Das Versprechen

Nach ihrem ersten Geh-Versuch als Regisseurin an der Seite von Volker Schlöndorff („Die verlorene Ehe der Katharina Blum“) hat sich die vor allem von Rainer Werner Fassbinder geförderte Schauspielerin Margarethe von Trotta mit Werken wie „Das zweite Erwachen der Christa Klages“ (1978), „Die bleierne Zeit“ (1981) und „Rosa Luxemburg“ (1986) schnell als bedeutende Vertreterin des deutschen Autorenfilms etabliert. 1994 thematisierte sie mit „Das Versprechen“ die deutsch-deutsche Geschichte an den Eckpunkten von Bau und Fall der Berliner Mauer.

Inhalt:

Kurz nach dem Bau der Berliner Bauer beschließt das junge Liebespaar Sophie (Meret Becker) und Konrad (Anian Zollner), 1961 mit drei weiteren Freunden aus Ost-Berlin in den Westen zu fliehen. Als sie während einer Tanzveranstaltung durch das Kanalisationsnetz zu entkommen versuchen, stolpert Konrad allerdings über seine Schnürsenkel und erreicht das Schlupfloch in den Westen zu spät, so dass er nur noch den Deckel auf den Gulli schieben kann, um seine Freunde zu schützen, bevor Konrads Vater (Dieter Mann), ein überzeugter SED-Sozialist, mit der Polizei um die Ecke kommt. Konrads Eltern, die Mutter arbeitet im Staatsdienst, haben offenbar berufliche und private Schwierigkeiten befürchtet und sorgen dafür, dass ihr Sohn, wie später auch dessen Bruder, „zur Bewährung“ zur Nationalen Volksarmee eingezogen wird – ausgerechnet zu den Grenztruppen, deren perfider Drill Konrad große Probleme bereitet. Sophie, deren Vater im DDR-Gefängnis umkam, angeblich Selbstmord eines „Politischen“, fühlt sich wohl in ihrer neuen Umgebung und wird von ihrer Tante (Tina Engel) davor geschützt, zurück in den Ostteil Berlins gehen zu müssen – zusammen mit ihrem Stiefvater, der plötzlich bei einer von Sophies Tante organisierten Modenschau auftaucht und offensichtlich auch der Stasi angehört.
Konrad schlägt nach einigen Repressalien eine vielversprechende Laufbahn als Wissenschaftler
im Astrophysischen Institut in Potsdam ein und hat noch einmal Glück in Person seines Doktorvaters (Otto Sander), der nach dem Krieg aus politischer Überzeugung die Seiten von West nach Ost gewechselt hat. Der inzwischen reichlich desillusionierte Antifaschist unterstützt Konrad und verschafft ihm einen Vortrag in Prag. Dort kommt es zur Begegnung mit Sophie, die über das Treffen mittels kirchlicher Kanäle, Konrads Freundin Barbara (Eva Mattes) ist evangelische Theologin, erfuhr.
Konrad und Sophie feiern ein frohes Wiedersehen mit festen Plänen für ein gemeinsames Leben. Doch als die Panzer durch Prag rollen, wird das Liebespaar in dem Durcheinander erneut getrennt. Auch wenn Sophie nun ein Kind von Konrad erwartet, entscheidet sie sich dafür, zunächst einmal ihr eigenes Leben zu ordnen und ohne den Geliebten zu organisieren, dessen Bemühungen, bei ihr zu sein, ihr ohnehin inzwischen recht vage erscheinen. Aber so unberechenbar auch die sich ständig verändernden Grenzverhältnisse sind, bergen sie in all den Jahren auch immer wieder seltene Möglichkeiten, dass Sophie (nun Corinna Harfouch) und Konrad (nun August Zirner), und auch ihr Sohn Alexander sich wiedersehen, bis plötzlich im November 1989 nach langem, zunehmendem Widerstand die Grenzstationen geöffnet werden und die Mauer zu bröckeln beginnt…

Kritik:

Margarethe von Trotta beginnt ihre deutsch-deutsche Liebesgeschichte mit schwarzweißen Dokumentaraufnahmen vom Mauerbau, wobei gerade die Bilder am eindringlichsten wirken, in denen sich ehemalige Nachbarn – nun von der Mauer getrennt – mit Taschentüchern und Tränen in den Augen einander zuwinken. Was die willkürlich gezogene Grenze zwischen Ost und West mit den Menschen auf beiden Seiten der Mauer gemacht hat, versucht die Filmemacherin anhand einer Liebesgeschichte darzulegen, die unter erschwerten Bedingungen jahrelang nicht gelebt werden konnte. Ein offener Schnürsenkel und der darauffolgende Sturz vereiteln schon während der Flucht das gemeinsame Glück. Das titelgebende Versprechen, mit dem Konrad sein baldiges Nachkommen ankündigt, wird nie eingelöst. Es scheint aber ohnehin so, dass die Liebesgeschichte zwischen Sophie und Konrad nur eine handlungstreibende Zutat ist, denn im Mittelpunkt stehen die politischen Ereignisse, an denen sich der Plot orientiert, also Bau der Berliner Mauer, der Einmarsch der Ostblock-Truppen in Prag 1968 und die Öffnung der Mauer 1989. Die Figuren werden mit den Systemen von Staatssicherheit, Forscher- und Freiheitsdrang geprägt, weniger durch die Liebe. Vieles bleibt nur angedeutet, straff skizziert, eine echte Nähe zu den Charakteren entsteht kaum. Trotz der offensichtlichen Unzulänglichkeiten ist von Trotta mit „Das Versprechen“ ein interessanter Film über schwierige menschliche Bindungen über Grenzen und unterschiedliche politische Systeme hinweg gelungen.

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