Cool Hand Luke – Der Unbeugsame

Wenn der Beginn der New-Hollywood-Bewegung, die mit den schmerzhaften politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Mitte der 1960er Jahre einherging und sich bewusst von tradierten Erzählstrukturen des klassischen Hollywood-Kinos distanzierte, mit einigen ausdrucksstarken Beispielen belegt werden müsste, fallen darunter sicher „Die Reifeprüfung“, „Bonnie and Clyde“ – und „Cool Hand Luke – Der Unbeugsame“ mit Paul Newman in einer seiner bemerkenswertesten Darstellungen. In Stuart Rosenbergs („Amityville Horror“, „Brubaker“) Meisterwerk „Cool Hand Luke – Der Unbeugsame“ spielt er einen Kriegsveteranen, der nach einer unbedachten Handlung im Alkoholrausch zu zwei Jahren in einem Arbeitslager verdonnert wird und sich von den Aufsehern nicht unterkriegen lässt.

Inhalt:

Im Suff köpft der ausgezeichnete Kriegsveteran Luke Jackson (Paul Newman) Parkuhren und wird noch am Tatort von der Polizei in Gewahrsam genommen. Für dieses Bagatellvergehen bekommt der Einzelgänger zwei Jahre in einem Arbeitslager aufgebrummt, die er eigentlich mühelos überstehen sollte. Doch der unangepasste Neuankömmling legt sich erst mit dem großmäuligen Platzhirschen Dragline (George Kennedy) an und wird von diesem im Faustkampf immer wieder zu Boden geschickt.
Sein Durchhaltevermögen bringt ihm allerdings den Respekt sowohl von Dragline als auch seinen Mitinsassen ein, die Tag für Tag schweißtreibend Unkraut an den verstaubten Straßenrändern
Erst ein Kampf mit diesem, in dem Luke, obwohl hoffnungslos unterlegen, sich weigert am Boden zu bleiben, verschafft ihm die Freundschaft Draglines und den Respekt der Mitinsassen. Später verdient er sich seinen Spitznamen Cool Hand Luke, indem er beim Pokern blufft und schließlich gewinnt, obwohl er nichts auf der Hand hatte.
In einer weiteren Szene stachelt er die Häftlinge dazu an, eine Arbeit für mehrere Tage – das Asphaltieren einer Straße – an weniger als einem Tag zu erledigen. Ein anderes Mal gewinnt er die Wette, in einer Stunde fünfzig gekochte Eier zu essen. Als Luke nach dem Tod seiner Mutter (Jo Van Fleet) präventiv in den Bunker gesteckt wird, um die Beerdigung nicht für einen Fluchtversuch zu nutzen, macht Luke den Wärter auf die Ungerechtigkeit aufmerksam. Kurz darauf unternimmt er seinen ersten Ausbruchsversuch, wird aber nach kurzer Zeit wieder eingefangen und erhält Fußketten. Trotzdem gelingt ihm ein zweiter Ausbruch.
Seine stille Unangepasstheit macht den Häftlingen den Alltag erträglicher. Luke wird zum Anführer wider Willen. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch entspinnt sich ein brutaler Machtkampf mit den Lagerverantwortlichen. Je stärker sie ihn zu brechen versuchen, desto unnachgiebiger reagiert er. Nicht nur der Captain (Strother Martin) muss einsehen, wie richtig er mit seiner anfänglichen Einschätzung lag…

Kritik:

Selten hat man einen so charismatischen Anti-Opportunisten auf der Leinwand gesehen wie Paul Newman in „Cool Hand Luke“. Zwar wurde Newman für seine Leistung für einen Oscar nominiert, doch nur George Kennedy wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Stuart Rosenbergs Film stellt zwar kein klassisches Gefängnisdrama dar, weil es in der weiten Landschaft irgendwo in den Südstaaten angelegt ist, aber auch im Arbeitslager werden Fluchtversuche hart bestraft bzw. schon im Vorfeld zu vereiteln versucht. Die meisten Männer haben sich mit dieser Situation abgefunden und folgen stets den strikten Anweisungen des Captains und seiner Aufseher. Paul Newmans Figur zählt nicht dazu. Es bleibt unklar, ob allein seine Kriegserfahrungen oder auch familiäre Probleme zu seinem eigenwilligen Verhalten geführt haben. Selbst die kurze Begegnung mit seiner sterbenskranken Mutter deutet nur an, dass es hier etwas im Argen gelegen haben muss. Es ist eine ebenso eindringliche Szene wie die für damalige Verhältnisse beachtlich aufreizende Autowasch-Räkelei der sehr weiblich geformten Joy Harmon vor den Augen der lüsternen Zwangsarbeiter oder das Verdrücken der fünfzig hartgekochten Eier. Zwar macht „Cool Hand Luke“ auch auf die menschenunwürdige Behandlung im Arbeitslager aufmerksam, doch im Mittelpunkt steht immer wieder der das System verachtende, nach eigenen Gesetzen lebende Cool Hand Luke, der sich von nichts und niemanden brechen lässt. 

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