Die Truman Show

Mit ungewöhnlichen Dramen wie „Picknick am Valentinstag“ (1975), „Die letzte Flut“ (1977), „Ein Jahr in der Hölle“ (1982), „Der einzige Zeuge“ (1985) und „Der Club der toten Dichter“ (1989) avancierte der australische Filmemacher Peter Weir auch in Hollywood zu einem begehrten Regisseur. Für sein 1998 inszeniertes Drama „Die Truman Show“ besetzte er ausgerechnet Blödel-Mime Jim Carrey („Die Maske“, „Dumm und Dümmer“) in der Hauptrolle einer durchaus nachdenklich stimmenden Mediensatire – und landete damit einen fulminanten Erfolg (zu dem auch drei Oscar-Nominierungen zählen).

Inhalt:

Jeden Morgen verabschiedet sich Truman Burbank (Jim Carrey) von seiner ebenso schönen wie liebenswerten Frau Meryl (Laura Linney), verlässt bester Laune das gerade erst erstandene Häuschen in dem malerischen Küstenstädtchen Seahaven und begrüßt freundlich die Nachbarn mit dem ewig gleichen Sprüchlein, bevor er mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz fährt, sich vorher am Kiosk mit den aktuellen Zeitungen eindeckt und seinem langweiligen, aber sicheren Job als Versicherungsagent nachgeht. Doch eines Morgens fällt ein Scheinwerfer vom Himmel auf die Straße und reißt Truman aus seinem vertrauten Alltag. Er beginnt immer vehementer, aus seiner gewohnten Welt ausbrechen zu wollen, wobei er einem geheimnisvollen Mädchen (Natascha McElhone) nachspioniert, das er vor Jahren kennengelernt hat und für das er immer noch Gefühle hegt. Truman weiß nicht, dass er seit seiner Geburt vor dreißig Jahren der Star der höchst erfolgreichen Serie „The Truman Show“ ist, in der er – unwissentlich – der Star ist und die von Christof (Ed Harris) produziert wird. Seine Frau, die immer wieder ausgewählte Produkte in die Kamera hält und anpreist (und mit dem Product Placement die Finanzierung der Show sicherstellt) ist ebenso eingeweiht wie Trumans bester Kumpel Marlon (Noah Emmerich). Während Truman vergeblich versucht, die Stadtgrenzen zu überqueren, wird er immer öfter Zeuge von mysteriösen Zufällen wie Regengüsse, die nur ihn treffen, oder Fahrstühle, hinter denen sich Menschen verbergen. Christof versucht natürlich, mit allen Mitteln Trumans Nachforschungen zu unterbinden, damit die Show wie gewohnt weiterlaufen kann…

Kritik:

Mit seinem Oscar-nominierten Drehbuch für „Die Truman Show“ geht Andrew Niccol („Gattaca“, „S1m0ne“) dem vor allem philosophisch interessanten Gedankengang nach, inwiefern wir wirklich sind, wer wir zu sein glauben, und wie real ist die Welt, in der wir leben. Was ist Konstrukt, was Wirklichkeit? „Die Truman Show“ ist allerdings alles andere als schwer verdauliche Gehirnkost. Zwar wird früh offenbart, dass Trumans Leben sich in aller Öffentlichkeit abspielt, wenn es 24 Stunden lang, siebe Tage die Woche von 5000 Kameras eingefangen und live in die Wohnstuben der Fernsehzuschauer übertragen wird, doch die Story ist ganz auf Truman abgestimmt und seine Wahrnehmung seiner Umgebung, seine Erinnerungen an den tragischen Tod seines Vaters, aber auch an die geheimnisvolle Schöne, die er auf den Fidschi-Inseln aufspüren will. Peter Weir verwebt Trumans Eindrücke aber immer wieder mit Szenen aus dem Kontrollraum des Studios, wo Christof und sein Team jederzeit gegensteuern können, wenn eine Sache aus dem Ruder zu laufen droht, Truman also mitbekommt, dass sein Leben nur das Konstrukt eines Fernsehproduzenten ist. Allzu tief steigt der Film aber nicht in die philosophische Betrachtung ein, sondern lässt Jim Carrey immer wieder die Möglichkeit, sein komisches Talent auszuspielen, ohne sich zum Affen zu machen. Interessant ist, wie echt seine Umgebung wirkt, so dass man als Zuschauer nicht umhinkommt, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn man selbst in einer konstruierten Welt aufwächst, und wie stark die eigene Identität überhaupt ausgeprägt sein kann, wenn die äußere Umgebung so manipulativ um einen herum errichtet worden ist. Peter Weir findet die richtige Balance zwischen Drama und Komödie, zwischen leichtem und nachdenklichem Ton, wobei Jim Carrey durch einen hervorragenden Cast ergänzt wird.

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