähnlich wie Michael Curtiz‘ Klassiker „Casablanca“
(1942) lässt auch Sydney Pollack sein Drama vor dem Hintergrund
politischer Unruhen spielen und bringt dabei einige fast schon klassische Topoi
ins Spiel, den schwerreichen Casino-Besitzer Meyer Lansky, der seine finanzielle Macht weit über der politischen
Macht wähnt, ebenso wie die Omnipräsenz käuflicher Liebe auf den Straßen,
karrierefixierte Folterknechte in den Gefängnissen und opportunistische
Bürokraten, die nach dem zu erwartenden Kollabieren des herrschenden Systems
hoffen, einen nahtlosen Übergang ins komfortable Exil zu schaffen. Natürlich
bleiben auch die idealistischen Märtyrer nicht aus, die jederzeit den Tod dem
Verrat an der Idee vorziehen würden. Inmitten dieser Wirren denkt der von Robert
Redford souverän verkörperte Pokerspieler lange Zeit nur daran, ein
lukratives Pokerspiel zu organisieren, ohne sich in die politischen Belange
involvieren zu lassen, doch ist sein Interesse an der schönen Roberta dann doch
zu stark, um sich aus der Sache herauszuhalten. Leider funktioniert die Chemie
zwischen Redford und Olin nicht so überzeugend, dass die verbotene
romantische Liaison ein echtes Drama nach sich ziehen könnte. Und Pollack
gelingt es leider nicht, die interessante Ausgangssituation über die ganze
Filmlänge spannend auszubauen, zumal das vorhersehbare Nicht-Happy-End das
Drama recht belanglos ausklingen lässt. Nichtsdestotrotz machen Robert
Redfords Präsenz, der großartige Soundtrack von Dave Grusin („Bobby
Deerfield“, „Die drei Tage des Condor“) und die Schauwerte der exotischen
Kulisse „Havanna“ sehenswert.
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