Das 2005 veröffentlichte, autobiografische Romandebüt „The
Tender Bar“ des 2000 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete „Los Angeles
Times“-Korrespondenten J. R. Moehringer wurde zum internationalen
Bestseller und erregte damit offenbar auch das Interesse von Hollywood-Star George
Clooney, der sich seit den 2000er Jahren auch erfolgreich als Drehbuchautor,
Produzent und vor allem als Regisseur gemacht hat. Seine Adaption von Moehringers
Roman ist allerdings recht blutleer und sentimental ausgefallen.
Inhalt:
Da seine Mutter Dorothy (Lily Rabe) wieder einmal
nicht genug Geld verdienen kann, um JR Moehringer (Daniel Ranieri) und
sich selbst zu ernähren, zieht es sie in den 1970er Jahren mal wieder in das baufällige
Haus ihres unverschämten, wenn auch widerwillig unterstützenden Vaters (Christopher
Lloyd) zurück, in dem neben dessen Frau (Sondra James) auch neben
etlichen Cousinen JRs Onkel Charlie (Ben Affleck) lebt, der mit dem „The
Dickens“ eine nach dem berühmten britischen Schriftsteller benannte Bar
betreibt. Seinen Vater (Max Martini), der sich kurz nach JRs Geburt aus
dem Staub gemacht hat, kennt JR nur aus dem Radio als „Die Stimme“, und auch
wenn er den Jungen gelegentlich mal abholt, um mit ihm eine Runde zu drehen,
bleibt vor allem Charlie die prägendste Vaterfigur, gibt er ihm in der Bar doch
eine Art zuhause und versorgt ihn mit Ratschlägen für das Leben eines Mannes. Als
JR (nun: Tye Sheridan) erwachsen ist, geht der Traum seiner Mutter in
Erfüllung: Er wird in Yale angenommen, wo er mit Sydney (Briana Middleton)
seine erste große Liebe kennenlernt, doch die Tochter eines Architekten-Paars stößt
JR immer wieder mit der Offenbarung vor den Kopf, dass es da „einen Anderen“
gebe. Also versucht JR, sich eine eigene Identität zuzulegen und als Autor
Karriere zu machen…
Kritik:
Das autobiografische Romandebüt des ausgezeichneten
Korrespondenten (der übrigens als Ghostwriter u.a. auch die Autobiografien von Andre
Agassi, Phil Knight und Prinz Harry verfasst hat) J. R.
Moehringer faszinierte nicht nur als ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte,
sondern auch durch die Zeichnung so unterschiedlicher Charaktere wie Smelly,
Sooty, Joey D, No-Drip, Bob the Cop und Cager, die in der Bar mit ihren
Diskussionen um Baseballstars und Frauengeschichten wesentlich zur Erziehung
des vaterlos aufgewachsenen J. R. beigetragen haben (der in der Romanvorlage
und im Film ohne Pünktchen dargestellt wird), und vor allem durch Moehringers
bildhafte Sprache. Davon lässt Clooneys Film leider nicht viel spüren.
Natürlich geht bei der Kürzung eines 450 Seiten langen Buches auf 107
Filmminuten zwangsläufig viel verloren, aber er scheint, als hätte
Drehbuchautor William Monahan („Auftrag Rache“, „Königreich der
Himmel“) eher die Beziehung zwischen J. R. und seinem Onkel im Sinn, als
auf all die anderen Einflüsse auf die Entwicklung des Jungen einzugehen. Die
Beziehungen zu Sydney und selbst die zu seiner Mutter bleiben dabei sehr vage,
die zu den Stammgästen im „The Dickens“ völlig außen vorgelassen. Am Ende präsentiert
sich „The Tender Bar“ als nostalgische Coming-of-Age-Story ohne echte
Höhepunkte und dramatische Wendungen. Der schöne Look und der Soundtrack mit Songs
von Steely Dan, Jackson Browne, Paul Simon, Chic, Devo, Golden Earring
und King Harvest bilden letztlich die Höhepunkte in einem leider zu
belanglos erzählten Drama, in dem nicht mal der prominente Cast richtig punkten
kann.
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