Django Unhained

Nachdem Quentin Tarantino immer wieder mal mehr oder weniger Italo-Western-Elemente in seine Filme eingestreut hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis er seiner Liebe zu diesem Genre einen eigenen Film widmete. „Django Unchained“ vereint in knapp über zweieinhalb Stunden nicht nur die typischen Tarantino-Ingredienzien, sondern entpuppt sich – wenig überraschend – als tiefe Verbeugung vor den Klassikern des Genres wie „Navajo Joe“, „Leichen pflastern seinen Weg“ und natürlich den titelgebenden „Django“-Film von Sergio Corbucci.
Seit der deutsche Zahnarzt Dr. King Schultz (Christoph Waltz)seinen Beruf aufgegeben hat, reist der wortgewandte und sehr überzeugende Mann erfolgreich als Kopfgeldjäger durch die Lande. Auf der Suche nach den berüchtigten Brüdern Big John (M.C. Gainey), Ellis (Tom Savini) und Roger Brittle (Cooper Huckabee) ist Schultz allerdings auf die Hilfe des Sklaven Django (Jamie Foxx) angewiesen, weil dieser weiß, wie die Brittle-Brüder aussehen. Wie könnte er auch die Gesichter der Männer vergessen, die nicht nur ihn selbst auspeitschten, sondern auch seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) misshandelten und vergewaltigten. Schultz verspricht dem Sklaven seine Freiheit, wenn er ihm hilft, die gesuchten Gangster auszuschalten. Schließlich erweist sich Django als so talentiert, dass Schultz ihn bis zum Ende des Winters zum Partner macht. Dann hilft der Deutsche ihm, Djangos Frau zu finden. Die Spur führt schließlich nach Candyland, zur Farm des Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), der aus purer Langeweile kräftige Schwarze auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen lässt. Unter dem Vorwand, einen seiner besten Kämpfer für einen lächerlich hohen Preis zu kaufen, erschleichen sich Schultz und Django Candies Gastfreundschaft. Doch dessen Mädchen für alles, der alternde Sklave Stephen (Samuel L. Jackson), lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen …
Bereits der Vorspann mit den antiquierten, leuchtend roten Schriftzügen und Luis Bacalovs klassischem „Django“-Titellied aus dem Jahre 1966 unterstreicht das nostalgische Flair, das Filmliebhaber Tarantino in seinem neuen Film atmen lässt, doch „Django Unchained“ wäre kein Tarantino-Film, wenn er nicht die retrospektiven Reminiszenzen mit ureigenen Akzenten verbinden würde. Kurz vor dem amerikanischen Bürgerkrieg angesiedelt, wird bei Tarantino vor allem die Sklaverei zum Spielball komödiantischer Einlagen. Wenn sich beispielsweise die Männer von Big Daddy Bennett (Don Johnson) darüber mokieren, dass die Augenschlitze in ihren weißen Kapuzen nicht adäquat ausgeschnitten und dabei fast vergessen, wozu sie sich eigentlich versammelt haben, ist das ebenso witzig wie die aufmüpfige Art von Candies Obersklaven Stephen, wenn dieser partout nicht verstehen will, dass sein Herr einen Nigger wie Django wie einen Edelmann behandelt.
Die Story wirkt zugegebenermaßen nicht immer wie aus einem Guss, doch über die Holprigkeiten helfen vor allem die grandios aufspielenden Darsteller hinweg, allen voran Oscar-Gewinner Christopher Waltz, der nach seiner beeindruckenden Performance in Tarantinos „Inglourious Basterds“ auch hier mit sichtlicher Freude und Sprachwitz, den ihm Tarantino auf den Leib geschrieben hat. An seiner Seite brilliert Jamie Foxx („Collateral“) als ehemaliger Sklave, der seinen neuen Status als freier Mann mit großem Selbstbewusstsein und tödlicher Coolness zur Schau stellt. Leonardo DiCaprio („Shutter Island“, „Departed“) überzeugt ebenso als selbstherrlicher Plantagenbesitzer wie Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) als dessen giftig pöbelnde Adlatus Stephen und die prominent besetzten Nebenrollen (wie Don Johnson, James Remar und Franco Nero in einem Cameo-Auftritt).
Tarantino beschert seinen Fans eine turbulente Western-Oper, in der bei den Schießereien unverschämt viel Blut fließt, vor allem bei dem grotesk überzeichneten Showdown, wo kein Fleck blutfrei bleibt. Dazu gibt es wieder einen Soundtrack, der Klassiker des Spaghetti-Westerns aus der Feder von Ennio Morricone, Luis Bacalov und Riz Ortolani ebenso vereint wie exklusiv für den Soundtrack aufgenommene Songs von Jamie Foxx mit Rick Ross („100 Black Coffins“), „Who Did That To You?“ von John Legend sowie „Freedom“ von Anthony Hamilton und Elayna Boynton.
Alles in allem bietet „Django Unchained“ die volle Tarantino-Power mit hohem Blei- und Blutgehalt, aber ebenso viel Witz und sehenswerten Darsteller-Leistungen.
"Django Unchained" in der IMDb

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