Das rote Zelt

Der italienische Luftschiffpionier Umberto Nobile (1885–1978) versuchte im Jahr 1928, als erster Mensch mit einem Luftschiff den Nordpol zu erreichen und dort zu landen. Zwar erreichte die „Italia“ den Nordpol, stürzte auf dem Rückflug bei schlechtem Wetter aber über Spitzbergen ab. Die Überlebenden schlugen in der Eiswüste ein rotes Zelt auf, um von den Rettungskräften leichter erkannt zu werden. Die italienisch-russische Co-Produktion „Das rote Zelt“ (1969) verarbeitete diese Begebenheiten unter der Regie von Mikhail Kalatozov („Die Kraniche ziehen“, „Ich bin Kuba“) mit internationalem Staraufgebot, zu dem neben Peter Finch, Sean Connery und Claudia Cardinale auch Hardy Krüger und Mario Adorf zählen.

 

Inhalt:

Unter schwierigsten Wetterbedingungen erreicht der italienische Luftschiffpionier Umberto Nobile (Peter Finch) im Mai 1928 mit dem Luftschiff „Italia“ und seiner Besatzung zwar wie geplant den Nordpol, doch eine Landung wagt er nicht, so dass er nach dem Abwerfen der italienischen Flagge die Rückkehr anordnet. Doch der gefrorene Nebel macht das Schiff in kurzer Zeit so schwer, dass eine Bruchlandung nicht mehr verhindert werden kann. Dabei wird die Kanzel abgerissen, während die Hülle mit einigen Männern davongetrieben wird.
Die Überlebenden aus der abgerissenen Kanzel retten sich in ein Mannschaftszelt, das sie rot anstreichen, um für Retter aus der Luft besser sichtbar zu sein. Ein erlegter Eisbär sorgt für Nahrung. Doch die Rettungsaktionen gestalten sich wegen des Wetters sehr schwierig, zusätzlich ausgebremst durch einen feigen Kommandanten Romagna (Massimo Girotti) in Kongsfjord, dem Ausgangspunkt der Expedition, der sich vor Entscheidungen drückt und alles an seine Vorgesetzten in Rom delegiert.
Dem Funker Giuseppe Biagi (Maria Adorf) gelingt es, ein Ersatzfunkgerät aus dem Gepäck zu reparieren und damit Notrufe zu senden, die schließlich von einem russischen Amateurfunker aufgefangen werden. Der russische Eisbrecher Krasin macht sich auf den Weg zu den übermittelten Koordinaten, bleibt jedoch fünfzig Meilen vor dem Ziel mit einem Schraubenschaden liegen.
In Kongsfjord drängt die Krankenschwester Valeria (Claudia Cardinale) den verwegenen Piloten Einar Lundborg (Hardy Krüger) zu Suchflügen und fordert später auch den Arktispionier Roald Amundsen (Sean Connery) dazu auf. Amundsen lehnt zunächst ab, tut ihr aber doch den Gefallen. Allerdings verunglückt auch sein Flugzeug am Wrack der Luftschiffhülle…

Kritik:

Mit einem imposanten Star-Aufgebot vor und hinter der Kamera – u.a. durfte Ennio Morricone die Musik zu dem zweieinhalbstündigen Historiendrama beisteuern, das für den internationalen Vertrieb auf zwei Stunden gekürzt worden ist – wollte die russische Filmindustrie beweisen, dass auch sie interessante Großproduktionen zu meistern versteht. Immerhin erhielt „Das rote Zelt“ 1972 eine Nominierung für den Golden Globe in der Kategorie Bester ausländischer Film in englischer Sprache.
Interessant bei der Umsetzung ist vor allem die Rahmenhandlung. Da schreckt viele Jahre nach dem Unglück der alternde Nobile im Schlaf hoch, weil die Geister der Vergangenheit ihn nicht loslassen über sein Verhalten zu Gericht halten. Erst im Verlauf der erinnerten Ereignisse wird deutlich, dass einige der Jury-Mitglieder nicht mehr leben. Im Zentrum steht jedoch das Unglück des Luftschiff-Absturzes und der Wettlauf mit der Zeit. Während die Flugzeugaufklärung und die Fahrt des Eisbrechers durch die schlechten Witterungsbedingungen ausgebremst werden, setzt den Überlebenden die Kälte und der Mangel an Nahrung zu. Vor allem der Überlebenskampf im ewigen Eis mit den durch Temperaturschwankungen hervorgerufenen Rissen sind grandios in Szene gesetzt worden, während die Darsteller kaum an ihre schauspielerischen Grenzen gehen müssen. Das trifft vor allem auf Sean Connery zu, der wie ein Geist durch die Szenerie wandelt. Es sind nach wie vor die atemberaubende Kulisse und die reizende Claudia Cardinale, die „Das rote Zelt“ auch heute noch zu einem sehenswerten Drama machen.

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