Eye In The Sky

Bei der modernen Kriegsführung geht es längst nicht mehr nur darum, bewaffnete Soldaten gegen feindliche Truppen einzusetzen. Stattdessen entscheiden die militärischen Oberbefehlshaber mittlerweile aus ihren heimatlichen Schaltzentralen, wie dem aus der Luft ausgemachten Feind mit komplexer Drohnentechnik beizukommen ist. Dass diese sehr unpersönliche Art der Kriegsführung durchaus mindestens ebenso spannenden Stoff für ein Thriller-Drama bieten kann, beweist der britische Schauspieler und Filmemacher Gavin Hood („Ender’s Game – Das große Spiel“) mit seinem neuen Werk „Eye In The Sky“.
Unter der Führung von Colonel Katherine Powell (Helen Mirren) gelingt es der britischen Armee, per Drohnen-Aufklärung in Nairobi die lang gesuchte britische Staatsangehörige Susan Danford aufzuspüren, die als Al-Shabaab-Terroristin Ayesha Al-Hady offensichtlich in der Planung eines Selbstmordanschlags involviert ist. Die geplante Festnahme durch den lokalen Agenten Jama (Barkhad Abdi) kann allerdings nicht durchgeführt werden. Stattdessen sollen die amerikanischen Soldaten Steve Watts (Aaron Paul) und Carrie Gershon (Phoebe Fox) per Knopfdruck eine Hellfire-Rakete in das Haus abfeuern, das in dem von Al-Shabaab-Sympathisanten kontrollierten Wohnbezirk liegt und offenbar weitere nigerianische Top-Five-Terroristen beherbergt.
Doch bevor Powell den entsprechenden Befehl erteilen kann, braucht sie die Genehmigung von Lieutenant General Frank Benson (Alan Rickman), der in London mit dem Innenminister und dem Generalstaatsanwalt die Optionen diskutiert. Die Lage verschärft sich, als sich die Terroristen die Sprengstoffwesten umzuschnallen beginnen und unerwartet ein kleines Mädchen beginnt, in unmittelbarer Nähe des Zielobjekts Brot zu verkaufen …
Das moralische Dilemma, in dem Militär und politische Entscheidungsträger in „Eye In The Sky“ stecken, kristallisiert sich sehr schnell heraus und bildet zugleich Antrieb und Schlüssel des faszinierenden Dramas: Ist der Kollateralschaden eines getöteten Mädchens hinzunehmen, wenn dafür vielleicht achtzig andere Kinder durch die Tötung der Terroristen gerettet werden können? Wie die Militärführungen und politischen Vertreter miteinander das Für und Wider einer solchen Aktion diskutieren und einander die Entscheidungsgewalt einander zuschieben, gehört zu den besonderen Stärken des Films, der abgesehen von dem erschütternden Finale auch gar keine Stellung bezieht, sondern sich darauf beschränkt, die Argumente von Rechtsstaatlichkeit, Schutz der Zivilbevölkerung und Ausschalten von hochrangigen Terroristen und Selbstmordattentätern darzulegen.
Auf der anderen Seite können einem das ahnungslose kleine Mädchen und seine Eltern ebenso leidtun wie die beiden einfachen Soldaten, die von ihrem amerikanischen Stützpunkt aus den Knopf zum Abschuss der Rakete drücken sollen.
Es ist einfach spannend zu sehen, wie alle beteiligten Parteien ihre Argumente verteidigen und vor allem das Militär versucht, die politische Elite zu Entscheidungen zu drängen und die Kollateralschadenwahrscheinlichkeit künstlich herunterzuspielen, damit jeder mit gutem Gewissen seine Zustimmung zu dem Angriff geben kann. Das ist durchaus realistisch inszeniert, von den namhaften Darstellern stark gespielt und am Ende mit einer doch sehr humanen Botschaft versehen.
"Eye In The Sky" in der IMDb

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