LBJ

Rob Reiner hat mit „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ und „Misery“ nicht nur zwei der besten Stephen-King-Adaptionen überhaupt realisiert, sondern auch mit so unterschiedlichen Filmen wie dem satirischen Märchen „Die Braut des Prinzen“ und der romantischen Komödie „Harry und Sally“ zwei Klassiker hinterlassen. 2016 wagte sich der im vergangenen Jahr mutmaßlich von seinem eigenen Sohn ermordete Filmemacher mit „LBJ“ an ein für ihn neues Genre, das biografische Politdrama.

Inhalt:

Lyndon Baines Johnson (Woody Harrelson), den seine Wegbegleiter nur LBJ nennen, ist ein passionierter und engagierter Politiker der Demokratischen Partei in den USA, hat aber nicht das charismatische und einnehmende Äußere wie der junge Senator John F. Kennedy (Jeffrey Donovan), der 1960 seiner statt zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten ernannt wird. Nichtsdestotrotz sichert der unterlegene Johnson dem jungen Kennedy zu, ihm im Wahlkampf zu unterstützen, was Kennedy dem versierten Politiker nach dem Wahlsieg dankt, indem er ihn 1961 zum Vizepräsidenten ernennt. Noch ehe Kennedy das umstrittene Bürgerrechtsgesetz, das Schluss machen sollte mit der Rassentrennung, durchbringen kann, wird er am 22.11.1963 in Dallas von einem Attentäter erschossen. Noch am selben Tag wird LBJ zu seinem Nachfolger vereidigt – womit die schwere Bürde des Amtes des Präsidenten der USA nun auf einmal auf seinen Schultern liegt. Dabei muss er entscheiden, ob er seiner eigenen Agenda folgt oder das Erbe von John F. Kennedy fortführen will…

Kritik:

Während sich sein seit jeher politisch sehr engagierter Kollege Oliver Stone („Salvador“, „Platoon“) sich mit Filmen wie „JFK – Tatort Dallas“, „Nixon“ und „W.“ mit dem Wirken populärerer US-Präsidenten auseinandersetzte, wählte Rob Reiner für seinen ersten Film in dieser Richtung eine ungewöhnliche Randfigur, nämlich den Übergangspräsidenten Lyndon Baines Johnson. Reiner und Debütdrehbuchautor Joey Hartstone präsentieren LBJ als äußerst engagierten Politiker der Demokraten, der nicht müde wird, Überzeugungsarbeit zu leisten, Abweichler auf Kurs zu bringen, alles in die Waagschale zu werfen, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Dass er nicht zum Präsidenten taugt, wird vor allem seiner fehlenden Ausstrahlung vor den Fernsehkameras zugeschrieben, seine Frau Lady Bird (Jennifer Jason Leigh) ist zudem davon überzeugt, dass ihr Mann zu viel Angst habe, vom Volk nicht geliebt zu werden. Als Johnson jedoch durch das tödliche Attentat auf Kennedy unvermittelt ins Amt katapultiert wird, arbeitet „LBJ“ sehr eindrucksvoll heraus, wie der neue Führer der freien Welt abwägt, inwieweit er weiterhin seine eigene Agenda verfolgen kann, ohne das Erbe seines Vorgängers zu verraten, der ihn erst ins Amt gebracht hat. Woody Harrelson („Natural Born Killers“, „True Detective“) verkörpert den 36. Präsidenten der USA stark maskiert, aber ebenso energisch wie zweifelnd. Allerdings verschenkt der Film viel von seinem Potenzial.
Statt einen Großteil der Amtszeit abzudecken, die LBJ als gewählter Präsident bis 1968 erlebte, konzentriert sich Reiners Film auf den Zeitraum zwischen 1960 und 1964 und klammert dabei aus, dass Johnson beispielsweise die Verantwortung für den enormen Verschleiß von Soldatenleben im Vietnamkrieg trägt. Immerhin wird deutlich, dass LBJ im Geist Kennedys den Weg für die Gleichberechtigung Schwarzer ebnete, doch für ein Portrait über einen von der Geschichte so übersehenen US-Präsidenten ist das etwas wenig.

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