Radio Days

Seine Karriere begann Woody Allen bekanntermaßen als Gagschreiber für Fernsehshows wie die „Ed Sullivan Show“ und die „Tonight Show“ sowie als Stand-up-Comedian, bevor er mit seinem Drehbuch zu „Was gibt’s Neues, Pussy?“ (1965) den Einstieg ins Filmgeschäft schaffte. Seine ersten Filme wie „Bananas“ und „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten…“ erwiesen sich noch als durch eine Rahmenhandlung zusammengehaltene Aneinanderreihung von Gags, bevor Allen seinen eigenen Stil fand. Sein 1987 entstandener Film „Radio Days“ huldigt den Anfängen des Radios aber wieder in Form von einzelnen Episoden.

Inhalt:

Der jüdische Junge Joe Needleman (Seth Green) wächst in späten 1930er und frühen 1940er Jahre im New Yorker Stadtteil Queens auf. Vor allem bei schlechtem Wetter vertreibt er sich wie seine Verwandten die Zeit vor dem Radio, wo sie sich vom tristen Alltag ablenken können. Hier hören sie den Klatsch über Prominente, Sportstars des Tages, Game-Shows oder Schnulzensänger behandeln, hier werden sie Zeuge von der realistischen Übertragung von H. G. Wells’Der Krieg der Welten“, und erfahren aus erster Hand von dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, vom Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Der ältere Joe (Woody Allen) erinnert sich aus dem Off aber auch an die Karriere von Radio-Star Sally White (Mia Farrow) und von Tante Beas (Dianne Wiest) meist erfolgloser Suche nach Liebe. Die tragische Geschichte um das kleine Mädchen Polly Phelps, die in der Nähe von Stroudsburg, Pennsylvania, in einen Brunnen gefallen ist, geht allen zu Herzen, denn sie zieht eine rege nationale Anteilnahme bei der verzweifelten Rettungsaktion nach sich. Des Weiteren hören zwei Einbrecher in der gerade von ihnen ausgeraubten Wohnung ein Telefon klingeln. Überrascht nimmt einer der Einbrecher das Telefonat an und gewinnt für den Besitzer der Wohnung ironischerweise eine neue Einrichtung, die den Wert des Diebesguts weit übersteigt…

Kritik:

Als Erzähler aus dem Off gibt Woody Allen gleich zu Beginn seiner Odyssee durch die glorreichen Tage des Radios offen zu, dass seine Erinnerungen nostalgisch gefärbt sind. Wenn die realistischen Bilder eines verregneten Nachmittags im New Yorker Stadtteil Queens den leuchtend hellen Farben im Wohnzimmer der Needlemans und den Theatersälen, aus denen die Publikumsshows übertragen werden, weichen, wird gleichsam der Schalter umgelegt von dem ärmlichen Dasein der jüdischen Familie (Joe erfährt erst zufällig, dass sein Vater seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdient) auf den Eskapismus, den Radio-Sendungen wie „Der maskierte Rächer“ anbieten. Zwar dienen dabei vor allem die Schicksale von Sally White, die durch eine Affäre mit einem verheirateten Radio-Moderator die Chance erhält, im Radio zumindest Werbungen einzusprechen, und Tante Bea als verbindendes Element, doch reiht Allen wie in früheren Zeiten vor allem einzelne, meist humorvolle Episoden aneinander, in denen deutlich wird, welche Bedeutung das Radiohören für große Teile der Bevölkerung – ungeachtet der Milieuzugehörigkeit – innehatte. Natürlich wird der unterhaltsame wie belanglose Reigen durch eine feine Auswahl an Songs – wie Glenn Millers „In the Mood“, Frank Sinatras „If You Are But a Dream“, „If I Didn’t Care“ von den Ink Spots oder Guy Lombardos „That Old Feeling“ - jener Zeit stimmungsvoll untermalt.

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