Die Sensationsreporterin

Seit Sydney Pollack 1965 mit seinem hochkarätig (Sidney Poitier, Anne Bancroft, Telly Savalas) besetzen Drama „The Slender Thread“ (dt. „Stimme am Telefon“) ein großartiges Kinodebüt vorgelegt hatte, bewies der Schauspieler, Produzent und Regisseur in unterschiedlichen Genres seine Meisterschaft. Nach etlichen Filmen, die er mit Robert Redford gedreht hatte („Dieses Mädchen ist für alle“, „Jeremiah Johnson“, „So wie wir waren“, „Die drei Tage des Condor“, „Der elektrische Reiter“) überzeugte Pollack auch mit dem Drama „Die Sensationsreporterin“ (1981), das er mir Redfords Buddy Paul Newman in der Hauptrolle drehte.

Inhalt:

Die beim Miami Standard arbeitende 34-jährige Reporterin Megan Carter (Sally Field) bekommt nur per Zufall mit, dass das FBI eine Spur im Fall des vor einem halben Jahr verschwundenen Gewerkschaftsführers Joey Diaz verfolgt. Als sie den zuständigen Bezirksstaatsanwalt Elliot Rosen (Bob Balaban) dazu befragen will, gibt er sich offiziell zwar ausweichend, ermöglicht ihr aber einen Blick in die Ermittlungsakte. Demnach wird gegen den Spirituosenhändler Michael Gallagher (Paul Newman), dessen Vater Alkoholschmuggler war und Verbindungen zur örtlichen Mafia unterhielt, ermittelt. Wie sich herausstellt, weiß auch Rosen, dass Gallagher ein unbescholtener Geschäftsmann ist, weshalb er die Reporterin unwissentlich für seine Zwecke einspannt, indem sie einen Gallagher diffamierenden Artikel lanciert. Die Gewerkschaft sorgt anschließend dafür, dass Gallaghers gewerkschaftlich organisierten Angestellten keinen Finger mehr rühren, womit er sein Geschäft ruiniert. Daraufhin tritt Gallagher die Flucht nach vorn an, trifft sich mit der Reporterin und geht sogar eine Beziehung mit ihr ein. Ihr kommen tatsächlich Zweifel an der Schuld des Mannes, worauf sie weitere Erkundigungen einzieht und schließlich mit Teresa Perrone (Melinda Dillon) auf eine langjährige Freundin Gallaghers trifft, die ihm ein Alibi verschaffen könnte, wegen ihrer katholischen Erziehung aber schweigt…

Kritik:

Alan J. Pakula inszenierte 1976 mit „Die Unbestechlichen“ noch ein Hohelied auf den Enthüllungs-Journalismus und die Bedeutung der Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein bei der Aufklärung des Watergate-Skandals, der Richard Nixon sein Amt als US-Präsident kostete. Sydney Pollack beleuchtet in seinem Drama nach einem Oscar-nominierten Drehbuch von Kurt Luedtke („Begegnung des Schicksals“, „Jenseits von Afrika“) dagegen die andere Seite journalistischer Arbeit. Dabei fokussiert er sich nicht nur auf die zunächst etwas zu ehrgeizig und gleichzeitig naiv wirkende Journalistin Megan Carter, die zudem zu sehr auf das Urteil ihres zuständigen Redakteurs McAdam (Josef Sommer) hört, wie sie ohne Absicherung ihrer Erkenntnisse und der ihr zugespielten Informationen weitreichende Artikel veröffentlicht, sondern stellt auch die in diesem Fall fatale Abhängigkeiten zwischen Strafvollzugsbehörden und Medien ins Zentrum der Story. Neben dem verschachtelten Plot, der Gallagher zu einem sich mit allen Mitteln wehrenden Opfer macht, gesellt sich eine etwas überflüssige Romanze zwischen den von Newman und Field verkörperten Figuren, doch mit dem erstklassigen Finale im Büro des übergeordneten Staatsanwalts James J. Wells (Wilford Brimley) bringt Pollack den Plot wieder ins rechte Lot.

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