Eigentlich ist Walter Hill vor allem als Regisseur
von Action- („Nur 48 Stunden“, „Red Heat“, „Last Man Standing“) und
Western-Filmen („Long Riders“, „Geronimo“, „Wild Bill“) bekannt, doch
Ende der 1990er Jahre versuchte er sich auch mal im Science-Fiction-Genre. Die
Produktion des im Jahr 2000 mit zweijähriger Verspätung in den Kinos gestarteten
„Supernova“ stand von Beginn an unter einem schlechten Stern und verheizte
gleich drei Regisseure: Walter Hill, Francis Ford Coppola und Jack
Sholder, wobei am Ende nur Hill unter dem Pseudonym Thomas Lee
in den Credits aufgeführt wurde…
Inhalt:
Zu Beginn des 22. Jahrhunderts empfängt das Rettungsschiff
Nightingale 229 den Notruf einer verlassenen Minenkolonie, was ungewöhnlich
genug ist, weil der Notruf direkt an das Rettungsschiff geschickt und nicht
über die Zentrale vermittelt wurde. Captain Marley (Robert Forster)
befiehlt seiner Crew - dennoch, dass die Nightingale diesem Ruf folgt und per Dimensionssprung
zu einem 4000 Lichtjahre entfernten Mond fliegt, um dort Hilfe zu leisten.
Aufgrund eines technischen Defektes wird der Kapitän dabei schwer verletzt und
stirbt. Die Nightingale wird von Asteroiden getroffen und verliert nahezu allen
Treibstoff. An Marleys Stelle tritt der jüngst zur Crew gestoßene Co-Pilot Nick
Vanzant (James Spader), der sich nach dem Sprung einem neuen Problem
gegenübersieht: In dem Ziel-Sonnensystem steht die Sonne davor, zu einer
Supernova zu werden und hat sich bereits in einen blauen Riesen verwandelt. Sie
nehmen einen jungen Mann namens Troy (Peter Facinelli) an Bord, der
behauptet, der Sohn von Karl James Larson zu sein, ein Mann, mit dem die
Schiffsärztin Dr. Kaela Evers (Angela Bassett) eine gemeinsame, offenbar
wenig erquickliche Vergangenheit teilt.
Doch der Besucher hat ein Artefakt an Bord geschmuggelt, das ihm
übermenschliche Kräfte verleiht und ebenso gut als Waffe eingesetzt werden
könnte. Nachdem die Besatzung das Artefakt entdeckt hat, schlägt Troy alias
Larson vor, dieses zur Erde zu bringen, dort zu verkaufen und die Besatzung an
dem Gewinn zu beteiligen. Vanzant lehnt es jedoch ab, das Artefakt auf die Erde
mitzunehmen, da sie nicht wissen, ob von dem Artefakt eine Gefahr ausgehe.
Daraufhin fliegt er mit dem Beiboot der Nightingale auf den Mond, um dort
weiteren Treibstoff zu bergen…
Kritik:
Es lässt sich im Nachhinein schwer sagen, was aus dem
ursprünglichen Drehbuch von William Malone („Freddy’s Nightmares: A Nightmare
on Elm Street – Die Serie“, „Haunted Hill“) geworden wäre, hätte er daraus
wie geplant einen Low-Budget-Science-Fiction-Film realisiert. Zunächst schmiss der
australische Regisseur Geoffrey Wright („Romper Stomper“) nach kreativen
Differenzen hin, und als Walter Hill an Bord kam, hatte er mit einer nun viel
zu kurzen Produktionsdauer, einem gekürzten Budget und zu frühen Testvorführungen
ohne Special Effects im Vorführfilm zu kämpfen. Am Ende drehte Jack Sholder
(„The Hidden – Das unsagbar Böse“) einige Szenen nach, tauschte die
Filmmusik von Burkhard Dallwitz gegen eine neue von David Williams aus, und der
große Francis Ford Coppola („Apocalypse Now“) ließ den fertigen
Film schließlich komplett neu schneiden. Am schicken bläulichen Look von „Supernova“
kann es nicht gelegen haben, dass der 60 Millionen Dollar teure Film nur etwas
mehr als 14 Millionen Dollar an den Kinokassen einspielte und zu einem
veritablen Flop wurde, auch nicht an der prominenten Besetzung. Doch die vertraut
klingende Geschichte mit Elementen aus Filmen wie „Alien“, „Event Horizon“, „Lost
In Space“ und „2001 – Eine Odyssee im Weltraum“ scheitert nicht nur
an der uninspirierten Geschichte, sondern vor allem an den leblosen
Darstellungen des Ensembles. Während James Spader („Stargate“, „Sex,
Lügen und Video“) von jeglicher Emotion befreit wie trunken durch die
Szenerie schreitet und Robin Tunney („End of Days“, „Vertical Limit“)
als sexbesessenes Dummchen allein die Vorzüge ihres nackten Körpers
präsentiert, haben auch Robert Forster („Jackie Brown“, „Mulholland
Drive“) und Angela Bassett („Strange Days“, „Black Panther“)
keine Chance, dem schwachen Drehbuch und ihren platten Figuren Bedeutung zu
verleihen. Wäre das alte Hollywood-Pseudonym Alan Smithee nicht 1999
begraben worden, wäre „Supernova“ ein klassischer Fall für dieses
Etikett. So musste sich Walter Hill mit Thomas Lee ein neues ausdenken…
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