Million Dollar Baby

Clint Eastwood hatte schon die Vierzig überschritten, als er durch seine Rollen in Sergio Leones „Dollar“-Trilogie und Don Siegels „Dirty Harry“ ein bekannter Schauspieler gewesen war und mit „Sadistico“ 1971 sein Regie-Debüt ablieferte. Abgesehen von seinen Western sollte es aber weitere zwanzig Jahre dauern, ehe er mit dem Spätwestern „Erbarmungslos“ (1992) auch den Durchbruch als Regisseur feiern durfte. Seither hat sich Eastwood als überwiegend hervorragender Filmemacher mit gutem Gespür für Figuren und Atmosphäre erwiesen. Sein vierfach Oscar-prämiertes Meisterwerk „Million Dollar Baby“ (2004) macht da keine Ausnahme.
Einst war Frankie Dunn (Clint Eastwood) ein überaus erfolgreicher Profi-Boxtrainer. Doch zwei Tatsachen haben ihn brechen lassen, zum einen die Entfremdung von seiner Tochter, die jeden seiner Briefe ungeöffnet an den Absender zurückschicken lässt, vor allem aber der Vorfall, der seinem Freund und Schützling Eddie „Scrap“ Dupris (Morgan Freeman) im Ring eines seiner Augen kostete, wofür er sich nach wie vor verantwortlich fühlt. Seitdem geht er mit seinen Boxern ein wenig zu vorsichtig um. Als sein bestes Pferd im Stall, Big Willie Little (Mike Colter), nicht den erhofften Titelkampf bekommt, sucht er sich kurzerhand einen neuen Trainer. Erst als die ehrgeizige, mit ihren 31 Jahren eigentlich schon zu alte Newcomerin Maggie Fitzgerald (Hilary Swank) Frank bekniet, sie zu trainieren, sieht er seine Chance, aus seinen vergangenen Fehlern zu lernen.
Nachdem er ihr immer wieder beteuert hat, keine Frauen zu trainieren, gibt er der hartnäckigen, bis zum Umfallen im „Hit Pit“ trainierenden Maggie schließlich nach und macht sie zur erfolgreichsten Boxerin im Weltergewicht. Doch im Kampf um den Weltmeistertitel müssen beide einen hohen Preis bezahlen …
Für seinen 25. Film als Regisseur ließ sich Clint Eastwood von Kurzgeschichten des professionellen Cut Man F. X. Toole inspirieren, einem jener Männer, die in den Pausen eines Kampfes in der Ecke ihres Schützlings dafür zuständig sind, vor allem die blutenden Wunden zu stoppen. Paul Haggis („L.A. Crash“, „James Bond 007 - Ein Quantum Trost“) kreierte dazu ein Drehbuch, das sich um die Freundschaft zwischen Frankie und Scrap, vor allem aber um die Vater-Tochter-ähnliche Beziehung zwischen Frankie und Maggie dreht. Das Box-Umfeld, in der die Geschichte angesiedelt ist, hat Eastwood stimmungsvoll eingefangen.
Der „Rocky“-ähnliche Aufstieg, den Maggie als Newcomerin zur Titelanwärterin absolviert, kommt erst in der zweiten Hälfte zum Tragen und wird in eher kurzen Sequenzen abgehandelt. Der Fokus liegt viel eher in der feinsinnig gezeichneten Entwicklung, wie sich die aus armen Verhältnissen stammende Maggie neben ihrem Job als Kellnerin hart an ihrer Karriere als Boxerin kämpft und durch ihre Beharrlichkeit den Respekt ihres anfangs zu abweisend agierenden Trainers gewinnt. Frankie wiederum sieht in Maggie die Möglichkeit, eine Ersatztochter für seine eigene, sich ihm entfremdete Tochter zu gewinnen. So ist „Million Dollar Baby“ ebenso wie beispielsweise „Perfect World“ ein Film über abwesende Väter. Während Frankies Abwesenheit aber auf dem Wunsch seiner Tochter basiert, ist Maggies Vater verstorben, so dass sie sich für den Unterhalt ihrer faulen wie undankbaren Familie zuständig fühlt. Als sie ihrer Mutter (Margo Martindale), ihrer Schwester mit Anhang ein Haus kauft, beschwert sich ihre Mutter über die fehlende Einrichtung und sorgt sich um den Verlust ihrer Sozialhilfe. Später schart sich die Familie aber wie die Geier um die Ersparnisse ihres Goldesels. Während die biologischen Familien in „Million Dollar Baby“ total zerrüttet sind, erblüht die selbstgewählte Familie, die Frankie und Maggie bilden, zu strahlendem Glanz.
Der Film lebt vor allem von den wunderschönen Momenten, in denen Maggie ihre Erfolgserlebnisse feiert und ihren Trainer dankbar anstrahlt. Die tragische Wendung, die der Film nimmt, krankt zwar etwas an der nicht recht überzeugend wirkenden Ausgangssituation, als sich Maggie einer mit unfairen Mitteln kämpfenden Titelinhaberin aus Deutschland stellen muss, aber das Drama, das daraufhin folgt, unterstreicht, wie menschlich nahe sich Frankie und Maggie über das erfolgreiche Training gekommen sind. Das Drama wird nicht nur durch die herausragend spielenden Darsteller Morgan Freeman, Clint Eastwood und Hilary Swank („The Core“, „Boys Don’t Cry“) geprägt, sondern ist von Tom Stern („Die Tribute von Panem - The Hunger Games“, „American Sniper“) auch in eindringlichen Bildern gefilmt worden. Die Oscars für die „Beste Regie“, den „Besten Film“ und die beiden Schauspieler Hilary Swank und Morgan Freeman hat „Million Dollar Baby“ wirklich verdient.
"Million Dollar Baby" in der IMDb

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