Ein Offizier und Gentleman

In den 1980er Jahren nahm Richard Geres Karriere so richtig an Fahrt auf. Glänzte er bereits 1978 in Terrence Malicks Südstaaten-Melodram „In der Glut des Südens“, avancierte er als Luxus-Callboy in Paul Schraders „Ein Mann für gewisse Stunden“ 1980 zum Sexsymbol. In Taylor Hackfords Militär-Romanze „Ein Offizier und Gentleman“ (1982) durfte Gere einmal mehr mit den Eroberer weiblicher Herzen verkörpern.

Inhalt:

Nach dem Tod seiner Mutter wuchs Zack Mayo (Richard Gere) bei seinem Vater Byron (Robert Loggia) auf dem US-Navy-Stützpunkt in Manilas Rotlichtviertel auf, doch der heruntergekommene, herumhurende und stets alkoholisierte Unteroffizier kümmerte sich kaum um seine Vaterrolle, verbrachte die meiste Zeit auf See und ließ den Jungen weitgehend auf der Straße aufwachsen. Als Zack als Erwachsener endlich auf eigenen Füßen stehen könnte, will er vor allem das von Alkohol und Prostituierten geprägte Leben, das er mit seinem Vater führte, hinter sich lassen und meldet sich als Offizieranwärter bei der US Navy mit dem Ziel, an der Fliegerschule sein Offizierspatent zu machen und später Kampfjets zu fliegen. In der Marinebasis, in der die Grundausbildung vor der eigentlichen Pilotenausbildung stattfindet, werden die Neuankömmlinge von Ausbildungsleiter Gunnery Sergeant Emil Foley (Louis Gossett Jr.) in Empfang genommen. Dieser begegnet den Offizieranwärtern von Anfang an nicht nur mit großer Härte, um diejenigen auszusortieren, die sich nicht für die teure Pilotenausbildung eignen, sondern warnt sie auch vor den Arbeiterinnen der nahen Papierfabrik, die sich am Wochenende an die jungen Anwärter heranmachen, um als Ehefrau eines Offiziers ihrem trostlosen Leben entkommen zu können. Mayo freundet sich mit seinem Kameraden Sid (David Keith) an, und bei einer Navy-Tanzveranstaltung lernen sie die Papierfabrikarbeiterinnen Paula (Debra Winger) und Lynette (Lisa Blount) kennen, mit denen sie die Wochenenden verbringen. Bei der Ausbildung kommt Mayo gut voran, doch mit seinem egoistischen Benehmen und seiner aalglatten Art macht er sich nicht viele Freunde. Als Foley ihn auch noch beim Handel mit Militärausrüstung erwischt, will er den Rekruten mit harten Maßnahmen am Wochenende dazu bringen, die Ausbildung abzubrechen. Doch Mayo übersteht die Tortur und beginnt außerdem, sich für seine Kameraden einzusetzen, vor allem für Casey Seeger (Lisa Eilbacher), die zwar in allen Disziplinen gut mithält, auf dem Hindernisparcours aber nie über die Hinderniswand geklettert kommt. Zum Ende der Ausbildung hin müssen sich Mayo und Sid allerdings darüber klar werden, wie sie die Beziehungen zu Paula und Lynette am besten beenden…

Kritik:

Auch wenn Ausbildungsleiter Gunnery Sergeant Emil Foley gleich zu Beginn harte Töne anschlägt, die im Nachhinein Erinnerungen an Stanley Kubricks 1987 inszenierten Klassiker „Full Metal Jacket“ aufkommen lassen, bildet die harte militärische Ausbildung der Offiziersanwärter nur den Rahmen für die Entwicklung, die vor allem Zack Mayo durchmacht und das Zentrum des Films von Taylor Hackford („Gegen jede Chance“, „Im Auftrag des Teufels“) bildet. Bereits die Erinnerungen des erwachsenen Zack Mayo an seine unliebsame Kindheit machen schon zu Beginn deutlich, dass hier ein Mann mit seiner Vergangenheit brechen und ein verantwortungsbewusstes Leben führen will. Dass er dabei ausgerechnet wie sein ungeliebter Vater eine militärische Laufbahn einschlägt, wirkt zunächst wenig schlüssig, doch zeigt Mayo von Beginn an mehr Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, als es sein Vater je auch nur im Ansatz verfolgt haben dürfte. Hackford verzichtet auch weitgehend auf den oft unmenschlich erscheinenden militärischen Drill und konzentriert sich fortan vielmehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Da entwickelt der zunächst egoistische wie zielstrebige Mayo durch die Beziehung zu Paula eine hilfsbereite, empathische Seite seinen Kamerad:innen gegenüber, aber auch die Beziehung zu Paula erreicht eine Tiefe, die er nicht für möglich gehalten hätte. Natürlich sorgt eine dramatische Wendung für die obligatorische Katharsis, so dass „Ein Offizier und Gentleman“ letztlich eine adrett inszenierte Feel-Good-Romanze vor ungewöhnlichem Hintergrund mit schönen Menschen und coolem Soundtrack geworden ist.

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