Redacted
Eigentlich hat sich Brian De Palma vor allem dem
Spannungskino verschrieben und im Geiste seines großen Vorbilds Alfred
Hitchcock superbe Thriller wie die Stephen-King-Adaption „Carrie“,
„Der Tod kommt zweimal“, „Dressed to Kill“ und „Scarface“ inszeniert.
2007 wagte sich der renommierte Filmemacher mit „Redacted“ auf für ihn
unbekanntes Terrain, befasste sich mit einer semi-dokumentarischen Aufbereitung
eines Kriegsverbrechens, für das US-Soldaten im Rahmen ihres Einsatzes im Irak
2006 verantwortlich gewesen sind.
„Redacted“ bezeichnet sich als eine visuelle
Dokumentation fiktiver Geschehnisse vor, während und nach den brutalen
Ereignissen vom 12. März 2006, als US-amerikanische Streitkräfte ein
15-jähriges irakisches Mädchen vergewaltigten und ihre Familie töteten. Eine Einblendung
qualifiziert das Werk und die auftretenden Personen eingangs als zwar fiktional,
wobei eine etwaige Ähnlichkeit mit bekannten Vorkommnissen nicht zu einer
Verwechslung mit realen Taten und Ereignissen führen soll, doch bereits die zunehmende
Schwärzung einzelner Worte der Schrifttafel, beginnend mit dem Wort „fiction“, zeigen
den vielschichtigen Charakter der nachfolgenden Bilder an. Da nehmen zwei Soldaten
mit ihren jeweils eigenen Kameras Szenen aus dem Lager auf, in dem sich die
dort stationierten US-Soldaten eher zu langweilen scheinen, sich mit Erotik-Magazinen
oder auch Büchern beschäftigen. Doch neben dem Videotagebuch des Soldaten Angel
Salazar (Izzy Diaz) kommt auch eine französische Dokumentation über die
Arbeit der US-Soldaten an einem Kontrollpunkt und Nachrichtensendungen aus dem
Irak zum Einsatz, um den dokumentarischen Charakter aus verschiedenen Perspektiven
zu betonen.
De Palma arbeitet sehr differenziert die Ambivalenzen der
jungen Männer heraus, die sich oft nur vage über den Sinn und Zweck ihres
Aufenthalts in diesem traumatisierten Land bewusst sind und kaum in der Lage,
ihrer enormen Verantwortung gerecht zu werden, auf die sie offensichtlich
unzureichend vorbereitet wurden. So stehen sie unter enormem psychischem Druck,
wenn sie Fahrzeuge und Passanten kontrollieren, von denen sie nicht wissen
können, ob es harmlose Einheimische oder Attentäter sind. Später montiert Salazar
eine versteckte Kamera am Helm, um seine Kameraden in Sicherheit zu wiegen. So
wird er Zeuge eines grausamen Verbrechens, das im Nachgang nur unzureichend vom
Militär unter der Regierung von George W. Bush aufgearbeitet wird.
So verstörend das Material auch ist, macht es vor allem den
schmalen Grat deutlich, auf dem US-Soldaten ihre Mission in einem fremden Land schreiten,
wenn sie einerseits die Bevölkerung, aber auch sich selbst schützen sollen,
dabei aber auch schnell moralische Grenzen überschreiten.








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