Patty

Die Entführung der 19-jährigen Enkelin des Medienzaren William Randolph Hearst, Patty Hearst, durch eine linksradikale Gruppierung im Jahr 1974 war eine Mediensensation, schließlich sympathisierte das Opfer mit seinen Entführern und nahm sogar an einigen Banküberfällen teil. 1988 verfilmte Paul Schrader („Light Sleeper“, „Katzenmenschen“) Patty Hearsts Autobiografie „Every Secret Thing“, betitelte sie schlicht „Patty Hearst“.

Inhalt:

1974 wird die 19-jährige Studentin Patty Hearst (Natasha Richardson), Enkelin des Medienunternehmers Randolph Hearst, von Mitgliedern der Symbionese Liberation Army (SLA) aus ihrer Wohnung in Berkeley, Kalifornien, entführt. Die linksradikale Guerillagruppe um Anführer Cinque (Ving Rhames) verlangt die Freilassung mehrerer inhaftierter Mitglieder; als diese verwehrt wird, erzwingen sie die Verteilung von Lebensmitteln an arme Bevölkerungsgruppen. Nach zwei Monaten Gefangenschaft in einem dunklen Wandschrank und propagandistischen Unterweisungen stellt die Gruppe ihre Geisel vor die Wahl, in die Freiheit zurückzukehren oder sich ihnen anzuschließen. Patty wird ein Mitglied der SLA, nimmt den Namen Tania an und beteiligt sich an einer Serie von Raubüberfällen. Nachdem sie bei einem fehlgeschlagenen Überfall beinahe verhaftet werden, taucht Patty mit Bandenmitglied Teko (William Forsythe) und seiner Frau Yolanda (Frances Fisher) unter; im Fernsehen werden sie Zeugen, wie die restliche Gruppe um Cinque bei einem Feuergefecht getötet wird…

Kritik:

Paul Schrader und sein Drehbuchautor Nicholas Kazan („Die Affäre der Sunny von B.“, „Dämon – Trau keiner Seele“) halten sich in der Rekapitulation der Ereignisse rund um die Entführung und Indoktrination der Hearst-Enkelin bemerkenswert zurück, verweigern sich einer Stellungnahme und inszenieren die Geschichte mit fast dokumentarischer Distanziertheit. Zwar nehmen sie die Perspektive des Entführungsopfers ein, doch wird nie deutlich, wie Patty Hearst das Zusammensein mit der SLA empfindet, noch ver- oder beurteilen sie ihr Verhalten. Indem „Patty“ den Entführern und deren propagandistischen Reden viel Raum einräumt, wirkt das Biopic oft unreflektiert und stilisiert. Vor allem Natasha Richardson („Der Trost von Fremden“, „Die Geschichte einer Dienerin“) überzeugt aber in der Rolle der jungen Frau, die eher von den Umständen geprägt wirkt denn als eigenständig handelnde Person.

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