The Gambler – Spieler ohne Skrupel

Nach seinem Regiedebüt mit dem Drama „Sonnabendnacht und Sonntagmorgen“ (1960) erwies sich der aus der damaligen Tschechoslowakei stammende Filmemacher Karel Reisz auch mit seinen nachfolgenden Arbeiten wie „Griff aus dem Dunkel“ (1964), „Protest“ (1966) und „Isadora“ (1968) als versierter Vertreter seiner Zunft. 1974 inszenierte er mit „The Gambler – Spieler ohne Skrupel“ ein packendes Spieler-Drama mit James Caan („Der Pate“, „Der Einzelgänger“) in der Oscar-reifen Hauptrolle.

Inhalt:

Tagsüber versucht der New Yorker Professor Axel Freed (James Caan) seinen Studenten die Bedeutung der Weltliteratur zu vermitteln oder sich mit der jungen Billie (Lauren Hutton) zu vergnügen. Seine wahre Leidenschaft gilt allerdings dem Glücksspiel in jeder Form. Sein bevorzugtes Casino ist der private Club von Hips (Paul Sorvino), der Axel immer wieder an das Limit von 2.000 Dollar pro Einsatz erinnern muss. Am Ende eines desaströsen Abends mit einer andauernden Pechsträhne bei Roulette, Black Jack und Baccara steht Axel bei Hips bzw. dessen Chef mit 44.000 Dollar in der Kreide. Als er sich mit seinem Ford Mustang Cabriolet auf dem Weg zum College befindet, sieht er einige schwarze Jugendliche Basketball spielen und wettet um zwanzig Dollar, dass er gegen den Besten von ihnen gewinnt. Doch das Pech verfolgt ihn auch in dieser Situation. Verzweifelt wendet er sich an seine Mutter (Jacqueline Brookes), die ihm nach einigem Zögern 50.000 Dollar übergibt. Doch statt damit seine Schulden zu begleichen, platziert Alex bereits seine nächsten Wetten…

Kritik:

Das Drehbuchdebüt von James Toback („Bugsy“, „Tyson“) lässt sich nicht nur als Psychogramm einer zwanghaften Spielernatur lesen, sondern macht auf Problem oder Verständnis zwischen den Generationen aufmerksam. Während Alex‘ Onkel A. R. Lowenthal (Morris Carnovsky) sein Vermögen durch harte Arbeit erwirtschaftet hat und auch seine Mutter als Ärztin am Krankenhaus zu bescheidenem Wohlstand gekommen ist, will Axel selbst nichts mit diesen Gewissheiten zu tun haben. Er verfolgt eher den Ansatz des von ihm im Unterricht zitierten Dostojewski, der nicht bereit ist, die allgemeine Gewissheit der Gleichung 2 + 2 = 4 anzuerkennen, sondern viel eher daran interessiert ist, an eine Gleichung 2 + 2 = 5 zu glauben. Dazu bräuchte es nur die entsprechende Fantasie. Freed berauscht sich am Nervenkitzel und der Möglichkeit, das Risiko bis zur eigenen Vernichtung auszureizen. Selbst seiner Freundin bescheinigt er, dass sie die Gefährlichkeit seines Lebens lieben würde, auch die damit implizierte „Möglichkeit von Blut“.
„Spieler ohne Skrupel“ versucht gar nicht erst, die Gründe für Alex‘ zerstörerische Spielsucht zu ergründen, sondern nur den Rausch und den Nervenkitzel des Spielens auf der einen Seite und die dramatischen Folgen für Alex und seine (sogenannten) Freunde und Familie auszuloten. Das ist großartig gespielt und wunderbar von Victor J. Kemper („Hundstage“, „Coma“, „Der letzte Tycoon“) fotografiert. An diese atmosphärische Dichte kommt das 2014 von Rupert Wyatt mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle inszenierte Remake „The Gambler“ nicht heran. 

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