Woyzeck

Die Zusammenarbeit zwischen Autorenfilmer Werner Herzog und dem Ausnahme-Schauspieler Klaus Kinski hat so grandiose Werke wie die "Dracula"-Adaption "Nosferatu" und die Abenteuer-Dramen "Cobra Verde", "Fitzcarraldo" und "Aguirre, der Zorn Gottes" hervorgebracht. Eine Sonderstellung in dem gemeinsam geschaffenen Œuvre nimmt aber die Verfilmung von Georg Büchners Drama "Woyzeck" ein. 
In einer kleinen Stadt an einem großen Teich dient Mitte des 19. Jahrhunderts der einfache Soldat Franz Woyzeck (Klaus Kinski) bei der Infanterie, wo er oft bis zur Erschöpfung malträtiert wird. Sein mageres Salär bessert er mit ein paar Groschen auf, die er durch eine Rasur bei seinem Hauptmann (Wolfgang Reichmann) oder als medizinisches Versuchskaninchen bei seinem Arzt (Willy Semmelrogge) verdient. Auf diese Weise unterstützt er seine lebenslustige Freundin Marie (Eva Mattes) und ihr uneheliches Kind. Da Woyzeck ständig im Dienst ist, vergnügt sich Marie auch anderweitig. Als Woyzeck beobachtet, wie sie ausgelassen mit dem jungen Tambourmajor (Josef Bierbichler) flirtet, brennt bei ihm eine Sicherung durch. 
Es ist schon immer ein Traum von Herzog gewesen, Georg Büchners Drama aus dem Jahr 1836, das bereits oft fürs Theater adaptiert worden ist, zu verfilmen. Weil er so begeistert von Büchners ausdrucksvoller Sprache gewesen ist, behielt Herzog den Text des Originals nahezu bei und inszenierte seinen "Woyzeck" wie auf einer Theaterbühne mit einer überschaubaren Anzahl von Darstellern, wenigen Schnitten und einer unaufgeregten Bildsprache, die den Fokus ganz auf die eindringlichen Dialoge lenken. 
Klaus Kinski spielt den getriebenen Woyzeck mit inbrünstiger Intensität und läuft zu gewohnter Hochform auf. An seiner Seite überzeugt Eva Mattes als lebenslustige wie treusorgende Mutter und Geliebte. Büchners geschwungene Sprache mag gewöhnungsbedürftig sein, aber dann entfaltet sie eine immense Wucht. "Woyzeck" ist von StudioCanal erstmals auf Blu-ray im Rahmen der "Klaus Kinski/Werner Herog"-Box erschienen und mit einer Vielzahl von Extras versehen worden. 
Neben verschiedenen Kurzfilmen wie der Dokumentation "La Soufriere - Warten auf eine unausweichliche Katastrophe" sind ein Gespräch zwischen Herzog und Laurens Straub über die Entstehung von "Woyzeck" sowie ein von Herzog selbst gefilmtes halbstündiges Portrait über sich selbst. 

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