Darling

Der britische Filmemacher John Schlesinger hat mit seinen ersten beiden Werken „Nur ein Hauch Glückseligkeit“ (1962) und „Geliebter Spinner“ (1963) noch eher romantische Filme gedreht. Mit seinem nächsten Werk „Darling“ (1965) etablierte sich Schlesinger als einer der führenden Vertreter der British New Wave und verhalf Hauptdarstellerin Julie Christie zum ersten und einzigen Oscar ihrer Karriere.

Inhalt:

Nach einem spontanen Fernseh-Interview auf der Straße eröffnen sich Mitte der 1960er Jahre in London für das junge Fotomodell Diana Scott (Julie Christie) ganz neue Möglichkeiten. In der Hoffnung, durch ihn vorwärtszukommen, verführt sie den intellektuellen BBC-Journalisten Robert Gold (Dirk Bogarde), worauf sie ihren langweiligen Freund und er seine Familie verlässt. Doch das gemeinsame Gefühl, füreinander bestimmt zu sein, hält nicht lange vor, denn Diana sieht in einer Liaison mit dem einflussreichen Werbefachmann Miles Brand (Laurence Harvey) bessere Chancen, mit ihrer Karriere voranzukommen. Mit ihm feiert sie nicht nur ausgefallene High-Society-Orgien, sondern Diana lernt durch ihren neuen Lover schließlich den extravaganten Fotografen Malcolm (Roland Curram) kennen, der ihr beim Einstieg ins Filmgeschäft hilft. Ihr weiterer Aufstieg scheint nach einer Italien-Reise gesichert. Als Diana dem höflichen Werben des einsamen Witwers und Millionärs Cesare della Romita (José Luis de Vilallonga) nachgibt, wird sie zu einer internationalen Berühmtheit, ohne durch ihre Ehe echte Zuneigung zu erlangen. Bei einem letzten Treffen mit Robert muss sie erkennen, dass ihr Egoismus diese wohl einzig aufrichtige Liebe zerstört hat, und kehrt in den goldenen Käfig ihres Prinzen zurück…

Kritik:

Abgesehen von Michelangelo Antonionis „Blow-Up“ (1966) hat wohl kaum jemand die Atmosphäre der Swinging Sixties so eindrucksvoll eingefangen wie John Schlesingers Portrait eines jungen Fotomodells, das sich für seine Karriere in gewinnbringende Beziehungen und Affären stürzt, ohne jedoch glücklich dabei zu werden. Die 24-jährige Julie Christie, die für Schlesinger schon bei „Geliebter Spinner“ vor der Kamera stand und gleichermaßen durch ihre Schönheit und ihr ausdrucksvolles Spiel überzeugt, stellt den Dreh- und Angelpunkt des Films dar, wobei Schlesinger das bewusste Risiko eingeht, seine Protagonistin als egozentrische Karrierefrau darzustellen, die zwar vorgibt, dass die Familie für sie heilig sei, doch nicht mit der Wimper zuckt, als sie eine zerstört, um selbst im Leben voranzukommen. Dianas Bekanntschaften werden dabei immer mit ausgiebigen Blicken auf die Gesellschaft, dem Treiben auf den Straßen und innerhalb des Jet Sets illustriert, was „Darling“ einen authentischen Charme verleiht, zumal die Schwarzweißbilder von Kenneth Higgins („Der Spion mit der kalten Nase“, „Der Fremde im Haus“) besonders stilisiert erscheinen. Am Ende wurde „Darling“ mit drei Oscars für Julie Christie als Hauptdarstellerin, für die Kostüme und das Drehbuch ausgezeichnet.

 

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