The Disappeared

Eigentlich sollte Matthew (Harry Treadaway) auf seinen kleinen Bruder Tom (Lewis Lemperuer Palmer) aufpassen, doch weil er mit seinen Freunden lieber Party machte, schickte er ihn bequemerweise einfach auf den Spielplatz, von wo er spurlos verschwand. Von den Schuldgefühlen befreite Matt auch keine Psychotherapie, zumal ihn sein alleinerziehender Vater Jake (Greg Wise) deutlich spüren lässt, wer für Toms Verschwinden verantwortlich ist. 
Als Matthew nach erfolgter Therapie in sein tristes Zuhause zurückkehrt, hängt er Erinnerungen an seinen offiziell für tot erklärten Bruder nach, und er sieht sich eine Videocassette an, auf der er deutlich Toms Hilferuf zu hören glaubt. Weitere Halluzinationen und Albträume machen dem Jungen zu schaffen. Allein das neue Nachbarsmädchen Amy (Ros Leeming) kann nachempfinden, was Matthew gerade durchmacht. Sie gibt ihm den Rat, die medial begabte Melissa in der Nachbarschaft um Hilfe zu bitten. Doch der Schrecken scheint sich weiter auszubreiten, denn immer mehr Kinder aus der Nachbarschaft verschwinden, darunter auch die kleine Schwester seines Freundes Simon (Tom Felton). Schließlich wird Matthew durch seine Visionen zur wahren Ursache für das Verschwinden der zahlreichen Kinder geführt. 
Regiedebütant Johnny Kevorkian beginnt seinen Mystery-Thriller „The Disappeared“ wie ein sozialkritisches Drama à la Ken Loach, indem er mit seiner Kamera in tristen Bildern die abweisend-schäbige Gegend in Südlondon einfängt und seine Protagonisten ohne große Illusionen auf eine glänzende Zukunft durch ihr wenig erfreuliches Leben stolpern lässt. 
Das unerklärliche Verschwinden einiger Kinder macht das ohnehin schwierige Leben nicht einfacher. Der Übergang zum mystischen Part des Films wirkt umso effektiver, weil das realistische Setting vorher so sorgsam und überzeugend entfaltet worden ist. Die spannende Frage, ob es sich bei Matts Visionen um die Folge seiner Schuldgefühle handelt oder tatsächlich um die erschreckenden Erscheinungen von Toten, wird durch die geschickte Inszenierung, die bedrückende Atmosphäre in unterkühlt blauen Farben und den schaurigen Sound zur zentralen Antriebsfeder des Films. 
Fast unmerklich gleitet der Thriller schließlich zu einem fast klassischen Fang-den-Mörder-Finale über, das „The Disappeared“ zusammen mit den souverän aufspielenden Darstellern und Ilan Eshkeris („Stardust“) gruseligen Score stimmig abrundet.  

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