In den 1960er Jahren galt die modelnde Sängerin Marianne
Faithfull vor allem als Muse der Rolling Stones, war mit Mick Jagger
liiert, schrieb und sang sogar deren Songs „As Tears Go By“ und „Sister
Morphine“, die sie auch bei ihren eigenen Konzerten im Repertoire hatte. Als
Schauspielerin machte sie vor allem als Geliebte von Alain Delon in dem Drama
„Nackt unter Leder“ (1968) eine gute Figur – ohne aber schauspielerisch
zu glänzen.
Inhalt:
Die frisch verheiratete Rebecca (Marianne Faithfull) erwacht
früh morgens nach wirren Träumen neben ihrem Ehemann, dem biederen Lehrer
Raymond (Roger Mutton), und beschließt, von ihrem Wohnort im Elsass nach Heidelberg zu
Daniel (Alain Delon), ihrem ebenfalls lehrenden Geliebten, zu fahren.
Ohne Raymond zu wecken, streift sie sich nackt einen hautengen Motorradanzug
aus schwarzem Leder über, steigt auf ihr Motorrad, eine Harley Electra
Glide, das Daniel ihr zur Hochzeit geschenkt hat, und fährt los. Auf der Fahrt
erinnert sie sich, wie sie Daniel im Buchladen ihres Vaters kennenlernt. Obwohl
er weiß, dass sie verlobt ist, beginnt er eine Affäre mit Rebecca und bringt
ihr das Motorradfahren bei. Als sie zur Hochzeit mit Daniels kostbarem Geschenk
konfrontiert wird, rät ihr Vater entschieden davon ab, es anzunehmen, während der
ahnungslose Raymond meint, sie solle es behalten, wenn es sie glücklich mache. Also
besucht sie mit dem Motorrad immer wieder Daniel in Heidelberg. Auf einer Fahrt
zurück nach Hause entscheidet sie auf halber Strecke, dass sie bei ihrem
Liebhaber bleiben will und dreht wieder um…
Kritik:
Der britische Kameramann Jack Cardiff („Die
schwarze Narzisse“, „African Queen“) hat nur wenige Ausflüge ins Regiefach
unternommen. Die Verfilmung von André Pieyre de Mandiargues‘ (1909-1991)
äußerst schlüpfrigen Roman „La motocyclette“ ist heute auch eher wegen
der freizügigen Szenen zwischen Alain Delon und Marianne Faithfull
als wegen der Story in Erinnerung geblieben. Wenn Marianne Faithfull zu
Beginn nach aufwühlenden Träumen nackt aus dem Ehebett schleicht, um nackt in
einen schwarzen Lederoverall zu schlüpfen, ist auch schon einer der Höhepunkte
des Films im Kasten. Was folgt, ist ein Road Movie mit den Fahrten, die Rebecca
zwischen Elsass und Heidelberg unternimmt, wobei sie mit ihrer Stimme aus dem
Off die Beziehungen zu Raymond und Daniel Revue passieren lässt. Im Mittelpunkt
stehen immer wieder die Liebesszenen mit Daniel, die Cardiff in psychedelischen
Negativ-Bildern einfängt. Zu den Bildern ihrer verschwitzten Leiber gibt es
auch noch romantische Sonnenuntergänge aus dem Fenster ihres Hotelzimmers zu
sehen, aber wirklich nahe kommen wir den Figuren nie. Schauspielerisch sind
weder Alain Delon („Der Clan der Sizilianer“, „Der eiskalte Engel“)
und Marianne Faithfull („Lucifer Rising“, „Intimacy“) gefordert.
Ihre schön anzusehenden Körper sind alles, was „Nackt unter Leder“
letztlich auszeichnet.
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