Darfur - Der vergessene Krieg

Um sich ein Bild von der verheerenden Situation im sudanesischen Darfur zu machen, reist ein Trupp von sechs internationalen Journalisten (Billy Zane, Kristanna Loken, Edward Furlong, David O'Hara, Noah Danby und Matt Frewer) in Begleitung von Soldaten der Afrikanischen Union ins Krisengebiet und bekommen die Möglichkeit, sich mit eigenen Augen und durch Gespräche mit der Dorfbevölkerung von den schrecklichen Zuständen zu überzeugen. Sie erfahren aus erster Hand von Vergewaltigungen und Morden durch die arabischen Janjaweed, die die „schwarzen Affen“ ausrotten wollen. 
Als die Journalisten noch völlig verstört und erschüttert im Jeep die Rückreise antreten, begegnet ihnen eine der gefürchteten Terrormilizen auf dem Weg zu dem Dorf, das sie gerade besucht haben. Sie stehen vor der schweren Entscheidung, ob sie nur über den Völkermord berichten oder selbst gegen ihn vorgehen wollen. 
Der deutsche Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Uwe Boll hat sich mit seinen Videospiel-Verfilmungen wie „Alone In The Dark“, „House Of The Dead“, „Far Cry“ oder „BloodRayne“ bislang nicht viele Freunde unter den Kritikern finden können. Mit seinem erschreckend realistischen Plädoyer gegen den Völkermord in Darfur dürfte sich das erstmals ändern. Denn wie Boll, der zusammen mit Chris Roland auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, das Massaker in Darfur nicht wie gewohnt effektheischend inszeniert, sondern auf authentisch wirkende Weise fast "dokumentiert", ist schon beeindruckend. Dass bekannte Gesichter wie Billy Zane („Tödliche Stille“, „Titanic“), Edward Furlong („Terminator 2“, „American History X“) und Uwe Bolls Muse Kristanna Loken („Terminator 3“, „BloodRayne“, „Schwerter des Königs“) den Cast schmücken, wird bei dem geschilderten Grauen schnell zur Nebensache, auch die (moralische) Frage, ob die Journalisten nur als Beobachter und Sprachrohre fungieren oder selbst einen unmittelbaren Beitrag zur Vermeidung solcher Gräueltaten leisten sollten. Denn sobald der von Soldaten geschützte Trupp ins Zentrum des Grauens stößt, gehört den geschundenen Körpern und Seelen der sudanesischen Bevölkerung die ganze Aufmerksamkeit. Sie stehen stellvertretend für die schätzungsweise 400.000 Toten und 2,5 Millionen Vertriebenen, die dem Konflikt in der Darfur-Region seit 2003 zum Opfer gefallen sind. 
Boll will auf diese humanitäre Katastrophe aufmerksam machen, und er scheut keine Mittel, dies auch eindrucksvoll zu tun. Die stets stark wackelnde Kamera verstärkt den dokumentarischen Charakter, den Boll mit „Darfur“ anstrebt, übertreibt es dabei allerdings etwas. Doch das ungeschminkte Vergewaltigen, Morden und Zerstückeln wirkt lange nach, weil Boll für das aufrüttelnde Drama echte sudanesische Flüchtlinge für seinen Film gewinnen konnte und das Drehbuch improvisierte. Leider wird die Botschaft des Films durch die allzu unruhige Handkamera empfindlich abgeschwächt, doch davon abgesehen ist „Darfur“ der vielleicht beste Filmbeitrag zu dem brisanten Thema. 

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