Der Club der toten Dichter

Mit Filmen wie „Picknick am Valentinstag“ (1975), „Gallipoli“ (1981) und „Der einzige Zeuge“ (1985) hat sich der australische Filmemacher Peter Weir in die erste Riga internationaler Regisseure katapultiert. Das bewies er vor allem mit dem aufwühlenden Drama „Der Club der toten Dichter“ (1989) mit einem wieder überragenden Robin Williams in der Hauptrolle.

Inhalt:

Als Todd Anderson (Ethan Hawke) zu Beginn des Schuljahres 1959 an das erzkonservative Jungeninternat Welton Academy im US-Bundesstaat Vermont kommt, wird der schüchterne, in sich gekehrte Junge bereits bei der Eröffnungsrede despotischen Rektors Nolan (Norman Lloyd) auf die Leitideen von Welton eingeschworen: Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung. Zusammen mit den auf Linie getrimmten Lehrkörpern soll die Umsetzung dieser Maxime bei den Jungen zu beruflichem Erfolg führen und sie zur zukünftigen Elite machen. Ebenfalls neu an der Schule ist der Englischlehrer John Keating (Robin Williams), selbst einst Schüler der Welton Academy. Sein Unterricht verblüfft die Schüler schon in der ersten Stunde. Mit unkonventionellen Methoden fordert der Lehrer sie zu selbstständigem Handeln und freiem Denken auf. Da ihm die Förderung der Individualität seiner Schüler sehr wichtig ist, ermutigt er sie immer wieder, sich mehr zuzutrauen und ihre Möglichkeiten auszuloten.
Die Schüler sind absolut fasziniert von Keating, so dass sie schon bald beginnen, Nachforschungen über ihn und seine Zeit in Welton anzustellen. In einem alten Jahrbuch finden sie heraus, dass Keating während seiner Zeit im Internat Mitglied im „Club der toten Dichter“ war. Bei nächster Gelegenheit darauf angesprochen, erklärt Keating, worum es in diesem Club ging: Man traf sich im Geheimen in einer Höhle im Wald zur Würdigung leidenschaftlicher Poesie. Angeführt von dem besonders begeisterten Schüler Neil Perry (Robert Sean Leonard) beschließt ein Freundeskreis, zu dem neben dem Neuling Todd auch Knox Overstreet (Josh Charles), Richard Cameron (Dylan Kussman), Stephen Meeks (Allelon Ruggiero), Gerard Pitts (James Waterston) und Charlie Dalton (Gale Hansen) zählen, den Club wieder ins Leben zu rufen. Sie schleichen sich nachts vom Gelände, treffen sich in der besagten Höhle, tragen einander Gedichte vor und genießen die Gemeinschaft jenseits der engen Mauern und starren Regeln der Schule. Zur Eröffnung jeder „Sitzung“ des Clubs wird traditionell, wie schon zu Keatings Zeiten, als Ritual ein Auszug aus Thoreaus „Walden“ von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.
Auf Keatings Ermutigung, das Leben selbst in die Hand zu nehmen, entdeckt der Schüler Neil Perry seine Leidenschaft fürs Theaterspiel, womit er sich jedoch seinem Vater widersetzt, der Neils Leben bereits fertig geplant hat. In einer örtlichen Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ erhält Neil die Rolle des Puck und spielt sie mit großem Erfolg. Doch gleich nach der Aufführung zerrt sein Vater ihn nach Hause und kündigt ihm an, ihn am nächsten Tag von der Schule zu nehmen und auf eine Militärakademie zu schicken. Seinen Einfluss macht Mr. Perry auch bei der Internatsleitung geltend, der ohnehin schon Keatings unkonventionelle Lehrmethoden ein Dorn im Auge ist. Derweil versucht Knox, die wunderbare Ginny Danburry (Alexandra Powers) dem Football-Star der Stadt auszuspannen…

Kritik:

„Ich ging in die Wälder, denn ich wollte wohl überlegt leben. Intensiv leben wollte ich, das Mark des Lebens in mich aufsaugen, um alles auszurotten, was nicht lebend war. Damit ich nicht in der Todesstunde inne würde, dass ich gar nicht gelebt hatte.“ Diese Zeilen aus Henry David Thoreaus (1817–1862) Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ steht als Leitspruch für Peter Weirs „Der Club der toten Dichter“, der wunderbar aufzeigt, wie schwierig es ist, sich mit einer eigenen Persönlichkeit von der Masse abzuheben und ein Leben ganz nach seiner eigenen Bestimmung zu führen. Dabei bietet das Drama alles auf, was zur intellektuellen wie seelischen Ertüchtigung notwendig ist. Das fängt mit dem restriktiven, rückwärtsgewandten Internat an, das alles versucht, um die jungen Männer nach konservativen Werten und Tugenden zu formen, und Abweichungen von der Norm hart bestraft. Es genügt ein aufmerksamer, engagierter Freigeist im Lehrkörper, um die starren Bahnen des Lehrstoffs aufzubrechen und das individuelle Potenzial seiner Schüler freizulegen und zu fördern. Das gelingt bei den selbstbewussten Neil und Knox nahezu augenblicklich, bei dem schüchternen Todd braucht es schon stete Ermunterung, bis auch er aus dem Schatten seines Bruders, der zu den besten Absolventen von Welton gehört, heraustreten und für sich selbst sprechen kann. Das Oscar-prämierte Drehbuch von Tom Schulman wartet mit einer Menge stimulierender Gedichte der großen Romantiker auf, lässt den „Club der toten Dichter“ zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden und darf als Plädoyer für eine Ausbildung jenseits konventioneller Lehranstalten verstanden werden, um die Persönlichkeit zu formen. Auch wenn hier etwas oberflächlich in Schweißweiß-Kategorien gedacht wird, fasziniert Weirs Drama als Hommage an die großen romantischen Dichter und die Kraft der Poesie. Das ist wunderbar fotografiert und adäquat mit dem fesselnden Score von Maurice Jarre („Fearless – Jenseits der Angst“, „Lawrence von Arabien“) untermalt, aber auch großartig von Robin Williams, Ethan Hawke und Robert Sean Leonard gespielt.

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