Die Wikinger
Richard Fleischer („Barabbas“, „Der Frauenmörder
von Boston“, „…Jahr 2022… die überleben wollen“) hat sich bereits Ende der
1940er Jahre mit Film noirs wie „Die Menschenfalle“ und „Um
Haaresbreite“ einen Namen gemacht, bevor er sich mit dem Abenteuer-Klassiker
„20000 Meilen unter dem Meer“ (1954) für größere Projekte qualifizierte.
Dazu zählte vor allem das Historien-Epos „Die Wikinger“ (1958) mit Kirk
Douglas, Tony Curtis, Janet Leigh und Ernest Borgnine in den Hauptrollen.
Inhalt:
Im 9. Jahrhundert zieht der grausame Wikinger-Häuptling
Ragnar (Ernest Borgnine) mit seinen glorreichen Kämpfern über die Küsten
von Northumbria, dem heutigen Norden Englands. Als krönenden Abschluss seiner Plünderungstour,
bei der auch der König von Northumbria getötet wird, vergewaltigt er die
damalige, noch kinderlose Königin Enid (Maxine Audley). Während Aella (Frank
Thring), der Cousin des getöteten Königs, daraufhin den Thron besteigt,
bringt die Königswitwe Enid das von Ragnar gezeugte Kind heimlich zur Welt und
schickt es, versehen mit einem Edelstein, der dem Knauf vom Griff des
königlichen Schwertes Regvita von Northumbria entnommen worden ist, nach
Italien, um es vor dem machthungrigen Aella zu schützen. Das Schiff, auf dem
das Kind nach Italien reist, wird von den Wikingern unter Bjorn (Per Buckhøj),
dem engsten Freund Ragnars, gekapert. Dabei wird der unbekannte Sohn des Königs
versklavt und Erik genannt.
20 Jahre später ist Königin Enid gestorben, ohne ihren Sohn
je wiedergesehen zu haben. Lord Egbert (James Donald), von Aella des
Hochverrats angeklagt, flieht nach Norwegen und findet bei Ragnar Asyl. Dort
findet er auch Erik (Tony Curtis) wieder, der um seinen Hals immer noch
das Amulett seiner Mutter trägt. Egbert entdeckt daraufhin den Familienrang von
Erik, der mit seinem Halbbruder Erik in einen unversöhnlichen Streit gerät, bei
dem Eriks Falke Einar ein Auge aushackt und sein Gesicht verunstaltet. Als sich
beide auch noch in die bildhübsche Morgana (Janet Leigh), ihres Zeichens
Prinzessin der angelsächsischen Feinde, verliebt haben, spitzt sich der
Konflikt zwischen ihnen zu…
Kritik:
Auch wenn sich „Die Wikinger“ nicht anmaßt,
historisch verbürgte Fakten zu vermitteln, so macht die gefällig animierte Einleitung
unmissverständlich klar, dass der Mythos der Nordmänner vor allem auf brutaler Gewalt
basiert, wovon gerade die Engländer mehr als nur eine Kostprobe zu spüren bekamen.
Die Verehrung Odins und der Eintritt ins jenseitige Walhalla mit erhobenem
Schwert waren weitere Eckpfeiler der Wikinger-Mythologie. Vor diesem
Hintergrund erzählt Richard Fleischer ein spektakulär ausgestattetes
Drama um zwei Halbbrüder, die nichts von ihrer Verwandtschaft wissen und sich bis
zum bitteren Ende um die Liebe einer Frau bekämpfen. Die Spannung fällt in dem
actionreichen Streifen moderat aus. Dafür stehen brutale Machtkämpfe,
Schlachten auf See und Eroberungen von englischen Festungen durch die
unerschrockenen Wikinger im Mittelpunkt. Vor allem Kirk Douglas („Die
Fahrten des Odysseus“, „Spratacus“) darf dabei einmal mehr als ambivalent
angelegter Charakter auftrumpfen und seine Muskeln spielen lassen. Neben den
imposant inszenierten Kämpfen zwischen Engländern und Wikingern und dem
Bruderzwist sind es vor allem die eindrucksvollen Bauten und Kulissen, die
stimmungsvolle Kameraarbeit von Jack Cardiff („Krieg und Frieden“, „African
Queen“), Mario Nascimbene temperamentvoller Score und die packende
Inszenierung von Richard Fleischer, die „Die Wikinger“ zu einem unterhaltsamen
Abenteuer-Klassiker werden lassen, der bis heute erstaunlich gut gealtert ist.

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