The Purple of Cairo

Bevor Woody Allen 1987 mit „Radio Days“ den Anfangstagen des Radios huldigte, hatte er 1985 mit „The Purple Rose of Cairo“ einem ihm von Natur aus näherstehendem Medium seine Referenz erwiesen – dem Kino. So wie in „Radio Days“ das Radio die Menschen versammelte, wo sie dem tristen Alltag entfliehen und ihre Fantasie stimulieren konnten, präsentiert Allen in „The Purple of Cairo“ das Kino vor allem als Projektionsfläche für die eigenen Sehnsüchte, aber ebenfalls als Fluchtmöglichkeit vor der erdrückenden Wirklichkeit.

Inhalt:

Während ihr Mann Monk (Danny Aiello) zwei Jahre nach der Schließung der Fabrik in New Jersey während der Depression noch immer keine neue Arbeit gefunden hat und seine Zeit mit Spielen, Trinken und anderen Frauen verbringt, muss Cecilia (Mia Farrow) nicht nur allein für den Lebensunterhalt aufkommen, indem sie mit ihrer Schwester (Stephanie Farrow) als Kellnerin in einem Diner arbeitet und für andere die Wäsche macht, sondern auch noch die Beleidigungen und Schläge ihres Mannes ertragen. So ist sie Stammgast im örtlichen Kino, wo sie sich Filme auch mehrmals ansieht, bis sie die Dialoge mitsprechen kann. Aktuell verfolgt sie zum wiederholten Male, wie Hollywoodstar Gil Shepherd (Jeff Daniels) als draufgängerischer Abenteurer Tom Baxter in dem Film „The Purple Rose of Cairo“ von wohlhabenden Touristen nach Manhattan eingeladen wird und sich von den Annehmlichkeiten des Lebens in der Großstadt berauschen lässt. Als Cecilia wieder einmal das Kino besucht, scheint Tom Baxters Blick von der Leinwand bei ihr zu verweilen, und kaum hat sich Cecilia vergewissert, dass sein Blick tatsächlich ihr gilt, steigt Tom zu ihrem großen Erstaunen aus der Leinwand in die reale Welt. Mit seiner charmanten Art, die seiner Rolle gerecht wird, erobert Tom sofort Cecilias Herz, doch sowohl bei dem im Film verbliebenen Ensemble als auch bei den Produzenten in Hollywood schrillen die Alarmglocken. Die Schauspieler wissen nicht, wie sie die Geschichte ohne Tom fortführen sollen. Das Publikum ist teilweise entsetzt und will sein Eintrittsgeld zurück, teilweise von dem allgemeinen Überraschungsmoment total beglückt. Raoul Hirsch (Alexander H. Cohen), der Produzent von „The Purple Rose of Cairo“, und sein Anwalt (John Rothman) haben eher Sorge, dass die Tom Baxters in anderen Kopien des Films dem Beispiel in New Jersey folgen könnten. Zusammen mit Gil Shepherd machen sie sich auf nach New Jersey, um Tom Baxter zu suchen und davon zu überzeugen, dass er wieder in den Film zurückgeht. Als Shepherd Cecilia begegnet, ist er ebenso wie Tom Feuer und Flamme für sie…

Kritik:

Oft genug in der Vergangenheit hat sich Woody Allen in seinen Filmen vor allem mit sich selbst und seinen Neurosen beschäftigt, doch besonders einfühlsam und intelligent erweist sich der Autorenfilmer, wenn er Fantasie und Realität miteinander verschmilzt. Dafür ist „The Purple Rose of Cairo“ ein besonders gelungenes Beispiel. Allen genügen nur wenige Szenen, um zu beschreiben, wie unglücklich Cecilia mit ihrem Leben ist. Ungeliebt von einem trinksüchtigen, gemeinen und faulen Ehemann, flieht sie Tag für Tag ins Kino, um sich in die romantischen Abenteuer auf der Leinwand einzufühlen und den tristen Alltag zu vergessen. Aus der einfachen Vorstellung, einen Schauspieler von der Leinwand ins reale Leben treten zu lassen, entwickelt Allen eine intelligente Reflexion über das Verhältnis von Traum und Realität, Schein und Sein, Liebe und die Vorstellung von Liebe. Indem die gewohnten Abläufe durch Tom Baxters Freiheitsdrang gestört werden, sehen sich Baxters Kollegen, seine Arbeitgeber, die Zuschauer und Cecilia vor interessanten Herausforderungen.
Indem er die romantische Beziehung zwischen der passionierten Kinogängerin Cecilia und dem Schauspieler Gil Shepherd bzw. seinem Rollencharakter Tom Baxter in den Vordergrund stellt, arbeitet Woody Allen die schmale Gratwanderung zwischen dem echten Leben und der fiktionalen Welt auf der Leinwand auf ebenso amüsante wie reflektierende Weise heraus. Das funktioniert umso besser, als dass Mia Farrow und Jeff Daniels wunderbar miteinander harmonieren.

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