1982 spielte Gérard Depardieu nach einem wahren
Kriminalfall in „Die Wiederkehr des Martin Guerre“ einen Mann, der
behauptet, der acht Jahre zuvor verschwundene Martin Guerre zu sein. Bei diesem
Vorfall aus der Mitte des 16. Jahrhunderts nahmen ihn sowohl die Ehefrau des
Martin Guerre als auch die Gemeinde in ihre Gemeinschaft auf. Gut zehn Jahre
später verlegte Jon Amiel („The Core – Der innere Kern“, „Copykill“)
mit „Sommersby“ die Geschichte in die amerikanischen Südstaaten nach dem
Sezessionskrieg.
Inhalt:
Nach dem Sezessionskrieg führt Laurel Sommersby (Jodie
Foster), die Ehefrau des seit sechs Jahren vermissten Soldaten John Robert
Sommersby, im Dorf Vine Hill in Tennessee mehr schlecht als recht die Landwirtschaft
ihrer Familie, wobei sie vom kriegsversehrten Nachbarn Orin Meecham (Bill
Pullman) unterstützt, aber vergeblich umworben wird. Eines Tages taucht der
Deserteur und steckbrieflich gesuchte Betrüger Horace Townsend (Richard Gere)
im Dorf auf. Er gibt sich als der vom Krieg heimkehrende Soldat John „Jack“
Sommersby aus. Er sieht dem jahrelang Vermissten so ähnlich und kennt die
Bewohner des Ortes und ihre Geschichte und Eigenheiten so gut, dass er sowohl
von den Dorfbewohnern als vor allem auch von Laurel als Jack Sommersby – wenn auch
bei einigen nach einigem Zögern - akzeptiert wird. Sein Ansehen wächst weiter,
als er bei einer Versammlung die Ortsbewohner davon überzeugen kann, es gemeinsam
mit dem Tabakanbau zu versuchen, wobei er Parzellen seines Landes verpachtet
und es später zum Verkauf anbietet, auch für die Schwarzen, sobald die Ernte Gewinn
eingebracht hat. Sommersby lässt die Habseligkeiten der Menschen
zusammentragen, damit er mit dem Verkaufserlös das Saatgut erwerben kann. Zwar
kommen vereinzelt auch Zweifel an Jacks Identität auf, doch als er mit dem
versprochenen Saatgut zurückkehrt, Laurel eine Tochter gebärt und die Ernte
nach einigen Rückschlägen ein voller Erfolg wird, denkt niemand mehr daran.
Doch kurz nach der Taufe erscheinen Bundesmarshals im Dorf und nehmen Jack
wegen einer Mordanklage fest…
Kritik:
Jon Amiel hat mit „Sommersby“ eine fast schon
klassische Südstaatenromanze inszeniert, die vor dem Hintergrund des überstandenen
Sezessionskrieges nicht nur die Rassendiskriminierung thematisiert, sondern
auch die Hoffnung der Menschen auf ein besseres Leben nach den mit dem Krieg einhergehenden
Entbehrungen. Das erklärt gleich zu Anfang, warum die Menschen in Vine Hill so begeistert
von Jacks wundersamer Rückkehr sind und jeden Zweifel außen vor lassen – bis auf
Orin, der natürlich ein sehr persönliches Interesse daran hat, dass Jack nicht
der ist, der er vorgibt zu sein. Während die Zuschauer bereits zu Beginn eine
Ahnung von Jacks wahrer Identität bekommt, dreht sich die Story vor allem darum,
wie der charismatische Jack vor allem seine Frau für sich gewinnt, die von dem
echten Jack nie so rücksichts-, respekt- und liebevoll behandelt worden ist. Jodie
Foster („Angeklagt“, „Nell“) verkörpert dabei ebenso überzeugend die
etwas schroffe, mit der Zeit aber immer zugänglichere Farmerin wie Richard
Gere („Ein Mann für gewisse Stunden“, „Ein Offizier und Gentleman“)
einen Betrüger, der durch das Leben mit Laurel und die Aufgabe, für die Bewohner
etwas Wohlstand zu erreichen, geläutert wird. Das ist nicht nur großartig gespielt,
sondern von Philippe Rousselot („Aus der Mitte entspringt ein Fluss“,
„Big Fish“) auch atmosphärisch dicht fotografiert und von Danny Elfman
(„Black Beauty“, „Zivilprozess“) zauberhaft vertont.
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