Cloud Atlas

Seit der international erfolgreichen filmischen Adaption von Patrick Süskinds lange Zeit als unverfilmbar geltenden Bestseller-Romans „Das Parfum“ (2006) ist der deutsche Filmemacher Tom Tykwer auch in Hollywood ein geschätzter Name. Für die Verfilmung von David Mitchells epischen Bestseller „Der Wolkenatlas“, der auf gut 670 Seiten verschiedene Schicksale über einer Zeitspanne von 500 Jahren miteinander verknüpft, hat sich Tykwer mit den amerikanischen Filmemachern Lana und Andy Wachowsky zusammengetan, die ihrerseits mit der „The Matrix“-Trilogie Filmgeschichte geschrieben haben.
„Cloud Atlas“ beginnt wie John Carpenters Grusel-Klassiker „The Fog“: Der gebrechliche alte, von Narben gezeichnete Mann Zachry (Tom Hanks) erzählt Kindern an einem Lagerfeuer eine Geschichte. Diese ist allerdings längst nicht so einfach gestrickt wie bei Carpenter, sondern führt in mehreren kurzen Episoden eine Vielzahl von Figuren ein. Im Jahre 1849 erhofft der kranke Anwalt Adam Ewing (Jim Sturgess) vom alternden Doc Henry Goose (Hanks) Hilfe gegen seine Leiden und freundet sich mit dem pfiffigen Sklaven Autua (David Gyasi) an. Der homosexuelle Komponist Robert Frobisher (Ben Wishaw) nimmt 1936 eine Assistentenstelle bei seinem berühmten Kollegen Vyvyan Ayrs (Jim Broadbent) an, um die Komposition, an der er seit Jahren nicht mehr gearbeitet hat, zu beerben und so selbst berühmt zu werden.
Die Journalistin Louisa Rey (Halle Berry) plant Anfang der 1970er eine Enthüllungsstory über den Lloyd Hooks (Hugh Grant), der einen neuen Atommeiler plant. Wie sie vom Wissenschaftler Rufus Sixsmith (James D’Arcy) erfährt, birgt das Projekt aber enorme Sicherheitsrisiken.
Im Jahre 2012 feiert der glücklose Verleger Timothy Cavendish (Broadbent) seinen größten Erfolg, als ein von ihm betreuter Autor (Hanks) einen verhassten Kritiker über einen Balkon zu Tode wirft. Derart populär geworden, entwickelt sich das Buch zum Bestseller, doch der enorme Gewinn deckt gerade mal Cavendishs Schulden. Im Jahr 2144 gelingt es einer Sklavin (Doona Bae), ihrem Schicksal zu entfliehen und mit Hilfe eines Rebells (Sturgess) ihre menschlichen Sehnsüchte zu entdecken. Schließlich ist in einer entfernten Zukunft die Menschheit nach der Apokalypse wieder in einen Steinzeit-ähnlichen Zustand zurückverfallen. Auf Hawaii erfährt Zachary (Hanks) von Meronym (Berry), einer Gesandten der technisierten Spezies Prescients, dass ihr Volk von einer unheilbaren Krankheit bedroht wird. Gemeinsam machen sie sich auf eine gefährliche Reise in die Berge, um die Zukunft der Menschheit zu sichern …
Selbst 160 Minuten reichen natürlich nicht aus, um all die miteinander verwobenen Erzählstränge, die Mitchell in seinem dritten Roman „Der Wolkenatlas“ so virtuos konstruiert, auf gebührende Weise zu verfilmen. So wirken die immer mal wieder angerissenen und ebenso wieder schnell abgebrochenen Episoden in der filmischen Adaption des ambitionierten Trios Tykwer/Wachowski/Wachowski fast schon beliebig aneinandergereiht, ohne das Publikum wirklich in den Bann ziehen zu können. Was die Geschichte(n) an sich angeht, haben sie sich eindeutig an der Last verhoben, die die vielschichtige Verquickung all der Einzelschicksale bedeutet. Kaum hat sich der Zuschauer in eine Epoche und Szene eingefühlt, wird er auch schon in die nächste katapultiert. Was den Filmemachern aber bravourös gelingt, ist der beeindruckende Einsatz filmischer Mittel. „Cloud Atlas“ besticht durch eine kohärente Mischung verschiedener Genres, Kulissen, Figuren und Epochen, durch tolle Bilder von den Kameramännern John Toll („The Last Samurai“, „Braveheart“) und Frank Griebe („Das Parfum“, „Lola rennt“), aber auch das Produktionsdesign und die Maskenbildner haben großartige Arbeit geleistet, um dem Film bestmöglich zu dienen. Dazu überzeugen die SchauspielerInnen in ihren jeweils mehrfachen Rollen und machen „Cloud Atlas“ letzten Endes zu einem überwältigenden Filmvergnügen, dem allein die packende Geschichte fehlt.

"Cloud Atlas" in der IMDb

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