The Cop - Crime Scene Paris

Seit seinem internationalen Durchbruch als einsamer wie fürsorglicher Serienkiller in Luc Bessons „Léon - Der Profi“ (1994) war Jean Reno in den Folgejahren in so illustren Großproduktionen wie John Frankenheimers Gangster-Epos „Ronin“(1998), in dem Psycho-Thriller „Die purpurnen Flüsse“ (2000) und Ron Howards „The Da Vinci Code“ (2006) zu sehen. In den letzten Jahren ist es allerdings etwas ruhiger um den im marokkanischen Casablanca geborenen Spanier geworden, der seit seinem siebzehnten Lebensjahr in Frankreich aufgewachsen ist. Mit der vom deutschen Sender SAT 1 co-produzierten Cop-Serie „The Cop – Crime Scene Paris“ hat sich Reno dem deutschen Publikum wieder ins Rampenlicht gespielt. Allerdings wurde die Serie, die direkt nach der Ausstrahlung der acht Folgen von StudioCanal auf DVD/Blu-ray veröffentlicht worden ist, schon wieder eingestellt.
Mit seinem ausgeprägten Gespür für die wegweisenden Indizien und Beweise ist Jo Saint-Clair (Jean Reno) zu einem der erfolgreichsten Ermittler bei der Pariser Mordkommission geworden. Doch der Sohn einer Prostituierten, die ihrem Kind einfach den Namen der Straße verpasste, in der es geboren wurde, hat sich durch Alkohol und Tabletten gesundheitlich ruiniert und von seiner Tochter Adèle (Heida Reed) völlig entfremdet. Jos attraktive Vorgesetzte und Vertraute Béatrice Dormont (Orla Brady) hat bei Jos unorthodoxem Vorgehen immer wieder Probleme, ihrem besten Ermittler den Rücken freizuhalten. Doch die Erfolge, die Jo mit seinem jungen und engagierten Partner Marc Bayard (Tom Austen) bei den schwierigen Mordfällen aufweisen kann, halten ihn ebenso in der Spur wie die feste Absicht, seine Sucht zu bekämpfen und mit Hilfe der unorthodoxen Nonne Karyn (Jill Hennessy) wieder eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen. Die Serie ist so konzipiert, dass in jeder Folge ein Mord aufzuklären ist, der mit einer Pariser Sehenswürdigkeit zusammenhängt. So wird im ersten Fall ein bekannter Organist vor dem Notre Dame ermordet aufgefunden. Ein Relief am Eingang, das das Jüngste Gericht thematisiert, bringt Jo und seine Kollegen auf die richtige Spur. In anderen Fällen wird ein alterndes Model am Eiffelturm in die Tiefe gestoßen, ein Anwalt vor der Oper vergiftet.
Die europäische Co-Produktion „Jo“ (so der Originaltitel) setzt auf international prominente Gesichter (Tom Austen aus „Die Borgias“, Jill Hennessy aus „Crossing Jordan“), Pariser Sehenswürdigkeiten und einen schicken Look, wie man ihn von schwergewichtigen Hollywood-TV-Produktionen kennt. Hier liegt allerdings auch das Problem. Mit dem Blick auf den internationalen Markt wurde die Serie nicht nur komplett englischsprachig produziert, sondern passt sich auch in der Inszenierung den amerikanischen Vorbildern à la „CSI“ an. Dass die jeweiligen Morde an Pariser Sehenswürdigkeiten verortet sind, spielt eigentlich keine Rolle. Die Cops sind viel zu eingespannt, hetzen von einem auf wundersame Weise aufgedeckten Indiz zum nächsten, bis der Fall souverän gelöst ist. Das läuft alles doch zu glatt und wirkt zu konstruiert, um wirklich Spannung aufkommen zu lassen. Dieses Potenzial hätten allerdings die persönlichen Probleme, die nicht nur Jo mit sich herumträgt. Da gibt es schließlich die jahrelang brachgelegene Beziehung zu seiner Tochter ebenso aufzuarbeiten wie die mehr als freundschaftliche Beziehung zur Nonne Karyn, unter deren Obhut Adèle die letzten Jahre verbracht hat. Doch wenn sich Jo und Karyn vor Rodins „Höllentor“ oder auf eine Tasse Kaffee in einem Bistro verabreden, werden nur ein paar Worte gewechselt, dann trennen sich ihre Wege wieder. Das ist ebenso unrealistisch wie hilfreich, um eine menschliche Beziehung ausreichend zu skizzieren.
So wird in „The Cop – Crime Scene Paris“ all das, was die Serie interessant machen könnte, nur kurz angerissen, während die Kriminalfälle nach (amerikanischem) Schema F konstruiert sind. Da kann es nicht verwundern, dass die Serie nach den ersten acht Folgen abgesetzt worden ist. Dabei hätten die an sich faszinierenden Figuren und deren glaubwürdige Darstellung durch sehenswerte SchauspielerInnen mehr Raum zur Entfaltung verdient gehabt.
"The Cop - Crime Scene Paris" in der IMDb

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