Nach dem Erfolg von Historien-Blockbustern wie „Quo Vadis“
(1951), „Salome“ (1952) und „Das Gewand“ (1953) machten sich auch
die beiden italienischen Filmgrößen Dino De Laurentiis und Carlo
Ponti daran, mit „Die Fahrten des Odysseus“ (1954) nach Homer
ein ähnlich opulent inszeniertes Spektakel zu präsentieren. Mit den
Hollywood-Stars Kirk Douglas und Anthony Quinn wurde gewährleistet,
dass der Abenteuerfilm auch international beachtet wurde.
Inhalt:
Durch eine Kriegslist des Odysseus (Kirk Douglas)
kann der Trojanische Krieg entschieden werden. Doch als die griechischen Helden
siegreich zu ihren Frauen und Königreichen zurückkehren, wartet die schöne
Penelope (Silvana Mangano) vergeblich. Odysseus hat als König von Ithaka
während des Krieges nämlich die Götter erzürnt und bekommt nun die Quittung zu
spüren. Die trojanische Priesterin Cassandra (Elena Zareschi) verflucht
Odysseus und seine Mannen, auf ewiglich über das Weltmeer zu irren. Während
Penelope sich zuhause der zahlreichen Freier erwehren muss und nie die Hoffnung
auf die Rückkehr ihres Mannes aufgibt, muss dieser sich auf seinen zwanzig
Jahre andauernden Irrfahrten allerlei Gefahren stellen: dem Kampf mit dem
Zyklopen Polyphem, den Gesängen der Sirenen, den betörenden Avancen der
Zauberin Circe (ebenfalls Silvana Mangano), dem Besuch im Reich der
Schatten. Als er nach all den Jahren endlich in seine Heimat zurückkehrt, ist
sein Kampf noch immer nicht vorbei, denn Penelope wird auch von ihrem
fordernden Verehrer Antinoos (Anthony Quinn) dazu gedrängt, sich endlich
für einen neuen Mann zu entscheiden…
Kritik:
Der mit zehn Millionen Dollar damals teuerste Film aller
Zeiten nutzt die Höhepunkte des Epos „Odysseus“, das dem griechischen
Dichter Homer zugeschrieben wird, um die abenteuerliche Reise eines
Helden zu beschreiben, der sich – nachdem er sich den Zorn der Götter zugezogen
hat – auf eine zwanzigjährige Irrfahrt begeben muss. Wie Regisseur Mario
Camerini („Mein Leben für dich“, „Ehefrau für eine Nacht“) den Kampf
von Odysseus und seinen Gefolgsleuten auf dem tosenden Meer und die Gefahren
auf den spannenden Exkursionen auf unbekanntem Terrain meistert, vor allem die
raffiniert eingefädelte Flucht aus der verschlossenen Höhle des einäugigen,
menschenfressenden Zyklopen, ist ebenso sehenswert wie die Vorstellung der
Geschlechterrollen. Auf der einen Seite haben wir den zupackenden Helden
Odysseus, dem die Frauenherzen nur so zufliegen. So muss er sich sowohl seiner fast
noch jugendlichen Retterin Nausicaa (Rossana Podestà) ebenso erwehren,
die ihn bewusstlos und ohne Erinnerung an sein früheres Leben am Strand von
Kerkyra aufgefunden hat, wie der betörenden Zauberin Circe, die sich als
Spiegelbild seiner geliebten Penelope präsentiert. Auf der anderen Seite
erleben wir die vermeintliche Witwe Penelope, die auch nach zwanzig Jahren noch
darauf hofft, dass Odysseus zu ihr zurückkehrt, während ihr Hof von
schmarotzenden Männern belagert wird, die sich ohne große Mühe zu geben ein
Anrecht auf die Ehe mit der einsamen Penelope einbilden. Während Anthony
Quinn nur eine Nebenrolle als großmäuliger Verehrer bleibt, trumpft Kirk
Douglas („Die Wikinger“, „Spartacus“) als markiger, unerschrockener
und kluger Anführer auf, der keine Mühen scheut, zu seiner geliebten Penelope
zurückzukehren, wobei er sich immer wieder fragen muss, inwieweit er seinen Bedürfnissen,
Augen und Erinnerungen trauen kann. Auch wenn die Mischung aus klassischem
Erzählkino und griechischer Mythologie dramaturgisch etwas holprig ausfällt,
unterhält der opulent ausgestattete Film vor allem mit der sehenswerten Ausstattung
und einem spielfreudigen Kirk Douglas.
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