Die größte Geschichte aller Zeiten
Seit den 1950er Jahren versuchte Hollywood sich immer wieder
daran, historische Monumentalepen rund um den populären Bibelstoff auf die
große Leinwand zu bringen, von „Das Gewand“ (1953) über „Die zehn
Gebote“ (1956) bis zu „König der Könige“ (1960). Als Produzent,
Regisseur und Co-Autor George Stevens („Ein Platz an der Sonne“, „Giganten“)
1965 sein dreistündiges, 20 Millionen Dollar teures Epos „Die größte
Geschichte aller Zeiten“ mit großem Staraufgebot (Max von Sydow, Telly
Savalas, José Ferrer, Martin Landau, Sidney Poitier, John Wayne, Charlton Heston,
Donald Pleasance u.a.) in die Kinos brachte, sorgte er allerdings für den
bis dato größten Flop der Kinogeschichte.
Inhalt:
Als sich die Kunde von der Geburt des prophezeiten Messiahs
als neuer König von Israel in einem Stall in Betlehem bis zu Herodes (Claude
Rains), dem König von Judäa, vordringt, lässt er aus Furcht vor dem Verlust
seiner Macht vorsorglich alle neugeborenen Knaben Betlehems durch seine
Soldaten ermorden. Maria (Dorothy McGuire) und Joseph (Robert Loggia)
werden jedoch rechtzeitig gewarnt und fliehen mit ihrem Sohn nach Ägypten. Nach
Herodes’ Tod übernimmt dessen Sohn Herodes Antipas (José Ferrer) seinen
Thron, doch gelingt es ihm nicht, eine Rebellion des Volks niederzuschlagen, so
dass Judäa fortan unter die Ägide des römischen Gouverneurs Pontius Pilatus (Telly
Savalas) gestellt wird.
Als Jahre später Jesus Christus (Max von Sydow) in
seine Heimat zurückkehrt, begegnet er am Fluss Jordan Johannes dem Täufer (Charlton
Heston), von dem er sich taufen lässt, auch wenn der von ihm so beeindruckt
ist, dass er meint, an sich müsse Jesus ihn taufen. Auf dem Weg nach Hause
scharrt Jesus nicht nur etliche Jünger um sich, sondern predigt Gottes Wort, vollführt
Wunder, heilt Kranke, zieht die Verehrung vieler Menschen und den Zorn vieler
Priester und Pharisäer auf sich, bis er von Judas Iskariot (David McCallum)
verraten, festgenommen und wegen Gotteslästerung ans Kreuz genagelt wird…
Kritik:
Dass „Die größte Geschichte aller Zeiten“ zum finanziellen
Desaster geriet, dürfte vor allem dem Perfektionisten George Stevens geschuldet
gewesen sein, der sich nicht nur verschiedene Bibelübersetzungen zu Gemüte
führte, sondern auch um eine Audienz beim Papst ersuchte, um die Geschichte
rund um die Lebensgeschichte von Gottes Menschensohn so authentisch wie möglich
zu erzählen. Dafür verlängerte er die Produktionszeit von ursprünglich drei auf
neun Monate, wobei die Suche nach den geeigneten Locations ebenso viel Geld
verschlungen haben durfte (gedreht wurde schließlich in Utah - im Arches-Nationalpark
und in Moab -, außerdem in der Glen Canyon National Recreation Area um
den Lake Powell in den US-Bundesstaaten Utah und Arizona) wie die unzähligen
Komparsen und Stars, die oft nur in kleinsten Nebenrollen – wie John Wayne,
Angela Lansbury und Sidney Poitier – zu sehen sind. Stevens hält sich strikt
an die überlieferte Geschichte des Neuen Testaments von der Geburt Jesu bis zu
dessen Auferstehung. In der Hauptrolle überzeugt Max von Sydow in seinem
Hollywood-Debüt durch seine zurückhaltende Verkörperung des Heilands. Statt auf
Gewalt und Bombast setzte Stevens auf eine kohärente Inszenierung vor
beeindruckender Landschaft und der eindringlichen, aber ebenfalls angenehm
zurückgenommenen Musik von Alfred Newman, dessen Kompositionen von Georg
Friedrich Händels „Der Messias“ und Giuseppe Verdis „Messa
da Requiem“ ergänzt werden. Der eindrucksvolle Cast und die majestätischen
Bilder sorgen auch heute noch für großen Unterhaltungswert, auch wenn „Die
größte Geschichte aller Zeiten“ absolut nichts Neues erzählt.
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