Buffalo '66

Der in Buffalo, New York, geborene Vincent Gallo fühlte sich seit jeher in ganz unterschiedlichen künstlerischen Gefilden heimisch, war als Musiker aktiv, modelte für Calvin Klein und Mustang und malte, in den 1990er begann seine Filmkarriere als Schauspieler in Filmen wie „GoodFellas“, „Am Ende einer Kindheit“, „Arizona Dream“ und „Das Geisterhaus“. 1998 legte er nach drei (dokumantarischen) Kurzfilmen mit „Buffalo '66“ auch sein Langfilm-Regiedebüt vor, das Koch Media jetzt erstmals auf Blu-ray veröffentlicht.
Nach fünf Jahren wird Billy Brown (Vincent Gallo) aus dem Gefängnis entlassen, wo er für ein Verbrechen eingesessen hat, das er nicht begangen hatte. Stattdessen konnte er seine Wettschulden bei einem Buchmacher nur aus der Welt schaffen, indem er die Schuld eines anderen auf sich nahm. Auf der Suche nach einer Toilette lernt Billy die Studentin Layla (Christina Ricci) kennen und entdeckt in ihr die passende Frau, um sie seinen Eltern vorzustellen, die nichts von seiner kriminellen Vergangenheit wissen.
Billy hat sie in seinen Briefen während seiner Inhaftierung glauben lassen, dass er beruflich so erfolgreich sei, dass er viel auf Reisen sei, und eine tolle Frau hätte. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen, kidnappt er Layla kurzerhand und fährt mit ihr in einem gestohlenen Wagen zu seinen Eltern, auf die Layla unbedingt einen guten Eindruck machen soll. Doch seine Mutter Jan (Anjelica Huston) ist eher damit beschäftigt, das Football-Spiel im Fernsehen zu verfolgen, während sein Vater Jimmy (Ben Gazzara) seine Schwiegertochter mit seiner Gesangskunst imponieren will. Dabei will sich Billy vor allem den Spieler vorknöpfen, der damals das entscheidende Field-Goal nicht gemacht hat und somit in Billys Augen für die verlorene Wette verantwortlich gewesen ist …
Vincent Gallos Regiedebüt, für das er auch das Drehbuch verfasst und in dem er die Hauptrolle übernommen hat, ist alles andere als eine typische Hollywood-Love-Story. Seine beiden (Anti-)Helden sind an den unteren Rändern der Gesellschaft gestrandet. Von ihrer Vergangenheit erfährt der Zuschauer nicht viel. Bereits die Filmeröffnung mutet seltsam an, wenn Billy etwas verunsichert das Gefängnis verlässt, immer wieder zurückblickt und in der winterlichen Kälte auf den letzten Bus wartet, der ihn in die Stadt bringt, wo er verzweifelt nach einer Toilette sucht und am Ende die Stepptanz-Schülerin Layla aufgabelt und entführt. Warum sie sich auf Billys Plan einlässt und sogar Gefallen an dem jungen Mann findet, der sich nicht berühren lassen möchte, bleibt ebenso unklar.
Gallo zeichnet seine Figur als einen von seinen Eltern vernachlässigten, vom Leben betrogenen Loser, über den seine Ex-Freundin Wendy (Rosanna Arquette) und sein Buchmacher (Mickey Rourke) nur lachen können. Interessant ist, wie sich Billy und Layla trotz ihrer enttäuschten Träume und Hoffnungen zueinander hingezogen fühlen und die Tortur bei Billys Eltern auf sich nehmen, wo Billy noch einmal deutlich vor Augen geführt wird, wie wenig sich seine Eltern für ihn interessieren. Besonders in der karg inszenierten Küchenszene wird die emotionale Distanz zwischen Billy und seine Eltern deutlich, die nur mühsam ihr Desinteresse an Billys Besuch verbergen können.
Über diesen Mikrokosmos hinaus geben aber auch die Außenaufnahmen keinen Grund zur Hoffnung auf ein besseres Leben. Billy und Layla sind nur in unwirtlichen Gegenden unterwegs, steigen in billigen Diners und Motels ab und haben letztlich nur sich selbst, um Liebe, Anerkennung und Geborgenheit zu finden. Dass Gallo diese hoffnungsvolle Wende im Finale auf eigenwillige Weise überzeugend hinbekommt, macht „Buffalo '66“ absolut sehenswert.
"Buffalo '66" in der IMDb

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