Als deutsche Antwort auf die britische Kultserie „The Office“
hat Autor Ralf Husmann mit „Stromberg“ (2004–2012) eine ebenso
kultige Variante kreiert, die mit Christoph Maria Herbst als
titelgebender Abteilungsleiter der Schadensregulierung in der fiktiven CAPITOL-Versicherung
wunderbar politisch inkorrekt den Büroalltag in Deutschland ordentlich auf die
Schippe nahm – mit allen frauenfeindlichen, rassistischen und gefühllosen
Fettnäpfchen versehen, in die Bernd Stromberg mit verlässlicher Regelmäßigkeit
trat und durch die er so zur ebenso hassenswerten wie verehrten Gallionsfigur
eines überregulierten, hierarchisch streng geordneten und in der Regel auch
völlig humorlosen Büroalltags wurde. Nach dem Ende der Serie und einem Kinofilm
sahen sich die „Stromberg“-Macher – Autor Ralf Husmann und Regisseur
Arne Feldhusen – inspiriert, einen Blick ebenso nach vorn wie zurück zu werfen,
doch trotz bemerkenswerter selbstreflektierender Töne vermag der neue Film „Stromberg:
Wieder alles wie immer“ längst nicht den typischen Arschloch-Chef-Humor zu
vermitteln, der die Serie so einzigartig gemacht hat.
Inhalt:
Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Bernd Stromberg (Christoph
Maria Herbst) und sein Team von der Schadensregulierung der
CAPITOL-Versicherung die deutsche Büro-Kultur auf den Kopf gestellt haben.
Damals dominierten flapsige Sprüche, fragwürdige Umgangsformen und
Kantinenessen ohne vegane Optionen. Nun steht für eine Fernsehshow ein
Wiedersehen an, das demonstrieren soll, wie sich Stromberg und seine frühere
Truppe verändert haben wie sie den Absprung in die moderne Arbeitswelt gemeistert
haben. Berthold „Ernie“ Heisterkamp (Bjarne Mädel) hat sich als Lifecoach
und Buchautor mit dem Schwerpunkt Mobbing erfolgreich emanzipiert, Tanja und
Ulf Steinke (Diana Staehly und Oliver Wnuk) sind immer noch miteinander
verheiratet und haben ihrem adoptierten Sohn einen Ausbildungsplatz in der
CAPITOL verschafft, Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) ist mit ihrem
neuen Lover, einem überdrehten Content Creator, am Set und Stromberg ist bei
einer modernen Firma auch wieder auf die Füße gefallen. Das Wiedersehen hinter
den Kameras läuft allerdings nicht so harmonisch ab wie geplant, denn nach ein
paar Bierchen an der Theke werden wie bei jeder Familienfeier alte Konflikte
und ungelöste Spannungen. Was als nostalgische Rückschau beginnt, gerät bald
außer Kontrolle und endet in einem Chaos, das niemand vorausgesehen hat…
Kritik:
Den Ansatz, den der routinierte „Stromberg“-Autor Ralf
Husmann mit dem wohl definitiv letzten Kinofilm zur Serie verfolgt, klingt
zunächst verlockend. Statt Stromberg und seine Leute wieder in die alten CAPITOL-Räume
zu verfrachten, schlägt eine Fernsehshow die Brücke zwischen der Vergangenheit
und der Gegenwart. Dabei wird zunächst deutlich, dass sich eigentlich nicht
viel verändert zu haben scheint. Auch wenn Berthold „Ernie“ Heisterkamp ein Buch
veröffentlicht und sich als Lifecoach selbstständig gemacht hat, ist er nach
wie vor ungebunden und gehört irgendwie nirgends dazu. Tanja hat in der
Beziehung mit Ulf immer noch die Hosen an, was beide nicht glücklich macht,
zumal ihr Adoptivsohn auch nicht richtig rundläuft. Und natürlich hat Jennifer in
der Auswahl ihrer Männer nichts dazugelernt. Interessant wird es erst mit dem
integrierten Blick von außen auf das Phänomen „Stromberg“. Da sind vor
dem Studioeingang ebenso glühende Stromberg-Fans, die sich mit Masken das
Stromberg-Konterfei mit Halbglatze, Henriquatre, Trenchcoat und Schlips präsentieren,
wie feministische Gruppen, die die frauenfeindlichen Sprüche des Abteilungsleiters
einfach nur zum Kotzen finden. Und auch hinter der Kamera wird bei den Machern
der Show heftig darüber gestritten, ob Strombergs Humor so noch gesendet werden
darf oder doch zu sehr unter die vom Zeitgeist neu definierte Gürtellinie geht.
Dabei muss gerade Stromberg selbst erkennen, dass vieles, was er damals gesagt
und getan hat, heute einer kritischen Reflexion bedarf. Doch bei aller Liebe
zur Meta-Comedy ist „Stromberg: Wieder alles wie immer“ nur zu selten
wirklich komisch, was vor allem die Die-Hard-Fans der Serie enttäuschen dürfte.
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