Bauernopfer - Spiel der Könige

Eigentlich ist Edward Zwick bislang vor allem als Regisseur opulenter Helden-Epen bekannt geworden. Doch nach Leinwanderfolgen wie „Glory“, „Legenden der Leidenschaft“, „Last Samurai“ und „Unbeugsam“ demonstrierte der amerikanische Filmemacher bereits mit „Love and other Drugs – Nebenwirkungen inklusive“ eine andere Facette seines Könnens.
Mit dem packenden Biopic „Bauernopfer – Spiel der Könige“ präsentiert Zwick seinen sicherlich intimsten Film, indem er sich ganz auf seine schillernde Hauptperson konzentriert, das amerikanische Schach-Genie Bobby Fischer, das von Tobey Maguire („Spider-Man“, „Der große Gatsby“) wunderbar vielschichtig verkörpert wird.
Der junge Bobby Fischer wächst in den 1950er Jahren bei seiner alleinerziehenden Mutter Regina (Robin Weigert) auf, mit deren Männerbekanntschaften sich das Kind überhaupt nicht anfreunden kann. Stattdessen entwickelt Bobby ein außergewöhnliches Talent im Schachspiel, so dass er 1958 als Vierzehnjähriger zum jüngsten US-Schachmeister avanciert.
Die nächste Hürde auf seiner Karriereleiter gestaltet sich allerdings problematisch, denn die übermächtigen Russen haben seit dem Zweiten Weltkrieg ununterbrochen die Schachweltmeisterschaft für sich entscheiden können. Allerdings muss er auf dem Weg zum ersehnten Titel nicht nur den sowjetischen Schach-Giganten Boris Spasski (Liev Schreiber) schlagen, sondern vor allem sein paranoid-nervöses Gebaren in den Griff bekommen.
Zusammen mit seinem Manager Paul Marshall (Michael Stuhlbarg), der Bobbys Ausnahmetalent vor allem für Propagandazwecke einsetzen will, und des früheren Großmeisters Bill Lombardy (Peter Sarsgaard), der nun als Priester tätig ist, macht sich Bobby Fischer auf eine schwierige Odyssee, bei der er sich selbst einer Verschwörung der Russen und der Juden ausgesetzt sieht.
Edward Zwick folgt in seinem bereits 2014 entstandenen Biopic, das erst im April 2016 in den deutschen Kinos angelaufen ist, erzählerisch den Genre-Konventionen, pickt sich exemplarische Episoden aus Bobby Fischers Kindheit und Jugend heraus, die schnell veranschaulichen, in welchem familiären Milieu er aufwächst und wie rasend schnell er zum jüngsten Schachgroßmeister aufsteigt. Nach dieser Einführung wird der Film wirklich interessant, als Bobby Fischer das Duell mit Boris Spasski sucht.
Hier treffen nicht nur zwei Supermächte im Kalten Krieg aufeinander, sondern auch zwei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Das wird besonders deutlich, als Spasski mit seinem Trupp in die USA kommt und in den Genuss aller Annehmlichkeiten des westlichen Kapitalismus kommt, während es bei Fischer und seinen beiden Begleitern nur für billige Absteigen reicht. Und während Spasski mit seiner Sonnenbrille stets eine stoische Gelassenheit zur Schau trägt, lässt sich Fischer zunehmend von kleinsten Nebengeräuschen irritieren und zwingt den Veranstaltern immer neue Bedingungen für seine Teilnahme am Wettkampf auf.
Das ist auch für Zuschauer wunderbar zu verfolgen, die an sich kein Interesse für das königliche Brettspiel aufbringen, denn Zwick und sein Kameramann Bradford Young („Selma“, „A Most Violent Year“) fangen mit ihren Nahaufnahmen stets die vielsagenden Gesichtszüge der beiden Kontrahenten ein und bringen allein schon durch ihre Inszenierung die paranoiden Ängste von Spasskis Herausforderer zum Ausdruck.
Der Film lebt dabei vor allem von Tobey Maguires herausragender Performance, die die seelischen Qualen seiner Figur glaubwürdig transportiert. Aber auch Liev Schreiber („Ray Donovan“, „Salt“) überzeugt mit reduzierten Gesten und physischer Präsenz ebenso wie Peter Sarsgaard („Knight And Day“, „Green Lantern“) und Michael Stuhlbarg („Hugo Cabret“, „A Serious Man“) als Fischers Unterstützung. Dazu sorgt James Newton Howard, der mit Zwick seit „Blood Diamond“ erfolgreich zusammenarbeitet, mit einem sehr zurückhaltenden Score für die passende musikalische Untermalung.
So bietet „Bauernopfer – Spiel der Könige“ großes Schauspiel-Kino mit perfektem audiovisuellen Rahmen.
"Bauernopfer" in der IMDb

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