Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Der irisch-britische Filmemacher und Theaterautor Martin McDonagh liefert zwar nur alle paar Jahre mal einen Film ab, doch mit den beiden Komödien „Brügge sehen … und sterben?“ (2008) und „7 Psychos“ (2012) hat sich McDonagh als eigenständige Stimme in der Filmwelt etabliert. Mit dem gleich siebenfach Oscar-nominierten Meisterwerk „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017) hat er den ganz großen Wurf hingelegt und einen der stärksten Filme der vergangenen Jahre kreiert.
Vor sieben Monaten wurde Mildred Hayes‘ (Frances McDormand) Tochter Angela vergewaltigt und getötet, doch noch fehlt jede Spur vom Täter. Um die Ermittlungen wieder zum Laufen zu bringen, entschließt sich die wütende Mutter dazu, für 5000 Dollar im Monat drei Werbetafeln auf einer nicht mehr sehr befahrenen Straße in der außerhalb ihrer kleinen Heimatstadt Ebbing in Missouri zu mieten und darauf hinzuweisen, dass Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) offenbar seinen Job nicht macht. Während Mildreds Sohn Robbie (Lucas Hedges) durch den neu entfachten Trubel nur davon abgehalten wird, mit dem tragischen Vorfall endlich abzuschließen, nimmt vor allem Willoughbys rassistischer Hilfssheriff Jason Dixon (Sam Rockwell) die Attacke gegen seinen tödlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankten Chef persönlich und startet seine eigene Vergeltungsaktionen gegen die Aufwieglerin. Doch Mildred lässt sich weder von Dixons rauem Vorgehen noch Willoughbys einlenkenden Gesprächen davon abhalten, die Polizei bei der Suche nach Amandas Mörder auf Trab zu halten. Allerdings droht die Auseinandersetzung zwischen Mildred und der Polizei auf immer gewalttätigere Weise zu eskalieren …
Dass sich der Drehbuchautor und Regisseur Martin McDonagh vor allem auch am Theater („The Beauty Queen of Leenane“, „Der Kissenmann“) heimisch fühlt, merkt man seinen Filmarbeiten auf wohltuend erfrischende Weise an, denn entgegen jeder Hollywood-Konvention begnügt sich der Mann mit der irischen und britischen Staatsbürgerschaft nicht mit der Etablierung von charakterlichen Klischees und simplen Gut- und Böse-Kategorisierungen, sondern verblüfft vor allem in seinem neuen Werk mit faszinierenden Entwicklungen, die die Figuren absolut glaubwürdig durchmachen. Wenn Mildred Hayes eines der Fahrzeuge ihres Ex-Mannes verkauft, um dafür drei Werbetafeln zu mieten, die an einer so abgelegenen Straße aufgestellt sind, dass sie kaum jemand zu sehen bekommt, wird eine dramatische Ausgangssituation geschaffen, die deutlich macht, wie wütend und verzweifelt die Mutter darüber ist, dass der Mörder ihrer Tochter noch immer frei herumläuft. Liegen anfangs noch die Sympathien des Publikums ganz auf ihrer Seite, schlägt das Pendel jedoch im Verlauf des Films zugunsten des krebskranken Sheriffs um, der Mildred durchaus nachvollziehbar darlegt, warum es keine Fortschritte bei der Aufklärung von Amandas Ermordung gibt. Die Auseinandersetzungen zwischen Mildred und der Polizei (und anderen Organen wie der Kirche) nehmen teilweise skurrile Züge an und schießen irgendwann auch so übers Ziel hinaus, dass Menschen dabei schwer verletzt werden.
McDonagh schafft es aber immer wieder, die dramatischen Situationen mit einer feinen Prise Humor zu entschärfen. Da sorgt nicht nur die für ihre starke Performance mit einem Oscar ausgezeichnete Frances McDormand („Fargo“, „Moonrise Kingdom“) für eindringliche Momente, sondern auch Woody Harrelson („Natural Born Killers“, „True Detective“) überzeugt als Sheriff, der nicht nur in der Schusslinie steht, sondern auch mit dem Schicksal seines nahenden Todes umgehen muss. Die überraschendste Wendung vollzieht sicher die Figur des famos von Sam Rockwell („Moon“, „7 Psychos“) dargestellten Redneck-Cops Dixon, der sich immer wieder von seiner Mutter anstacheln lässt, zum Ende hin aber mit Mildred ein ungewöhnliches Bündnis eingeht. Selbst die Nebenfiguren wie Mildreds Ex-Mann, der mit einem viel jüngeren Mädchen durchgebrannt ist, erweisen sich nicht als die Personen, wie sie auf den ersten Blick wirken. McDonagh scheint dem Publikum einen Spiegel vorzuhalten und es dazu einzuladen, sich nicht von einem vorschnellen Urteil über einen Menschen leiten zu lassen.
„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ lebt von den unvorhergesehenen Folgen eines dramatischen Erlebnisses, von dem ganz unterschiedliche Personen berührt werden. McDonagh versteht es vorzüglich, eine stimmige Balance zwischen Trauer, Wut und Humor zu kreieren, wobei er durch den hervorragenden Cast entsprechend unterstützt wird.
"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" in der IMDb

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